Mon Collioure adoré!

Mon Collioure adoré!

Der Ort, der mich am meisten zum Schreiben inspiriert, in dem etliche Romanprojekte entstanden, und in dem ich mich seit Jahrzehnten wohl, ja, zuhause fühle, ist Collioure …


(Fotos HLK)

Lassen wir die Ich-Erzählerin Sandrine Feuerbach Collioure entdecken!

(Aus „Die Affäre C.“, Seite 199, Copyright HLK):

„Collioure ist ein bezauberndes Hafenstädtchen im Roussillon, ungefähr dreißig Kilometer südlich von Perpignan, dort wo die Pyrenäen ins Meer fallen. Das zweigeteilte Ortsschild verrät den Ankömmlingen auch den alten katalanischen Namen „Cotllioure“. Beim ersten Auftauchen seines Wahrzeichens – des sogenannten „maurischen Glockenturms“ wurde Henri plötzlich wieder lebendig. Er lachte und meinte, dass dieser Turm mit seiner rosa Kuppel bei manchen Frauen phallische Assoziationen wecken würde. Das aber mache den besonderen Reiz eines Kurzurlaubs in Collioure aus, mit einer schönen, aber etwas kühlen – er verbesserte sich – nein, einer verfrorenen Frau neben sich.

Wir lachten beide wie befreit, dennoch wurde ich den Eindruck nicht los, dass unsere Lustigkeit ein wenig aufgesetzt war und wir damit nur die beiden Toten aus unseren Köpfen verdrängen wollten.
Petrus war uns wohlgesonnen. Es war zwar auch hier windig und kalt, aber es schien wenigstens die Sonne. Beinahe verzückt betrachtete ich nicht etwa den auffälligen Glockenturm, als wir die Serpentinen hinabfuhren, sondern das tiefe reine Blau des Meeres, das hinter den zartbeige-, apricot- und rostfarbenen Häusern und roten Dächern unendlich weit und vielversprechend glitzerte. Da der Zentralparkplatz belegt war, stellten wir unser Auto vor dem Bahnhof ab …“

Das vielgerühmte klare Licht von Collioure faszinierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders die Künstler, allen voran die sog. Fauvisten, wie Matisse, Derain, Braque, Dufy – und später Picasso.

Palmen, die sich im Wind wiegen, sind natürlich ebenfalls ein Fest für`s Auge …

… wie auch die malerischen Gassen im Quartier du Mouré (das ehemalige Viertel der Fischer und Seeleute). Leider sind sie im Hochsommer oft hoffnungslos überlaufen …


… was aber niemanden davon abhält, die auf- und absteigenden Gassen mit ihren Blumen und bunten Hausfassaden gebührend zu bewundern, ein Eis zu schlecken – oder mit einheimischen Freunden SARDANA*** zu tanzen …

… und zwischendurch mal auszuspannen.

Am Abend sucht man dann eines der zahlreichen Lokale auf – am besten natürlich mit guten Freunden,

und lässt sich gründlich verwöhnen. Bon Appétit!

Den fangfrischen Loup zum Selbergrillen

gibt`s heute allerdings nur noch im Fischgeschäft … Am Plage Boramar sitzend, gilt das Interesse dem Château Royal aus dem Mittelalter – das der fleißige Baumeister Vauban im 17. Jahrhundert (nach dem Pyrenäenfrieden) zur heutigen Festung ausgebaut hat. (Auf den Höhen rings um Collioure errichtete Vauban kleinere Zitadellen.)

Zur Historie des Schlosses: Ehemaliger Sitz der Könige von Aragón; Sommerresidenz der Könige von Mallorca; zeitweilig auch Niederlassung der Tempelritter (nachdem ihnen Peter II., König von Aragón, 1174 – 1213, den man seiner Frömmigkeit wegen auch El Catholico nannte, einen Teilbereich seiner Burg überließ).

Aus diesem Grund nennt man das Schloss auch Château des Templiers …

Die Karte zeigt die Größe des Schlosses. Es kann besichtigt werden, und es finden im Sommer viele Veranstaltungen und Ausstellungen dort statt.

Vom Château aus hat man einen prachtvollen Blick auf den Hafen und die Kirche Notre-Dame-des-Anges, auch St. Vincent genannt. Beim Glockenturm handelt es sich übrigens um einen antiken Phare, einen ehemaligen Leuchtturm.

