Die Maurenburg von Catalayud

Aragón ist das Burgund Spaniens …
schrieb ich eingangs in meinem Beitrag zu Spanien. Und tatsächlich stieß ich nicht nur in Zaragoza, sondern auch in Catalayud auf buntglasierte Kirchtürme. Aber auch die Schwarzen Jungfrauen sind hier vertreten. Eine von ihnen – La Morena genannt – befindet sich in der Kollegialkirche Colegiata Virgen de la Peña von Catalayud. Sie gilt als Patronin der Stadt.

Blick auf Catalayud

Catalayud – ehemalige Maurensiedlung unterhalb der Burg

Keltiberer – Römer – Westgoten

Die ersten Einwohner der Gegend um Catalayud waren Keltiberer (die Lusones), die mit den Römern zusammenarbeiteten.
Unter Augustus erhielt die Ansiedlung den Rang eines Municipium, genannt Augusta Bilbilis. Unter Tiberius wurden öffentliche Bauten wie Tempel und Forum errichtet. Später wurde die römische Stadt wieder verlassen. In der westgotischen Epoche gab es nur noch kleine Ansiedlungen in der Nähe der alten Römerstadt.

Dann kamen die Mauren

Im 8. Jahrhundert errichteten die Mauren in der Nähe des römischen Bilbilis eine große Festung. Man nannte sie Burg des Ajub, benannt nach einem hochrangigen Adligen. Sie gibt Catalayud noch heute ihren Namen.
Die Stadt gehörte bis zum Jahr 929 zur Obermark des Emirats, bzw. Kalifats von Córdoba.
Bemerkenswert: Auf der Iberischen Halbinsel existierten wie selbstverständlich Christen, Muslime und Juden nebeneinander. So gab es auch in Catalayud eine Moreria (Maurenviertel) und eine Judéria (Judenviertel).

Das Castillo Mayor o de Ayub

wurde vom 9. bis 10. Jahrhundert erbaut.
Zu dieser Zeit war Catalayud eine der wichtigsten Städte im muslimischen Spanien und während der Taifa Ära wurde es für kurze Zeit die Hauptstadt.

(Fotos anklicken u. vergrößern!)

Interessanter Hufeisenbogen des Kalifattyps

Bereits 1031 war Calatayud eine der wichtigsten Städte des Taifa-Königreichs von Zaragoza, eine Epoche von großer wirtschaftlicher und kultureller Pracht, die bis etwa 1110 andauern sollte.

Die Reconquista – die Rückeroberung
Im Verlauf des 9. bis 11. Jahrhunderts erlangten die christlichen Königreiche allmählich wieder die Herrschaft über weite Teile der Iberischen Halbinsel. Im Jahr 1110 versuchten die Almoraviden den Vormarsch der Rückeroberung einzudämmen …

Aber es gelang ihnen nicht. Im Jahr 1120 – zwei Jahre nach der Einnahme von Zaragoza – ergab sich auch das unter maurischer Herrschaft stehende Catalayud.

Bemerkenswert die Türme

Die prachtvolle Maurenburg von Catalayud steht auf einer Mergel- und Gipsplattform. Das Herausragendste sind die hohen Mauern, die Zugangstreppen (früher befanden sich hier zwei Zugbrücken) und die Türme – vor allem der halboktogonale Turm besticht durch seine Höhe.

Atemberaubender Blick auf die umliegenden Berge

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Estella – auf dem alten Sternenweg nach Compostela

Ich hatte bei Ean Begg gelesen, dass sich in der Real Basilica von Estella (Provinz Navarra) eine polychrome (mehrfarbige) Holzstatue aus dem 8. Jahrhundert (vermutlich eher 12. Jh.?) befinden soll, die rundum versilbert ist: Pilger aus ganz Europa hätten sie auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela aufgesucht.
Das hat mich neugierig gemacht!

