Varengeville-sur-Mer –
und der Maler George Braque

Im Jahr 2012 war ich erstmals im Nordwesten Frankreichs unterwegs, wobei es mich auch in die kleine Gemeinde Varengeville-sur-Mer verschlug, im Département Seine-Maritime. Der Ort liegt malerisch am Ärmelkanal, direkt an der Steilküste zum Meer.

Bei dieser Gelegenheit besuchte ich auch die Kirche von St. Valery (12./19. Jh.) mit ihrem Meeres-Friedhof, in dem der Maler Georges Braque begraben liegt.
Meer, Klippen, Kunst … die Normandie hat einiges zu bieten!

Georges Braque, Maler, Grafiker und Bildhauer, lebte von 1882 bis 1963. Er gilt – zusammen mit Pablo Picasso – als Mitbegründer des Kubismus*.

*Unter Kubismus versteht sich eine Kunstrichtung des frühen 20. Jahrhunderts, die durch Auflösung des Organischen in geometrische Formen und gleichzeitige Mehransichtigkeit des Bildgegenstandes charakterisiert ist. (Quelle Wiki)

In der Kirche von St. Valery kann man die herrlichen Fenster bewundern, die Braque entworfen hat.

Noch ein, zwei Fotos von der Steilküste zum Schluss (die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden):

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Ciudad Rodrigo – wo der Teufel manches Mal im Detail steckt …

Die kleinen Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!

Ciudad Rodrigo liegt am Fluss Águeda im Westen Spaniens, in der Provinz Salamanca (Kastilien-León), ungefähr 20 km östlich der portugiesischen Grenze.
Die kleine Stadt hat ungefähr 12 000 Einwohner. Ihr ursprünglicher Name war Miróbriga.
Wer diese wirklich sehenswerte und auch freundliche Stadt besichtigen möchte, parkt am besten auf dem Parkplatz außerhalb der Stadtmauern und geht zu Fuß durch das Stadtor Puerta del Sol. Auf diesem Weg erreicht man rasch die historische Altstadt mit dem Plaza Mayor, wo man gemütlich sitzen und sich für weitere Erkundigungen stärken kann. Werfen Sie einen Blick auf die herrlichen Stadtpaläste, die Kathedrale und die Burg, die im Südwesten der Altstadt liegt. Sie wird datiert auf das Jahr 1372; der mächtige Turm entstand hundert Jahre später. Heute befindet sich in der Burg ein Hotel der staatlichen Parador-Kette.

Der alte Name „Miróbriga“ geht auf die Keltiberer zurück, die im 6. Jh. v. Chr. die Stadt gegründet haben.

Ein Zeugnis dieser vorrömischen Zeit ist „El Verraco“, ein Eber aus Granit, den die Keltiberer hinterlassen haben.
Nach der Eroberung durch die Römer wurde die Stadt in Augustóbriga umbenannt. Die älteste Urkunde, die den noch heute aktuellen Namen bezeugt – Civitatem de Rodric – stammt aus dem Jahr 1136.

Die Kathedrale de Santa Maria

Mit dem Bau der Kathedrale von Ciudad Rodrigo wurde im 12. Jahrhundert begonnen, nachdem König Ferdinand II. und Papst Alexander III. die Stadt zur Suffragandiözese* von Santiago de Compostela ernannt hatten. Geweiht wurde das Gotteshaus im Jahr 1165.
Weil die erste Bauphase bis zum 14. Jahrhundert andauerte, lassen sich hier sowohl romanische als auch gotische Elemente finden.
(*einem Erzbischof unterstellt)

Die Kathedrale de Santa Maria „hat es in sich“ – im wahrsten Wortsinn.
Kurz: Ich war überwältigt von der Fülle der Details, die auf mich einstürmten. Lassen auch Sie sich überraschen!

Wie immer können meine Fotos mit einem Klick vergrößert werden.

Ciudad Rodrigo – wo sich über dem Eingang der Kathedrale
ein prachtvoller Fries mit Figuren aus dem Alten Testament befindet
– darunter die geheimnisvolle Königin von Saba
(3. von links)

Ciudad Rodrigo – wo Kunst historisch wertvoll ist:

… wo stattliche Säulen mit stattlichen Zypressen konkurrieren:

… und der Teufel manches Mal im Detail steckt:

… da sollten die Madonnen ein wachsames Auge auf den Teufel haben!

Mit einem letzten „augenzwinkernden“ Blick auf eines der schönen Adelshäuser und
den Donjon des Alcázar bedanke ich mich für Ihr Interesse!

