LESEPROBE „Esclarmonde – Die Ketzerin vom Montségur“

Klappentext

Es lebe der Gott der Liebe! Im Jahr 1244 schreibt Bertrand von Blanchefort, den sicheren Tod vor Augen, ein Testament, in dem er seine Geschichte erzählt – ein Leben im Zeichen grausamster Verfolgung von Christen durch Christen und der verbotenen Liebe zu einer Ketzerin.

Inhalt:
Ein Kreuzritterheer zieht im 13. Jahrhundert im Namen des Papstes seine blutige Spur durch Südfrankreich. In dieser grausamen Zeit begegnen sich die Katharerin Esclarmonde und der Tempelritter Bertrand. Ihre Liebe steht unter einem schlechten Stern, denn beide sind durch ein Keuschheitsgelübde gebunden.
Als Bertrand Jahre später unter Einsatz seines Lebens den legendären Schatz des Salomon in Sicherheit bringen soll, trifft er Esclarmonde auf der Festung Montségur wieder, und sie erleben eine Liebe, die über jeden Zweifel erhaben ist.

Kurze Leseprobe

Als ich langsam und in düstere Gedanken verloren zu unserer Burg, die noch aus der Zeit der Westgoten stammt, zurückritt, schallten mir schon von weitem Musik und Gesang entgegen. Der Troß der Goliarden und Gaukler, die dem Troubadour folgten, war wohl endlich angekommen, und meine Stimmung hellte sich ein wenig auf. So wie am frühen Morgen der Wind die letzten Wolkenfetzen der verregneten Tage verjagt hatte, so würde die bunte Schar, dieses lustige Völkchen, mir sicher die Trübsal vertreiben.

Vor der letzten Biegung zügelte ich Omar. Ich stieg vom Pferd, um mein selbstauferlegtes Versprechen wahr zu machen und Marinette am Wegesrand einige Thymianzweiglein zu pflücken. Als ich mich wieder aufrichtete, blickte ich ein weiteres Mal hinunter ins Tal. Irgend etwas hatte sich seit dem Morgen verändert. Die fahle Sichel des Mondes stand am Firmament und – zwei kleine Nebelschwaden zogen aus dem Wald am Saum des Berges Bugarach. Nebel? Bei diesem herrlichen Wetter? Das Feuer eines Köhlers vielleicht – oder gar ein Waldbrand? Rasch kletterte ich auf einen großen Felsbrocken, um eine bessere Sicht zu haben. Da stob eine Kette Rebhühner aus einem Wacholderstrauch hervor und flog mit lautem Getöse über meinen Kopf hinweg, so daß ich beinahe das Gleichgewicht verloren hätte und in die Tiefe gestürzt wäre. Auch Omar war erschrocken und schnaubte aufgeregt. Ich verfolgte ein Stück den Gleitflug der goldgelben Vögel, bis erneut mein Auge an der Stelle rechts neben dem Bugarach hängenblieb. Nein, da war nichts mehr zu sehen. Kein Nebel, kein Rauch. Ich mußte mich getäuscht haben. Dennoch war ich beunruhigt und beobachtete noch eine Zeitlang den undurchdringlichen dunklen Wald und seine Umgebung. Als ich mir ganz sicher war, daß nichts Ernstes hinter meiner Wahrnehmung steckte, sprang ich erleichtert hinunter zu Omar, der sogleich dachte, die Kräuter seien für ihn bestimmt. Ich lachte über sein Ansinnen, streichelte ihn – und vergaß dabei die ganze Angelegenheit.

Nachdem ich mein Pferd dem alten Stallknecht übergeben und das Thymiansträußlein ans Backhaus gehängt hatte, ging ich der aufreizenden Melodie einer Doppelflöte nach und fand bald einen kleingewachsenen Narren vor, der meinen vier jüngeren Schwestern zur Farandole aufspielte. Sein grünschwarz kariertes Wams stand in Kontrast zu seinen feuerroten Haaren. Ein zweiter Gaukler, das Haupt mit einer großen schwarzen Samtkappe bedeckt, von der aus ein Seidentuch malerisch auf die linke Schulter fiel, schlug ein Tamburin, und ein weiterer entlockte einer langen Schalmei ungewohnte fremdartige Klänge. Die Musiker übertönten mit ihrem Stück sogar unsere blökenden Schafe, die neugierig ob des plötzlichen Lärms und empört zugleich durch die Ritzen ihres Pferches lugten.

Leserstimme

Sehr gut recherchierte Geschichte mit Liebe zum Detail

(357 Seiten, E-book)

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