Ursprünglich war Estella eine römische Siedlung. Im 11. Jahrhundert gründete König Sancho Ramirez nach dem Erscheinen eines Sternenzeichens die Stadt. Dabei stellte er sicher, dass ein Pilgerweg (damals noch der „Alte Sternenweg“) durch Estella führte.
Heute liegt Estella (baskisch Lizarra) am Camino Francès. Die Kleinstadt ist berühmt für ihre alten Kirchen, Paläste und Klöster, weshalb sie auch das „Toledo des Nordens“ genannt wird.
Beide Namen, Estella und Lizarra, bedeuten Stern und werden amtlich benutzt.

No se ve Estella hasta llegar a ella …

In einem spanischen Sprichwort heißt es, dass man Estella seiner Berge wegen erst dann sieht, wenn man schon dort ist:  Der Bergring, der Estella umgibt, schützt die Stadt vor kalten Winden und ist damit für Estellas mildes Klima verantwortlich.

Foto links: Auf dem Weg zur RealBasilica – eine Säulenmadonna

Und wohin man auch sah: Sterne, Sterne, Sterne
(Eingangstür der RealBasilika von Estella)

Der Alte Sternenweg – kurzer Romanauszug aus „Talmi“:
… Als es um den Ausspruch „Das Siegel der Meister ist der Stern“ ging, kam Sabot auf die alten Initiationswege zu sprechen: „Zu diesen Wegen zählte auch der sogenannte Sternenweg in Richtung Santiago de Compostela. Aber Achtung: Er ist nicht deckungsgleich mit dem heute bekannten Jakobsweg. Wobei sich mir der Verdacht aufdrängt“ – Sabot schmunzelte -, „dass man den Pilgerstrom absichtlich vom alten Weg fernhält.“

„Und weshalb?“, fragte Maury.
„Nun, der Sternenweg hat offenbar mit dem Christentum nur wenig gemein. Leider weiß man heute den Grund nicht mehr, weshalb Menschen in grauer Vorzeit ihn beschritten haben. Das Wissen ging verloren … Es gab übrigens noch andere Wege“, sagte er. „Einer ging von England aus und ein weiterer von Sainte-Odile im Elsaß. Alle Wege führten durch Gegenden, die von Megalithen und Dolmen bedeckt sind. Die Steine verbinden gewissermaßen die heiligen Orte … Bleiben wir beim Sternenweg. Historiker vermuten, er gehörte ursprünglich zu einem riesigen Labyrinth, das sich über die gesamte Pyrenäengegend spannte – eine Art Initiationssystem …“

Real Basílica de Nuestra Señora de El Puy
Im Inneren eine freundlich lächelnde Jungfrau mit Kind und Krone, auf einem Schemel sitzend (s. Foto unten). In ihrer Hand ein blühender Dornzweig, unter ihren Füßen eine große Mondsichel.  Die in Estella verehrte Madonna (vermutlich eine ihrer Vorgängerinnen) wurde im Jahr 1085 in einer Höhle gefunden, nach der Marienerscheinung einiger Hirten. „Mondsichelmadonnen“ gibt es viele. Aber was hat es mit ihnen auf sich? Eine Spur führt geradewegs zur Apokalypse – zur Offenbarung des Johannes:

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. (Offb, 12,1–5)

Aber eigentlich begann alles noch viel früher:

Barbara G. Walker schreibt in ihrem Lexikon „Das Geheime Wissen der Frauen“ folgendes:

„Ägyptische Inschriften verkünden:
´Am Anfang war Isis, die Älteste der Alten.
Sie war die Göttin, aus der alles Werden wuchs.
Als Schöpfergöttin gebar sie den Sonnenstern,
als er das erste Mal über der Erde aufging`.

 

Das Christentum übernahm also die Sterne. Das sog. „Mondschiff“ der Isis jedoch – ihre Barke, die sie so stolz auf dem Kopf trug – tritt die Mutter Gottes heute mit Füßen!

Vielleicht als Zeichen des Sieges über ihre heidnische Vorgängerin?