Wer hat Angst vor Maurice Claret?

Es gibt ihn.
Ich kenne ihn seit Jahren.
Ich habe Maurice Claret – so sein Romanname – oft beobachtet.
In Südfrankreich. In Collioure. Heimlich.
(Ich hoffe, er hat es nicht bemerkt!)
Ich habe ihn adaptiert.

So fing alles an …
Nachdem ich nicht nur meine Historischen Romane (Katharer-Romane), sondern auch meine Gegenwartsthriller in Südfrankreich ansiedeln wollte, musste es natürlich ein Franzose sein, der vor Ort meine Fälle löst.
Guter Rat war teuer: Der berühmte Hercule Poirot (eigentlich Belgier) zeigte sich zwar interessiert, fühlte sich aber zu alt für die Verbrecherjagd, der Pariser Kommissar Adamsberg winkte gestresst ab, selbst Claude Bocquillon, der umtriebige schwule Detektiv aus dem südfranzösischen Anduze, war unabkömmlich.

Da erinnerte ich mich an einen freundlichen und immens gutaussehenden Polizisten,
der mir in Collioure ständig über den Weg lief –
und ich gab ihm spontan den Namen
Maurice Claret.

Die kleinen Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!

Lassen wir an dieser Stelle einige (fiktive) Romanfiguren zu Wort kommen, die Maurice Claret irgendwann kennengelernt haben:

FALL 1 – „DIE AFFÄRE C.“

Collioure 2004, in der Nacht zum Karsamstag: Der schaurige Sanch-Umzug ist vorüber. In höchster Verzweiflung, weil sie ihren Geliebten nicht finden kann, streift die Anwältin Sandrine Feuerbach aus Nürnberg durch die dunklen Gassen der Stadt. Henri ist spurlos verschwunden.
Plötzlich vernimmt sie hinter sich leise Schritte.
Sie dreht sich um: „Haben Sie mich die ganze Zeit verfolgt oder zufällig hier entdeckt, Brigadier Claret?“
„Ich habe Sie nicht aus den Augen gelassen, seit Sie das Hotel verlassen haben, Madame. Auch wenn wir hier nur eine kleine Gendarmerie sind, so kennen wir doch unsere Pflichten.“
Irgendwie hatte ich den Eindruck, der Mann stünde auf meiner Seite. Aber das wäre mir in dieser Nacht wohl mit jedem Menschen so ergangen, der sich meinethalben auch nur ein kleines bisschen gesorgt hätte …“

FALL 2 – „BLUT. ROTE. ROSEN“

Steffi Conrad, aus Nürnberg – Sandrines beste Freundin – befindet sich sechs Jahre später, also im Jahr 2010, selbst in Gefahr und bittet Maurice Claret (inzwischen zum Kommissar aufgestiegen) um Hilfe. Schauplatz ist Saint-Bertrand-de-Comminges. Steffi erzählt folgendes über den Kommissar: „Maurice Claret war in Zivil, aber ich erkannte ihn sofort wieder. Das tiefschwarze, millimeterkurz geschnittene Haar, die hohe Stirn, die gutgeschnittene Nase, der energische Mund. Er trat auf mich zu, umarmte mich und schüttelte mir lange die Hand. Ich war wirklich froh, ihn zu sehen und wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen …“
Eine weitere Szene am Ende des Romans: Nur nebenbei bemerkt: Jeder Mensch hat Marotten … Selbst Maurice Claret war nicht ohne Spleen. In seinem Kofferraum, das hatte mir Celine Claret (die Frau des Kommissars) im Vertrauen und mit einem Augenzwinkern erzählt, stapelten sich nicht nur glänzende Handschellen, sondern auch jede Menge stahlblaue und schneeweiße frisch gestärkte Button-down-Oberhemden. Ich hatte gelacht, als ich das erfuhr – und wissend genickt. Solcherart stramm, ja geradezu tipptopp aus dem Ei gepellt, hatte ich ihn vor Jahren kennengelernt, an einem ähnlich heißen Tag wie heute, in Port Vendres, einem Nachbarort von Collioure …“

FALL 3 – „TALMI“

Und was erzählt der in diesem Roman als Ich-Erzähler ermittelnde Polizeipsychologe René Labourd über Maurice Claret?
„Clarets dunkle Augen blitzten. Er entsprach nicht dem üblichen Bild eines Kommissars, dazu war er einen Tick zu gutaussehend, doch er galt seit langem als einer der fähigsten und fleißigsten Kriminalisten der Ligue Pyrénées …“

