LESEPROBE „Rixende – Die Geheimen Worte“

Klappentext

(Titel der Printausgaben: „Die Geheimen Worte“,Rütten & Loening, Berlin, 2005, 522 Seiten; „Das Gold von Carcassonne, Aufbau-Verlag, Berlin, 2007, 522 Seiten).

Südfrankreich im Jahr 1299: Ein rostrotes Glühen liegt über Carcassonne, als die blutjunge Rixende die festungsgleiche Stadt zum ersten Mal erblickt. Es könnte ein schlechtes Vorzeichen sein, denn dort soll sie einen ihr völlig fremden Kaufmann heiraten. Außerdem hat sie vor kurzem erfahren, dass ihr Bruder Katharer ist, also ein Ketzer. Die Inquisition ist ihm bereits auf der Spur. Doch all das ist nur der Auftakt gefährlicher Entwicklungen. Mit Billigung des Papstes kerkert die Inquisition einflussreiche Bürger willkürlich ein, foltert und beraubt sie. Weil Rixendes Ehemann als Konsul vermittelt, gerät er selbst in Gefahr. Für Rixende werden all diese Ereignisse um so verwirrender, als eine merkwürdige Prophezeiung auf ihr lastet und eine große Verpflichtung: Sie soll die heiligen „Geheimen Worte“ der Katharer in Sicherheit bringen. Überdies muss sie mit ihren Gefühlen ins Reine kommen, denn ausgerechnet ein Inquisitor zieht sie magisch an.

Kurze Leseprobe

Mittwegs auf unsres Lebens Reise
fand in finstren Waldes Nacht ich mich verschlagen

(Dante, Die Göttliche Komödie)

Als Rixende aus der Ferne die imposante Silhouette von Carcassonne im Sonnenlicht aufglühen sah, klopfte ihr Herz. Nicht der festungsgleichen Stadt wegen, die bald ihr Zuhause werden sollte, nicht der zinnenbewehrten oder schiefergedeckten Türme wegen, die die Cité bewachten, sondern einzig und allein wegen ihres zukünftigen Ehemanns, Aimeric Fabri.
Rixende zügelte ihren Rappen. Der Staub, den er aufgewirbelt hatte, senkte sich. Ihr Begleiter, der scharf hinter ihr geritten war, lenkte sein Pferd an ihre Seite und sah neugierig zu ihr hinüber.
„Weshalb haltet Ihr plötzlich inne, Rixende?“
„Ich weiß nicht, Aton. Ein seltsamer Schauer überfiel mich beim Anblick dieser Stadt. Habt Ihr nicht auch das rostige Glühen bemerkt, mit dem die Sonnenstrahlen die Mauern überzogen? Meint Ihr, das ist ein schlechtes Vorzeichen?“
„Aber nein“, Aton schüttelte den Kopf. „Ihr werdet sehen, alles wird gut. Es ist ganz normal, dass eine junge Braut beunruhigt ist, wenn sie ihren Bräutigam noch nie gesehen hat. Doch Euer Bruder hat gewiss den Richtigen für Euch ausgesucht.“
Der langjährige Gefährte von Rixendes Bruder Simon stieg vom Pferd. Er bemerkte, wie die junge Frau mühsam zu lächeln versuchte. Kleine Schweißperlen standen auf ihrer hohen Stirn, zu forsch war sie durch das Kiefernwäldchen und die ausgedehnten Weinfelder geritten, zu heiß war noch immer der Spätsommer des Jahres 1299.
Mit einem Seufzer ließ sich auch Rixende vom Pferd gleiten. In der vergangenen Nacht hatte sie kaum ein Auge zugetan. Sie trocknete sich mit einem leinenen Tuch die Stirn, rieb auch den schweißbedeckten Leib ihres Rosses ab und band es an einen Feldstein. Vom Ochsenwagen, der Rixendes Habe mit sich führte und die Muhme Mengarde, war weit und breit nichts zu sehen. Während Aton auf einen kleinen mit Wacholder und wilden Ölbäumen bewachsenen Hügel stieg, um nach dem Karren Ausschau zu halten, setzte sich Rixende in den Schatten einer Feldulme. Zu ihren Füßen wucherte Clematis. Sie rupfte eine der weißen Blüten ab, um daran zu riechen. Die beiden Pferde grasten zufrieden, Kopf an Kopf, am Wegesrand. Aton durchbrach die Stille mit einem Ruf. Da flog aus einer Ackerfurche plötzlich ein großer Vogel auf. Rixende erschrak, und die Pferde wieherten ärgerlich. Geräuschvoll flatterte er über das Geäst des ausladenden Baumes. Rixende beobachtete seinen Flug, bis er in die sonnige Einsamkeit eines weitentfernten Berges eintauchte …

Leserstimmen

Atmosphärisch dicht geschriebener, spannend aufbereiteter Mittelalter-Roman, der einen ausgezeichneten Einblick in die damalige Zeit bietet. Hervorheben möchte ich – neben den fein gezeichneten Charakteren auch derjenigen Personen, die tatsächlich involviert waren -, den ausführlichen Anhang mit Erklärungen. Aufgrund seiner Authentizität und des angenehmen Schreibstils der Autorin war dieser Roman für mich ein außergewöhnlich schönes Leseerlebnis.

(494 Seiten, E-book)

This content is published under the Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported license.