Fest steht, dass Isis und ihr Sonnenstern vom Christentum weniger verdrängt als erfolgreich absorbiert wurde …

(s.a. mein Artikel „Die Freundinnen der Frauen – Schwarz bin ich, aber schön …)

(Fotos bitte durch Anklicken vergrößern!)

Das Kircheninnere ist gotisch – und wie ein einziger Stern konzipiert!
*

(Foto links – eine Kopie der der Nostra Seniora del Puy)

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Helene L. Köppel

Ein Kultplatz aus alter Zeit – Santuari de la Mare de Déu del Far

Eine Zufallsentdeckung im September 2015

Wir befinden uns in Katalonien, in einer schwer zugänglichen Gegend zwischen den Regionen Garrotxa und La Selva, und zwar im Gemeindebezirk Susqueda, wo sich das Heiligtum de la Mare de Déu del Far befindet. (Mare de Déu = Mutter Gottes, Far = Licht, Leuchtturm)
Dieser verschwiegene Ort liegt oberhalb einer Steilklippe, etwa
elfhundert Meter über dem Meeresspiegel. Die Landzunge selbst ragt wie ein Schiffsbug in die Landschaft. Vom Mirador aus erwartet den Besucher eine atemberaubende Rundumsicht auf Wälder, Wasserfälle, Tafelberge, Vulkane – sowie auf die schimmernden Susqueda Wasserreservoirs.

(Blick von der Aussichtsplattform auf die Umgebung. Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Die Kapelle del Far

ist von außen eher unspektakulär. Das ursprüngliche Gebäude aus dem Jahr 1269 wurde durch ein Erdbeben zerstört. Der Neubau – ein rechteckiges Schiff mit Gewölben erinnert an eine steinerne Grotte. Es bildet einen Komplex mit einem weiteren Gebäude – dem Haus eines ehemaligen Eremiten.

Mare de Déu del Far

Verehrt wird hier eine ganz besondere Madonna: Der Korpus ist aus Alabaster gefertigt, eine Gipsart, weicher als Marmor, die hier überall abgebaut wird. Auch die Romanischen Madonnen, die im Episkopal-Museum von Vic stehen, sind teilweise aus Alabaster. Die Far-Madonna stammt angeblich aus dem 11. Jahrhundert. (Ich selbst hätte sie im 13. Jh. verortet.) Sie wurde im Jahr 1922 restauriert und farbig bemalt.

(Foto rechts – die Alabaster-Madonna aus dem 11. Jh.
Foto unten eine Votivgabe)

 

Neugierde siegt

Meine langjährige Gewohnheit, bestimmte Kirchen mindestens in einer Richtung fußläufig zu umrunden, hat sich auch hier ausgezahlt: Ich saß bereits im Auto, weil es regnete, als mein Blick auf eine Art „Hain“ fiel. Ich stieg wieder aus und betrachtete mir die Sache näher. Dabei entdeckte ich das ursprüngliche Santuarium del Far, das in keinem mir vorliegenden Reiseführer Erwähnung fand. Der steinreiche Kultplatz ist heute ein Ort der Stille und Einkehr …

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(Foto durch Anklicken vergrößern!)

Ein Hain, ein altes Quellheiligtum …

In alter Zeit waren Heilige Haine bestimmten Göttern oder auch Nymphen geweiht. Sie lagen stets im Schatten, im Schutz von Bäumen und Sträuchern, und dienten der Opferung und dem Gebet.
Über einen Heiligen Hain der Kelten in der Nähe von Marseille schreibt u.a. Annaeus Lucanus (39-65 n. Chr.), ein Neffe von Seneca d.J., in seinem Epos Pharsalia
(Caesar hatte den Befehl gegeben, den Hain abzuholzen, um Stämme für das Belagerungsgerät von Marseille zu bekommen):