FALL 4 – „SALAMANDRA“

Hören wir, was die Archäologin Bernadette Molander über den Kommissar zu berichten weiß!
„Auf dem Weg in die Stadt zeigte sich Claret wortkarg. Obwohl Bernadette darauf brannte, dass er von sich aus die Sache mit Thomas ansprach, tat er ihr den Gefallen nicht. Dafür schaltete er das Autoradio ein. Zazie sang, und Claret summte leise mit. ›Schönes Lied‹ sagte er am Ende. ›Ca fait mal et ca fait rien – wie würde man den Titel auf deutsch übersetzen?‹
Es tut weh, aber es macht nichts‹, antwortete Bernadette leise.
›Manchmal muss es wehtun, Madame, damit es heilt.‹“

FALL 5 – „KNOTENSTRICKER“ (HANNAH MILLER)

Für die Protagonistin (und Mitautorin) Hannah Miller ist Maurice Claret sogar ein Heros:
„Alles in Ordnung, redet sie sich ein, sie hat dem Kommissar von diesem Ort erzählt. Mit dringlicher Stimme. Und er hat es ganz sicher nicht vergessen. Nicht Claret!“
An späterer Stelle: „Hannah strahlte ihn an. Was sie von solchen Versprechungen hielt, braucht er nicht zu wissen. Claret war ihr Held.“

So viel Lob für Maurice Claret –
und sogar aus berufenem Kollegen-Munde?

Lassen Sie sich nur nicht täuschen, liebe Leserinnen und Leser,
lernen Sie Kommissar Claret besser selbst kennen!

Vielleicht an einem gemütlichen Abend im Sessel, bei einem Glas Wein?

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
Ihre
Helene L. Köppel aka Hannah Miller


À votre santé! Und hier unten, rechts, geht es zu meinen Fällen!

Zamora – „Die Augen des Duero“

Zamora, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Zamora, liegt malerisch auf einem Felshügel über dem Fluss Duero.
Im Bild die alte Brücke der Stadt, die Puente de Piedras. Sie wurde Anfang des 13. Jahrhunderts fertiggestellt, in späterer Zeit jedoch mehrmals umgebaut, wobei der größte Teil ihrer „Dekoration“ verschwand. Nur die Gewölbe der Hauptbögen und die Pfeiler sind erhalten geblieben. Trotzdem ist diese Brücke noch heute ein echter Hingucker, vor allem in der Abenddämmerung.
Sie ist auch Teil der sog. Silberstraße, auf der sich Zamora befindet, und damit – historisch gesehen – Teil der alten Römerstraße Via de la Plata zwischen
Mérida (Emerita Augusta) und Astorga (Asturica Augusta).

Verblüffend!
Zamoras römische Bezeichnung Ocellum Duri, die Augen des Duero
, scheint ein Vorgriff auf den Ausbau dieser Brücke gewesen zu sein!

Blick auf die Kathedrale von Zamora

Blick auf die Kathedrale von Zamora

Buntes Treiben in der Stadt

Alle kleinen Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!

Zamora heute ist eine lebendige, junge Stadt – die gar nicht so stark im Fokus des Tourismus steht, wie man meinen möchte – was vielleicht daran liegt, dass sie nur auf einer Nebenstrecke des Jakobsweg liegt.
Die Stadt hat ca. 60 000 Einwohner und ist bekannt für die Herstellung von Lederwaren und Textilien.
Die Grenze zu Portugal ist 55 km entfernt.

Geschichtlich ist noch anzumerken, dass Zamora, nach der Zerstörung im Jahr 981 durch die Mauren, erst im 11. Jahrhundert wieder aufgebaut und neu besiedelt wurde. Ein Großteil der historischen Bauten, die noch heute existieren, stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert.


Das historische Zentrum von Zamora ist heute als Kulturgut anerkannt.

Urraca – Die Frau mit einer grausamen Seele

Als „femina mente dira“ wurde die wohl bekannteste Person der Stadt gescholten:
Es handelt sich um Urraca, die Schwester des Königs von Kastilien (11. Jh.) Was war geschehen? Urraca soll an der Ermordung ihres eigenen Bruders beteiligt gewesen sein!
Mit ihrer Intrige hat es Urraca weit gebracht: Sie übernahm nach dem Tod des Bruders die Herrschaft in Zamora und schmückte sich mit dem Titel „Königin von Zamora“.
Als „Frau mit einer grausamen Seele“ fand sie später Eingang in das Epos von El Cid, das wohl berühmteste Werk der spanischen Folklore.
Ihre Gebeine ruhen in der Stadt León (Abtei San Isidoro). Das Epitaph trägt die Inschrift: „Hic requiescit domina Urraca, regina de Zamora“ (Hier ruht die Dame Urraca, Königin von Zamora).