Aber schlendern wir jetzt ein Stück weiter durch die Stadt, mit Sandrine Feuerbach, meiner Protagonistin aus „Die Affäre Calas“:

„Erneut war es zwar sonnig, aber ziemlich kalt, als wir nach dem Frühstück das Chateau besichtigten und dann Hand in Hand treppauf und treppab durch die malerischen Gassen der Altstadt liefen. Schmale Häuser, nicht selten zwei oder drei Stockwerke hoch und auf Fels gebaut, waren in intensiven Malerfarben angestrichen: krapprosa, kadmiumorange, ziegelrot, zitronengelb, smaragdgrün. Sie kontrastierten mit titanweißen alten Fischerhäusern, deren blaue Türstürze und Fensterbänke in der Sonne leuchteten. Nach Collioure passten solche Farben, weil das Meer ringsum und das besondere Licht, das zu gewissen Stunden über dem Ort lag, sie weich machte und einander anpasste …“ „Henri und ich überboten uns gegenseitig im Entdecken von zauberhaften Ausblicken auf das Schloss, den Hafen, die Zitadelle, auf vorspringende Felsarme, verschwiegene Strände und bunte Boote …“ (Copyright HLK)

Sandrine hat recht: COLLIOURE – an der Côte Vermeille und am Fuße der Albères-Berge gelegen – ist in der Tat ein Ort, in dem man ständig Neues entdeckt, aber man kann hier auch gut die Füße baumeln lassen.

Meine Tips dazu:
Ein Glas Rosé im Strandcafé, die Zeitung dabei lesend (oder am jeweiligen Manuskript arbeitend) …

Einen Marktbummel unternehmen (jeweils am Mittwoch und Sonntag), um französischen Schick, Käse, Schinken, Wein, Gewürze und andere Spezialitäten zu kaufen …

Oder doch lieber einen besonderen Keramikteller und ein buntes Tuch?

Meist treibt es einen sowieso mehrmals täglich durch das Städtchen, und sei es nur, um den MALERN bei der Arbeit zuzusehen und ihre Bilder zu begutachten …

Wechselnde, mitunter recht originelle Kunstausstellungen werden auch im Museum Peske gezeigt:
wie jene im Mai 2010:

Am Rande: Das Museum Peske und sein prachtvoller Garten sind Schauplatz in meinem Roman „Die Affäre C.„.

Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.
John Steinbeck, amerik. Schriftsteller, 1902-1968

Steinbecks Rat befolgend:  Nach all den Ateliers, Gemälden und Kunstwerken ist ein Picknick angesagt – am besten gleich im benachbarten Pinien- und Olivenhain, wo trockene Nadeln unter den Füßen knacken und es so gut nach Wald riecht!

Am allerliebsten streife ich jedoch bereits am frühen Morgen durch das erwachende Collioure,  wenn es aus den Bäckerläden nach frischem Brot duftet, die Einheimischen ihren ersten „petit café“ trinken, die Müllabfuhr klappert und sich vor den noch vergitterten Lebensmittelgeschäften die bunten Obst- und Gemüsekisten stapeln.

Ich besorge mir dann eine Stange Baguette und die druckfrische Zeitung, schlendere an den noch einsamen Strand hinunter, um mich von der Sonne wärmen zu lassen oder Ausschau nach Glitzersteinen zu halten.

Küsst mich in an einem solch „perfekten“ Morgen noch die Muse – wird im Jahr darauf vielleicht ein neuer Roman geboren …

Thriller, 439 Seiten

„Collioure sans voiles – c`est un soir sans étoiles!“

(Raoul Dufy, 1948)

Fin.

*** Sardana oder Cerdana – der Begriff kommt aus dem Spanischen. „Cerdo“ ist nämlich das spanische Wort für Schwein. Es handelt sich um einen alten Erntetanz – auch Schweinetanz genannt. In grauer Zeit wurden diese Tänze der heidnischen Göttin Cerdo dargebracht, deren Kult vermutlich auf die prähistorischen Tempel von Malta zurückgeht, in denen es Bilder dieser Göttin in Gestalt einer Sau gab.

(Quelle: B.G. Walker, Das geheime Wissen der Frauen, München, 1995)

Danke für Ihr Interesse!

Helene Köppel

 


 

 

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