“Ein Hain in der Nähe war seit Menschengedenken nicht mehr angetastet worden. Seine verschlungenen Äste umfingen und verdunkelten den Luftraum und spendeten kühlen Schatten, denn die Sonnenstrahlen wurden hoch oben abgeschirmt. Hier werden Götter mit barbarischen Riten verehrt; auf den Altären schichtet man schauerliche Opfergaben auf, und jeder Baum ist schon von Menschenblut bespritzt. Hier fürchten sich die Vögel zu sitzen und die wilden Tiere zu lagern. Weder der Wind noch die aus schwarzen Wolken geschleuderten Blitze trafen je diesen Wald, und obwohl die Blätter keinem Lufthauch ausgesetzt sind, zittern die Bäume von innen her. Es fließt auch viel Wasser aus dunklen Quellen, und düstere, kunstlos geschnitzte Götterstatuen ragen unförmig aus den Strünken …“

 

Wem wurden hier Opfer dargebracht? Der Göttin Isis?

Dass es sich einst um eine heidnische Stätte, einen Kultplatz, gehandelt hat, beweist auch die kleine uralte Figur hinter den Gitterstäben. Auffällig die hohe Krone und der ungewöhnliche – an ein Mieder oder gar an ein Musikinstrument erinnernde – Gegenstand unterhalb der rechten Brust. Auch diese Figurine ist aus Alabaster gefertigt. Möglicherweise handelt es sich bei ihr um die Vorgängerin der Madonna aus dem 11. Jahrhundert, die in der Kirche von Far verehrt wird. So zierlich und aufrecht stehend, mit dem auffälligen „Thronsitz“ auf dem Kopf, könnte es sich um eine „Isis lactans“ gehandelt haben, die dem Horusknaben die Brust reicht, ihm göttliche Stärke einflößt. Der Isis-Kult war in späthellenistischer bis nachchristlicher Zeit weit verbreitet. Erst vier Jahrhunderte später verwandelte sich Isis stillschweigend in „Maria mit dem Jesuskind“, wobei man Maria mitunter mit dem Mondschiff der Isis unter den Füßen darstellte, z.B. in Paris, Notre Dame.
(s. auch meinen Artikel „Schwarz bin ich, aber schön“)

Oder gar Kybele?

Als ich mir den wasserspeienden Löwen näher betrachtete, kam mir spontan die Göttin Kybele in den Sinn, deren Attribut der Löwe ist. Kybele war eine Magna Mata, eine universelle Göttermutter aus Phrygien, eine Berg- und Naturgöttin, in vielen Ländern und Städten beheimatet – z.B. in Madrid (Kybele-Brunnen) oder in der Stadt Lyon, wo ein bedeutender Kybele-Tempel stand, der stolze 86 auf 53 Meter maß. Verehrt wurde diese Göttin unter vielen Namen, auch unter „Artemis“.
Die Kirchenväter der „neuen Lehre“ hassten Kybele: Der Heilige Augustinus nannte sie eine „Hurenmutter“, „die Mutter nicht der Götter sondern der Dämonen“. Doch der alte Kult trotzte dem Christentum: Im 2. Jh. n. Chr. gründete Montanus, ein Kybele-Priester, eine neue Sekte. Er gesellte Kybele den Knaben Attis zu, (ein Pendant für Jesus) und behauptete, dass Frauen, die in Kybeles Dienst standen, predigen und weissagen durften wie die Männer. Das konnte sich das christliche Patriarchat nicht bieten lassen! Im Jahr 380 erklärten die römischen Kaiser Theodosius I., Gratian und Valentinian II. das Christentum zur Staatsreligion – doch der weströmische Kaiser Eugenius (392-394) setzte weiterhin heidnische Senatoren ein, die die Magna Mater verehrten. Gleichwohl wurden die Anhängerinnen des Montanus zu Ketzerinnen erklärt und umgebracht, indem man sie in ihren Kirchen einschloss und sie bei lebendigen Leibe verbrannte. Im Jahr 431 versetzte man der Magna Mata endgültig den Todesstoß: Auf dem Konzil zu Ephesos wurde Maria zur Mutter Gottes (Theotokos – Gottesgebärerin) erklärt.

