ESCLARMONDE von Foix – die Jeanne d’Arc des Südens

(Gemälde: Edmund Blair Leighton, 19. Jh)

ESCLARMONDE von Foix – Historisch

ESCLARMONDE („Licht der Welt“, französisch: éclair du monde) – die Vizegräfin von Foix (Südfrankreich, Ariège) war eine Katharerin, eine geweihte Perfekte – ja, die wohl berühmteste katharische Perfekte überhaupt. Noch heute wird sie die „Große Exclarmonde“ genannt, manchmal liebevoll „princesse cathare“, und mitunter auch „Jeanne d’Arc des Südens“.

Geboren um das Jahr 1180 (?) als Tochter des Grafen Roger Bernard I. von Foix und dessen Ehefrau Cecile von Béziers, lagen mütterlicherseits ihre Wurzeln im Hause Trencavel (Carcassonne/Béziers). Sie liebte zeitlebens ihren temperamentvollen Bruder Raimond-Roger von Foix*, im Volk auch „der Zänker“ genannt.
Esclarmonde war verheiratet mit dem Seigneur Jourdain III. von L’Isle-Jourdain. Die beiden hatten fünf Kinder.

Nach dem Tod ihres Mannes – um das Jahr 1200 – schloss sich Esclarmonde den Katharern an. Im Jahr 1204 erhielt sie aus der Hand des berühmten Katharerbischofs Guilhabert de Castres das Consolamentum (die Geisttaufe), womit sie in die Gemeinschaft der Perfekten (weiblich Perfektas) aufgenommen wurde.

Als Katharer parfaite gehörte Esclarmonde im Jahr 1207 der Konferenz von Pamiers an (auch Konferenz von Montréal genannt), einem der letzten friedlichen Wortgefechte zwischen Katholiken und Katharern.
Hier wurde sie von Dominikus von Guzmán** zum Schweigen und zum Bedienen ihres Spinnrockens angehalten. Es stehe einer Frau nicht an, hatte sich der katholische Bußprediger ereifert, sich in einem theologischen Disput zu äußern.

Esclarmonde

Esclarmonde eröffnete zahlreiche Häuser für Katharer-Frauen, bildete junge Mädchen aus, war verantwortlich für die Einrichtung von Schulen und Krankenhäusern in der ganzen Region, u.a. in den Pyrenäen, in Dun und in der Stadt Pamiers. Auf ihre Initiative hin wurde die Festung auf dem Montségur ausgebaut, auf die sich später die Elite der katharischen Theologen zurückzog.
Im Jahr 1208 wurde von Innozenz III. der Albigenserkreuzzug ausgerufen.

Der Montségur wurde 1243/1244 ein Jahr lang von den Kreuzfahrern belagert und dann erobert.

Ihr Testament – 28. Dezember 1229
Über den genauen Zeitpunkt ihres Ablebens war lange nichts bekannt. Heute weiß man, dass das Testament der „Ermessindis … comitissa Fuxensis ac vicecomitissa Castro-bono“ datiert ist auf den 28. Dezember 1229 – auf ihrem Totenbett.

Ein Irrtum – oder eine Verwechslung?
Dass sie am 16. März 1244 den großen Scheiterhaufen bestieg, der am Fuße des Montségur errichtet worden war, ist eine Legende – vielleicht eine Verwechslung mit Esclarmonde von Pereille, der blutjungen Tochter des damaligen Verteidigers des Montségur, die sich freiwillig in die Flammen stürzte.

Nachstehend ein Foto, das die „Große Esclarmonde“ als Göttin Diana zeigt, die mit dem Speer ihren Glauben verteidigt:

Anmerkungen:

*Ramon-Roger von Foix (1167-1223), Graf von Foix, genannt der Zänker oder der Liebhaber; Bruder von Esclarmonde, stritt bis zu seinem Lebensende unbeirrt für die Sache des Südens; eifriger Beschützer der Katharer, selbst aber kein Häretiker. Seine Ehefrau Philippa von Aragón-Moncade (1170-1222) hing dem waldensischen Glauben an. Kinder Cecilie, Roger-Bernhard, Esther.