Das Castillo de Zamora, in dem auch Urraca Hof hielt, wurde im 11. Jahrhundert erbaut.
Von der ursprünglichen Anlage ist heute jedoch kaum noch etwas zu finden.
Dennoch ist die Anlage beeindruckend!

Die kleinen Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!

Zwischen Palmsonntag und Ostersonntag finden in Zamora ganze 18 Prozessionen statt!

In der Stadt Zamora sind 16 Sanch-Bruderschaften zu Hause. In der Karwoche trifft man hier täglich auf ein Meer aus roten, weißen und grünen Kutten mit spitzen Kapuzen und Augenschlitzen.
Die sogenannten Nazarenos, mit ihren dunkelvioletten Kutten, den Dornenkronen, den Seilen um die Hälse, sind vor allem am Gründonnerstag und Karfreitag mit dem großen Kreuz unterwegs.

(Das nebenstehende Foto stammt aus dem Netz, Quelle: //www.turismoenzamora.es/wp-content/uploads/2017/08/patrimonio-cultural.-Semana-Santa-Otras-Pasiones.jpg)

Mit diesem beschaulichen Foto aus einer der alten Gassen von Zamora bedanke ich mich bei Ihnen für Ihr Interesse.
Muchas gracias!

„KNOTENSTRICKER“ (H. Miller)

KNOTENSTRICKER von Hannah Miller
ist ein pechschwarzer Psychothriller mit Südfrankreich- und Schwedenflair, in dem es um mehr geht, als um Plagiat, Rache und gestörte menschliche Wahrnehmung.

Ein irrer Spuk, ausgelöst durch Ungeduld und Eitelkeit!

456 Seiten, Taschenbuch und E-book, verfügbar im Buchhandel und/oder bei Amazon. Näheres auch auf der Website der Autorin: www.koeppel-sw.de

LESEPROBE „Knotenstricker“

(Romanschauplatz Schweden)

Klappentext:

Südfrankreich. Sommer. Der Geruch von Pinien
Doch die Idylle trügt: Von einer hochgelegenen Jagdhütte aus beobachtet jemand aufmerksam die Ankunft der Schriftstellerin Annrose Pfeifer.
Als sie nichtsahnend mit ihrem Mann aus dem Wagen steigt, zerreißt ein Schuss die Abendstille – und Annrose, die noch soviel vorhat im Leben, muss mit ansehen, wie von einer Sekunde auf die andere ihre Welt zerbricht.
Der Fall hält Kommissar Claret und die zuständige Staatsanwältin in Atem, denn es deutet einiges darauf hin, dass die deutsche Autorin der Toulouser Drogenmafia in die Quere kam.

Doch dann gibt es noch einen weiteren beunruhigenden Verdacht …

„Knotenstricker“ ist ein pechschwarzer Psychothriller mit Südfrankreich- und Schwedenflair, in dem es um mehr geht, als um Plagiat, Rache und gestörte menschliche Wahrnehmung.

LESEPROBE

Unbegreiflich eigentlich, dass es Tage gibt, an denen einfach alles schief läuft! Zuerst war beim Einsteigen in den Zug ein kurzer heftiger Platzregen niedergegangen, der sich anhörte, als ob Millionen kleiner Glaskugeln auf das Dach des Waggons prasselten. Dann hatte sich Annrose Pfeifer, nass bis auf die Haut, mit ihrem Trolley durch die verstopften Gänge gequält, nur um kurz darauf festzustellen, dass ihr reservierter Sitzplatz bereits belegt war: Eine junge Mutter mit Kleinkind, beide ebenfalls sichtlich durchnässt, sah sie derart verzweifelt an, dass sie ihr bedeutete, sitzenzubleiben. Sie würde sowieso gleich umsteigen müssen, sagte sie, sie wolle nach Genf.
Aufatmend lehnte sie sich im benachbarten Gepäckabteil mit dem Rücken an die Wand und trocknete sich mit Papiertaschentüchern behelfsweise Gesicht und Haar. Ihre Frisur war vermutlich im Eimer und ihr neuer, hellgrauer Businessanzug roch ganz sicher so muffig-feucht wie die Boucléjacke der älteren Dame neben ihr. Beunruhigend fand sie es auch, dass der Zug nicht pünktlich weiterfuhr. Sie hatte doch beim nächsten Zwischenstopp in Saarbrücken nur fünf Minuten Zeit zum Umsteigen. Und tatsächlich rauschte ihr der Anschlusszug vor der Nase weg, und sie musste fünfzig Minuten auf den nächsten warten. Damit rannte ihr aber auch die Zeit davon. Sie hätte auf Robert hören und einen früheren Zug nehmen sollen!
Schließlich, als wenn es mit den Pannen an diesem Tag noch nicht reichen würde, verstauchte sie sich, der Eile geschuldet, im Bahnhof Genf-Cornavin den linken Knöchel. Das jedoch fand sie nun fast schon wieder zum Lachen.