 

Und wie verhielt es sich jetzt mit der alten Quellgöttin von Far? Ich vermute, sie war einst keine Isis, auch keine Magna Mata, sondern „nur“ eine kleine Bona Dea – eine von den Einheimischen verehrte Muttergöttin des Lichts! 🙂

Noch zwei kleine Hinweise:
Die Straßen in den Katalanischen Pyrenäen sind meist in einem sehr guten Zustand.
Hinter der Kirche del Far befindet sich ein Restaurant:

Adresse: Santuari El Far
Carretera del Santuari del Far S/N
17176 SANT ESTEVE D’EN BAS (SUSQUEDA)
Tel: 972190169
http://www.santuaridelfar.com/santuari-de-la-mare-de-deu-del-far.aspx

Lost in Time – in Castellfollit de la Roca

Castellfollit de la Roca ist eine katalanische Gemeinde in der Provinz Girona im Nordosten Spaniens. Der Ort mit ca. 1000 Einwohnern liegt malerisch auf einem mehr als fünfzig Meter hohen Basaltmassiv, umgeben von den Flüssen Fluviá und Toronell und eingebettet in den einzigartigen Naturpark der Vulkanlandschaft von La Garrotxa. Die in engen, schattigen Gassen liegenden Häuser der Altstadt sind traditionell aus Vulkangestein erbaut.

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(Die Fotos können zum Vergrößern angeklickt werden)

Die Kirche San Salvador aus dem 13. Jahrhundert wurde möglicherweise von den Tempelrittern gebaut. Sie ist heute gänzlich ausgeräumt und dient als Museum. Von der davorliegenden Plaza Josep Pla, aber vor allem vom Turmfenster der Kirche aus (man darf hinaufsteigen!) bietet sich dem Besucher eine atemberaubende Rundumsicht auf die Garroxta …

Links unten – ein schönes Tatzenkreuz der Templer, rechts eines der vielen Häuser, die aus Vulkangestein erbaut wurden …

Verschlafene Gässchen in der Morgenruhe …

eine Heilige Barbara mit dem Turm …

… und im Museum ein Riese.

Der „Riesenkult“ in Katalonien hat verschiedene Ursachen. In Olot, einer einer benachbarten Stadt – bekannt für ihren farbenprächtigen Umzug der Giganten -, hat man auf dem erloschenen Vulkan einen exorbitanten Fußabdruck entdeckt – den sog. Petjade del Gegant.
In meinem Thriller „SALAMANDRA“ nehme ich Bezug auf die katalanische Tradition der Riesen:

„… Begonnen hatte der Hype aber bereits mit den ersten Fronleichnamszügen im 14. Jahrhundert. Schon damals war der gläserne Sarg mit der Christusfigur von einer Schar Symbolgestalten begleitet gewesen, teils mit biblischem Bezug, teils mit Anleihen aus örtlichen und heidnischen Legenden – worunter wohl auch der ´Kopf des Fliegenfängers` fiel, von dem Bernadette im Internet gelesen hatte …“

 

LOST IN TIME?
Als ich im Herbst 2014 Castellfollit de la Roca besuchte, war tatsächlich nichts los im Ort. Es langweilten sich selbst die Hunde … 🙂
Aber ich bin ehrlich: Mir gefiel das.

Eine kleine Tourist-Info zu den Preisen im spanischen Teil Kataloniens:

Eine Cornetto-Eistüte und eine große Flasche Mineralwasser in einem Tante-Emma-Laden kosteten in Castellfollit de la Roca zusammen 1.25 Euro! Da kann man nicht meckern!
Noch etwas: Auch die örtlichen Bäckereien sind nicht zu verachten! Lecker, lecker! 🙂

 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel

Der Bahnhof von Canfranc – Doktor Schiwago lässt grüßen!