**Dominikus von Guzmán: – später Der Heilige Dominikus, (1170-1221), Gründer des Predigerordens der Dominikaner, reiste – barfuß wie die Katharischen Perfekten – mit seinem Bischof Diego durch Okzitanien, um die Katharer umzustimmen, weil er erkannte, dass die übliche Predigt aufgrund des prunkvollen Auftretens der katholischen Prälaten wenig erfolgreich war. Er gründete ein Kloster für bekehrte Frauen in Prouille, als Gegenpol zu den Frauenhäusern der Katharer, in denen auch katholische Mädchen eine Ausbildung erhielten.

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ESLCARMONDE von Foix – im Roman

Mein Erstling ESCLARMONDE erschien 2002 im Aufbau-Verlag, Berlin, unter dem Titel „Die Ketzerin vom Montségur“. Das Buch hielt sich über zehn Jahre auf dem Buchmarkt und ist heute nur noch antiquarisch erhältlich.
Nach der Rechterückgabe im Jahr 2013 habe ich den Stoff überarbeitet und als E-book herausgebracht:


Der Roman ist eigenständig zu lesen – steht aber, historisch gesehen, an dritter Stelle meiner Sonderedition KATHARER-Romane: ALIX – SANCHA – ESCLARMONDE – RIXENDE – MARIE – BÉATRIS (jedes E-book 3.99 €)

ESCLARMONDE – Kurzer Romaninhalt:

Es lebe der Gott der Liebe! Im Jahr 1244 schreibt Bertrand von Blanchefort, den sicheren Tod vor Augen, ein Testament, in dem er seine Geschichte erzählt – ein Leben im Zeichen grausamster Verfolgung von Christen durch Christen und der verbotenen Liebe zu einer Ketzerin.

Ein Kreuzritterheer zieht im 13. Jahrhundert im Namen des Papstes seine blutige Spur durch Südfrankreich. Das Land ist gespalten in Katholiken und Katharer. In dieser grausamen Zeit begegnen sich die Katharerin Esclarmonde und der Tempelritter Bertrand. Ihre Liebe steht unter einem schlechten Stern, denn beide sind durch ein Keuschheitsgelübde gebunden.
Als Bertrand Jahre später unter Einsatz seines Lebens den legendären Schatz des Salomon in Sicherheit bringen soll, trifft er Esclarmonde auf der Festung Montségur wieder, und sie erleben eine Liebe, die über jeden Zweifel erhaben ist.

(440 Seiten, E-Book 3.99 €)

ESCLARMONDE – Kurze Leseprobe:

“ … Wie selbstverständlich hatte sich die Schwester des Grafen, jene Esclarmonde, von der bei der Papstaudienz die Rede gewesen war, manches Mal zu uns gesellt. Sieh an, das also ist eine Ketzerin, hatte ich bei mir gedacht, als ich ihr vorgestellt wurde. Die Vizegräfin war im Gegensatz zu ihrem Bruder hochgewachsen, schlank und besaß einen federnden Gang, an dem ich sie schon von weitem erkannte, wenn sie mir auf den Gängen der Burg begegnete. Zwar war sie höflich und neigte anmutig den Kopf mit den dunklen, schweren Flechten, wenn ich sie grüßte, aber sie verhielt sich ausgesprochen zurückhaltend mir gegenüber, bei manchen Gelegenheiten schien es sogar, als ob sie mich ablehnte. Nun, das konnte ich ihr nicht verübeln, schließlich war ich rechtgläubiger Tempelritter und sie Katharerin. Ich selbst ging ihr nach einer Weile aus einem bestimmten Grunde lieber aus dem Weg: mehr als einmal hatte sie Erklärungen meinerseits ausgesprochen spöttisch kommentiert, und das ist eine Eigenschaft, die ich bei den Frauen ganz und gar nicht ausstehen kann …“

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Helene L. Köppel

 

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