LESEPROBE „Marie – die Erbin des Grals“

Klappentext

Jedes Geheimnis hat seinen Ort: In der verfallenden Dorfkirche von Rennes-le-Château fand Abbé Saunière 1886 einen Topf mit Goldmünzen, vergilbte Pergamente und unter einer Gruft sogar einen funkelnden Schatz. Die Entzifferung der Pergamente offenbarte nicht nur, dass es sich um den sagenhaften Gral handelte, sondern ließ hinter dessen Geheimnis ein noch gewaltigeres aufscheinen.
Saunières zunehmende Besessenheit, die Lösung des Rätsels zu finden, ging einher mit einem äußerst luxuriösen Leben, das er aus dem Erlös des Schatzes finanzierte. Doch wie gefährlich seine Entdeckungen waren, zeigten mysteriöse Todesfälle unter den wenigen Eingeweihten.
Unter der Last ihres Mitwissens begann Marie Dénarnaud, Haushälterin und Geliebte des Priesters, heimlich niederzuschreiben, was er als Geheimnis hütete.
Das faszinierendste an diesem erregenden Roman ist sein authentischer Hintergrund (19. Jh.)

Marie Dénarnaud, Haushälterin und Geliebte eines südfranzösischen Landpfarrers, erzählt ihre Lebensgeschichte und deckt dabei eines der gefährlichsten Geheimnisse des Abendlandes auf.

Kurze Leseprobe

„Als ich Bérenger Saunière kennenlernte, den Mann, der mich reich und selig machen würde, der mich zur Mitwisserin eines unbegreiflichen Geheimnisses werden lassen und in Sünde verstricken sollte, war ich gerade achtzehn Jahre alt. Es war der erste schöne Frühlingstag im März des Jahres 1886, als ich freudigen und zugleich bangen Herzens die holprige, gewundene Straße hinaufstieg, die zum Dorf Rennes-le-Château führt …

Die rote Erde rechts und links des Weges dampfte. Ein gutes Omen, dachte ich bei mir, den Korb mit meinen Habseligkeiten, der mir zunehmend schwerer geworden war, ein wenig zurechtrückend. Am ersten schönen Frühlingstag eine neue Stellung anzutreten, das musste ganz einfach gelingen …

Schon konnte ich die Umrisse der alten Burganlage von Rennes-le-Château erkennen. Die mächtigen Eichen, die vor den halb zerfallenen, teilweise mit Moos und Efeu bewachsenen Gemäuern und Türmen stehen, fingen gerade an, vorsichtig auszutreiben. Man könne nicht wissen, ob die Bäume die alte Burg beschützten oder umgekehrt, meinte Bérenger Saunière später einmal über sie auf einer unserer heimlichen Unternehmungen.

´Wohnt der Abbé Saunière in der Hütte des alten Pons, die sich Pfarrhaus nennt?`, fragte ich Émilie Maury – so hieß die alte Frau, die meine erste Freundin in Rennes-le-Château werden sollte. ´Ja, er hat sich dort notdürftig ein Zimmer eingerichtet.` Sie tätschelte tröstend meine Hand. ´Das vernünftigste wäre es, wenn du dich bei mir einquartierst. Bis du ein eigenes Zimmer im Pfarrhaus beziehen kannst, wird es noch eine Weile dauern.` Als ich nachts aber allein in der fremden Kammer lag, war nicht nur das kalte, helle Mondlicht daran schuld, dass ich nicht einschlafen konnte …

„Ein Jahr darauf, als wir längst vom Pfarrhaus in die Villa Béthania umgezogen waren – natürlich mit all dem, was sich gut versteckt im Keller des alten Hauses befand – kamen die Tiere für Bérengers privaten Zoo, der zur Komplettierung seines Paradieses unbedingt erforderlich war. So hielten bei uns sprechende Aras Einzug, bunte Finken, Pfauen und obendrein ein Affe. Bérenger rief ihn Mela. Die Leute sperrten die Mäuler auf, wann immer sie ihn zu Gesicht bekamen, er war gewissermaßen ein lebendes Pendant zu Asmodi, dem Teufel, der Jahre später die Kirche zieren sollte.“

Leserstimmen

Georg Hirschelmann – Mitteldeutsche Zeitung, 20. 3. 2004: … Haben Sie etwas gelernt? Vielleicht etwas vorgeführt bekommen: Wie man verbürgte Geschichte flott und sauber mit eigenem Erleben (Köppel hat einige Zeit in Südfrankreich recherchiert) und einiger Spekulation mixt und daraus ein spannendes Buch macht …

Lectures pour Tous – Lesezeit, La Voix, Luxemburger Wort, 26. 11. 2003 :… wer aber nach der Lektüre der virtuos erzählten Geschichte von der Erbin des Grals Freude daran hat, die Originalschauplätze zu besuchen – sie haben die Stürme der Zeiten bis zum heutigen Tag überstanden …

Nürnberger Nachrichten, 18./19.10.2003: Geschichtslehrer liegen voll daneben, wenn sie uns immer nur mit Daten, Namen und Ereignissen aus der Vergangenheit füttern. Romane müssen sie schreiben, Geschichten, die uns Geschichte miterleben lassen! Auch wenn es Tausende solcher Schmöker gibt, alte Zeiten ziehen immer. Eine schöne bunte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert erzählt der Roman „Die Erbin des Grals“.

 

(E-book; Printausgaben: „Die Erbin des Grals“, Rütten & Loenig, Berlin 2003, Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2005, 459 Seiten)

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