Canfranc ist ein kleiner Ort in den spanischen Pyrenäen an der Grenze zu Frankreich. Es liegt im Tal des Aragón, südlich des Somportpasses in der Provinz Huesca der Autonomen Gemeinschaft Aragonien …

Canfranc entstand im Mittelalter als Grenzstation. Den Namen Campus Francus (etwa: Freies Feld) soll es aufgrund der Aufgabe für seine Bewohner erhalten haben, den Weg für Reisende und Pilger stets frei von Hindernissen zu halten. Die Reste des im 12. Jahrhundert nahe der Pfarrkirche gegründeten Pilgerhospizes sind nicht mehr zu besichtigen. Doch hat man vor kurzem die Reste einer mittelalterlichen Burg ausgegraben.

Zur Geschichte des Bahnhofs

In meinem Roman Blut.Rote.Rosen erzählt der Tolouser Kommissar Maurice Claret über Canfranc folgendes:

“ … Der Ort spielte im Zweiten Weltkrieg eine nicht unbedeutende Rolle. 1928 eröffnet, wurde die Bahnlinie, die von Pau nach Canfranc führte, bereits 8 Jahre später wieder eingestellt; ja die Frankisten mauerten damals sogar den Somport-Tunnel zu. Im März 1940 jedoch nahm man den Verkehr plötzlich wieder auf. Zum einen flüchteten über Canfranc zahlreiche Juden und Widerstandskämpfer. Zum anderen versorgte Franco auf dem umgekehrten Weg Hitler mit Eisen- und Wolframerz zur Waffenherstellung. Das geschah selbst noch 1943, als der Wolframerz-Handel von den Alliierten bereits verboten war. Im Gegenzug erhielt Spanien Gold. Tonnenweise!“

© H.L.Köppel

 

 

 

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Es war Gold, das die Nazis von KZ-Häftlingen erbeutet hatten, z.B. „Melmer-Gold“, von dem ein ganzer Lastwagen voll bis heute spurlos verschwunden ist. Wenn man sich die Umgebung anguckt, kann das noch immer irgendwo in den Bergen versteckt sein.

Canfranc – Filmkulisse für Doktor Schiwago

Den Grundstein für dieses imposante Gebäude inmitten der Bergwelt legte König Alfonso XII. Sein Nachfolger, Alfonso XIII. und der französische Präsident Gaston Doumergu weihten es nach über 70jähriger Bauzeit im Jahr 1928 ein. Das Bauwerk – Jugendstil gepaart mit Klassizismus – war einzigartig in Europa, ein Traum aus Stein, Glas und Marmor. Es beherbergte u.a. eine Bar und ein Nobelhotel. Exclusiv war vor allem der große Wartesaal mit seinen Marmorwänden und Jugendstillampen.

Hier lag wohl der Grund, dass man sich für Canfrac als weiteren Drehort und Hintergrund für den Film „Doktor Schiwago“ entschied.

Ein Hinweis für Touristen: Die vielfach geplünderten Gebäude des Bahnhofs von Canfranc sind heute nur noch mit Führung zu besichtigen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Helene Köppel

(E-Book + Taschenbuch)

Auf der Weiterfahrt zum schönsten Bergdorf dieser Pyrenäenregion: LESCUN

Segobriga – eine antike Stadt der Keltiberer

Segobriga – eine antike Stadt der Keltiberer im zentralen Spanien der Römerzeit
Die Überreste dieser antiken Stadt befinden sich in Spanien, in der Provinz Cuenca, hundert Kilometer von Madrid entfernt und ungefähr vier Kilometer südlich des Ortes Saelices. Verschiedene Autoren des Altertums erwähnten Segobriga, u.a. der Ältere Plinius, der etwa um 74 n. Chr. als römischer Reichsbeamter die Iberische Halbinsel bereiste. Plinius bezeichnete sie als Caput Celtiberiae.