Leicht hinkend, die Kleidung klamm, verließ Annrose den Bahnhof durch den Haupteingang. Doch bereits unter dem Vordach blieb sie abrupt stehen. Verdammt, der Tag war tatsächlich wie verhext: Auch in Genf schüttete es wie aus Gießkannen!
Sie zog die Einladungskarte aus ihrer Umhängetasche: Hotel Warwick, Rue de Lausanne 14, 1201 Genève, Schweiz, Beginn 20 Uhr. Zimmer reserviert.
Ein Blick auf die Bahnhofsuhr, dann humpelte sie mitten durch den Regen zum Taxistand. Der erste Chauffeur, den sie fragte, deutete auf ein in der Nähe befindliches hohes Gebäude. »Das Warwick schaffen Sie besser zu Fuß«, meinte er.
Besser zu Fuß? Na, dann … Annrose überquerte todesmutig die stark befahrene Straße und ratterte kurz darauf mit ihrem Rollkoffer in die elegante Lobby des Hotels.
Auf dem Weg zur Rezeption kam ihr ein junger Mann in einer verwaschenen orangeroten Jeansjacke und mit geschultertem Rucksack entgegen. Sie wollte ausweichen und – was hatte sie erwartet, an einem Tag wie diesem? – natürlich wich er zur selben Seite aus! Der zweite Versuch, nun nach der anderen Richtung, scheiterte ebenfalls.
»Sorry«, japste sie, während ihr die Regentropfen in den Nacken liefen, »meine Schuld, bin in Eile!«
»Aber nein, meine Schuld«, sagte er lachend und ließ ihr den Vortritt.
Annrose trat an den Tresen und nannte ihren Namen. Während der Rezeptionist seelenruhig den PC befragte, nahm sie aus den Augenwinkeln heraus wahr, dass der junge Mann, mit dem sie beinahe kollidiert wäre, plötzlich schräg hinter ihr stand. Hatte er nicht schon eingecheckt? Irritiert drehte sie sich nach ihm um. »Ja, bitte?«
»Literatur-Agentur Valtus?«, fragte er, kaugummikauend. Er war nicht viel größer als sie, vielleicht einsfünfundsechzig, zierlich gebaut, dunkelhaarig, ein mediterraner Typ.
Sie nickte erleichtert. »Sie etwa auch?«
»Bien sûr! Dann sind wir wohl Kollegen. Können wir uns duzen? Ich bin Danilo. Danilo Plonsky. Schon von mir gelesen?«
Annrose stutzte, lachte aber dann, weil er ihr zuzwinkerte. »Leider nein!« Sie nahm ihr Zimmerkärtchen entgegen und stellte sich ihm ebenfalls namentlich vor.
Ein erschrockener Blick auf die Uhr, und sie stürmten gemeinsam in Richtung Aufzug.
»Welches Stockwerk?«, fragte er, die Hand bereits auf der Schalttafel mit den Knöpfen.
»Sechstes«, antwortete sie. »Hoffentlich dauert es nicht ewig … Mein Zug hatte ein Problem, und dann noch der verdammte Regen heute!«
»Mach dich nicht verrückt«, meinte er. »Wir verpassen höchstens das Champagnersüppchen. Wollen wir nachher zusammen zum Empfang gehen? Sagen wir, in dreißig Minuten? Schaffst du das zeitlich? Mit der … Frisur und so?«

Sie zögerte nicht eine Sekunde. »Aber ja!«, sagte sie dankbar.

(456 Seiten, Taschenbuch- und E-book-Ausgabe, im Buchhandel erhältlich und/oder bei Amazon)

ERSTE LESERSTIMME
„Ein entwaffnend ehrlicher Thriller, auch was das Ende betrifft!“