Ein wahrer Westgotenschatz:
San Pedro de la Nave

Wir befinden uns in El Campillo, in der Nähe der spanischen Stadt Zamora (Region Kastilien und León). Hier kann man einen wahren Westgotenschatz bewundern: San Pedro de la Nave. Das Kirchlein stand nicht immer hier. Es befand sich bis zum Jahr 1930 zwei Kilometer von Campillo entfernt, direkt am Ufer des Flüsschens Esla, neben einem alten Koster. Der ursprüngliche Standort, der nach dem Bau des Ricobayo-Stausees aufgegeben werden musste, lag in der Nähe der Via de la Plata, der alten Römerstraße, die einst die Städte Mérida (Emerita Augusta) und Astorga ( Asturica Augusta) verband.

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Der Baubeginn von San Pedro de la Nave wird in das ausgehende 7. oder beginnende 8. Jahrhundert datiert – und fällt damit in die Regierungszeit des Westgotenkönigs Egika.


Der Westgotenkönig Egika (Flavius Egica) war ein Neffe des berühmten Königs Wamba. Am 24. November 687 erhielt Egika in Toledo die Königssalbung. Er regierte bis zu seinem Tod Ende des Jahres 702.
Seine Regierungszeit fiel in eine große Pestepidemie (693/694), die das halbe Land entvölkerte.

(Das Gemälde links hängt im Museo del Prado, Madrid)


Das Westgotenreich (418 bis 711) hatte seinen Schwerpunkt zuerst im Südwesten Galliens (Tolosanisches Reich). Nach dem Krieg gegen die Franken und dem Verlust ihrer südgallischen Gebiete einschließlich ihrer Hauptstadt Toulouse zogen die Westgoten weiter nach Spanien, wo sie das Toledanische Reich gründeten; ihre neue Hauptstadt war nun Toledo.
Übrigens: Die Westgoten waren Christen arianischen Glaubens, der im 4. und 5. Jahrhundert weitverbreitet war, aber von Rom bekämpft wurde, weil er im krassen Gegensatz zur römisch-katholischen Lehre stand.
Weitere Informationen hierzu s. mein Thriller „Talmi“

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Glück für San Pedro de la Nave

Mit der Niederlage gegen das muslimische Heer unter Tariq ibn Ziyad im Jahr 711 war das Westgotenreich besiegelt. Einzig der verbliebene Teil im südgallischen Reich – Septimanien genannt – konnte sich bis zum Jahr 725 halten.
San Pedro de la Nave hatte jedoch Glück. Die Kirche wurde verschont. Aufgrund ihrer Lage im damals ärmlichen Esla-Tal wurde sie von den Muslimen nicht bemerkt. Und dass es später nie genug Geld für eine Erweiterung oder einen Umbau gab, trug ebenso dazu bei, dass die einzigartigen Kunstschätze noch heute bewundert werden können.

Fries mit Radkreuzen und Sonnenrädern

Nicht wenige der 1930 geborgenen Friese (s.o.) gehörten wohl zu einem primitiven westgotischen Oratorium und stützten den Altar der alten Kirche.

Im Jahr 1912 wurde San Pedro de la Nave zum nationalen Kulturgut erklärt.

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