Die Ausgrabungsstätte liegt inmitten der einsamen Mancha – auf einem Hügel

Es war ein heißer Tag, als ich Segobriga besuchte …
Vom Parkplatz ging es zum neu errichteten Kassenhaus, wo sich auch ein kleines Museum befindet. Achtung: Man spricht dort nur Spanisch!
Nach einem interessanten Lichtbildervortrag über Segobriga im Altertum, ging es wieder hinaus ins Freie – bei 35° im Schatten.
Der Weg bis zur eigentlichen Ausgrabungsstätte zog sich und es gab kaum Schatten. Die gepflanzten Bäume waren noch jung …

 

(Zum Vergrößern anklicken)

Eine Basilika der Westgoten

Auf halbem Weg hielt ich überrascht inne: Mit den Überresten einer Basilika der arianisch-gläubigen* Westgoten hatte ich hier nicht gerechnet!


*Arianismus – Im 4. Jh. entwickelte sich eine für Rom gefährliche Gegenkirche. Arius, ein christlicher Theologe aus Alexandrien, sprach Jesus das göttliche Wesen und die göttlichen Eigenschaften ab. Er wollte den Monotheismus, also die Einzigartigkeit Gottes, nicht durch mehrere Erscheinungsformen „verwässert“ sehen.
Für Rom war dies Ketzerei, die bekämpft werden musste – und bekämpft wurde. Dennoch stellte sich der Sohn von Kaiser Konstantin auf Arius‘ Seite.  Hundert Jahre später, als die Merowinger an die Macht kamen, war bereits jeder 5. Bischofssitz arianisch. Auch die Westgoten waren Arianer, als sie ihr Tolosanisches Reich gründeten (Toulouse).

Die ehemalige Absis der Basilika ist noch gut zu erkennen …

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

Das Westgotenreich existierte von 418 bis ca. 725 n. Chr.

Es hatte seinen Schwerpunkt zunächst im Südwesten Galliens, später auf der Iberischen Halbinsel.

(Fotos rechts)

Gut erhaltene Westgotengräber

Übersichtskarte Ostgotenreich / Westgotenreich

Und weiter ging der Marsch durch die Mancha –

bis endlich die Ausgrabungsstätte vor mir lag …

Flirrende Hitze, Zikadengeschrei – und das entfernte Hämmern der Archäologen …
Amphitheater, Theater, Forum und Thermen und viele römische Inschriften waren zu besichtigen.

Die streitlustigen Keltiberer*

Die Gebäude der Keltiberer waren schon während der Romanisierung von Segabriga im Jahr 15 v. Chr. weitgehend zerstört worden. (Die Umgestaltung endete zur Regierungszeit von Titus, um 79 n. Chr.)

*Die keltiberischen Stämme lebten in vorrömischer Zeit im zentralen und nördlichen Spanien. In der Zeit von 197 v. Chr. bis 179 v. Chr. fand der sog. „Keltiberische Krieg“ zwischen den Römern und den keltiberischen Stämmen der Iberischen Halbinsel statt.

(Foto rechts – aus dem Netz: Altiberische Büste der Dama de Elche, ausgestellt im Nationalen Archäologischen Museum Madrid)

 

Marienglas
Segobriga war zur Römerzeit Umschlagplatz für „Marienglas“, auch Spiegelstein genannt (lapis specularis). Dieses Material, das in den umliegenden Bergwerkstollen gewonnen wurde, war in Rom sehr geschätzt. Die durchscheindende Gipsart wurde in Platten gespalten und als Fensterscheibe benutzt.
(Foto links)

Abschied

Mit dieser wunderschönen römischen Büste, die ich im kleinen Museum von Segobriga abgelichtet habe – und dem dringenden Rat, sich ausreichend Münzen für die Getränkeautomaten einzustecken, die sich auf halbem Weg zum Ausgrabungsgelände befinden – schließe ich meinen Bericht.

Ich hoffe, es hat Ihnen in Segobriga gefallen!

Herzlichst

Helene L. Köppel

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