Mérida – vormals Emerita Augusta


Mérida, die Hauptstadt der Autonomen Region Extremadura im Südwesten Spaniens, war im Römischen Reich unter dem Namen Emerita Augusta Hauptstadt der Provinz Lusitana. Sie wurde im Jahr 25 v. Chr. von Kaiser Augustus als Kolonie für Veteranen der römischen Legionen gegründet. Bis zum Untergang des Römischen Reiches war Mérida ein bedeutendes militärisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum.

Im Mittelalter machten die Westgoten Mérida zur Hauptstadt ihres Königreichs. Von hier aus wurde im 6. und 7. Jh ein Gebiet, das fast das gesamte heutige Spanien und Portugal umfasste, regiert.

Im Jahr 713 fielen die Mauren unter Musa ibn Nusair in Mérida ein und verwüsteten die Stadt. Die Rückeroberung erfolgte im Jahr 1230 unter Alfons IX. von León.


Der Tempel der Diana – wurde zwischen dem 1. und 2. Jh. n. Chr. gebaut. Er hat einen rechteckigen Grundriss und sechs Frontsäulen. Die Kapitelle sind korinthisch. Man huldigte hier dem „Gottgleichen“ Kaiser Augustus.


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Das Amphitheater – wurde im Jahr 8 v. Chr. eingeweiht. Es bot bis zu 20 000 Zuschauern Platz. Hier fanden sowohl Kämpfe mit wilden Tieren als auch Gladiatorenkämpfe statt.

Kleiner Hinweis am Schluss:
In den Monaten Juli und August findet im Amphitheater das Internationale Festival für klassisches Theater statt.
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Templerkirche San Marcos, Salamanca

Rund- aber auch Acht- oder Zwölfeckbauten waren in der Romanik des ausgehenden XII. und angehenden XIII. Jhdts. nicht selten anzutreffen (z.B. die Iglesia de la Vera Cruz in Segovia und die Kirchen in Eunate und Torres del Rio/Navarra). In der Regel stehen Kirchen mit diesen Grundrissen im Zusammenhang mit Militärorden. In San Marcos handelt es sich um einen Bau der Tempelritter.
Der flache Barock-Glockenturm ist aus späterer Zeit.

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San Marcos befindet sich im Norden des mittelalterlichen Stadtteils, direkt an der Stadtmauer, und man spekuliert, ob diese Kirche ursprünglich als Verteidigungsturm der Stadtmauer errichtet worden ist. Martialisch von außen, findet man im Innenraum überraschenderweise eine typische Basilika mit drei Schiffen und halbkreisförmigen Absiden vor, die sich perfekt in die Kreisform einfügen.

Tatzenkreuze, Baumeisterzeichen, Schwarze Madonna (In diesem Fall handelt es sich um La Morenata, die Madonna von Monserrat, Katalonien).
Im Jahr 1967 wurden Instandsetzungsarbeiten- und Befestigungsarbeiten am Gebäude durchgeführt, später zugefügte barocke Elemente entfernte man. Dabei wurden die alten Altartische und gotischen Wandmalereien (14. Jh) wieder entdeckt, die sich hinter den Retabeln versteckt befanden und Szenen der Krönig der Hl. Jungfrau, der Verkündigung und des Heiligen Christopherus usw. darstellen.

König Alfons IX. von León (1188 bis 1230), der den Beinamen „El Baboso“ trug, weil er bei Wutanfällen Schaum vor dem Mund gehabt haben soll, hat das Grundstück ursprünglich den Geistlichen von Salamanca übereignet. Aus diesem Grund erhielt die Kirche später den Namen Real Clerecia de San Marcos (Königliches Priestertum des Heiligen Markus).

Der Heilige Markus, Namensgeber der Templerkirche in Salamanca

Kragsteinköpfe aus der Zeit der Tempelritter!

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Verraco – Keltiberische Skulpturen

Eber, Stiere, Wildschweine, Bären … Mehr als 400 steinerne Tierfiguren aus der vorrömischen Zeit (7.-2. Jh. v. Chr.) wurden im Laufe der Jahre bei Ausgrabungen in Westspanien und Nordportugal entdeckt. Viele dieser Figuren kann man noch heute in den spanischen Provinzen Ávila, Cáceres, Salamanca, Zamora, Segovia und Toledo entdecken. Manche sind kopflos und man kann oft nur aufgrund des Körperbaus erahnen, um welches Tier es sich einst gehandelt hat. Beeindruckend sind sie durchwegs alle.
Zusammengefasst wurden diese megalithischen Skulpturen unter dem Begriff Verraco = Eber.

Toros de Guisando

Was hat die Keltiberer seinerzeit bewogen, riesige Steinblöcke heranzuschaffen und sie zu behauen? Handelte es sich um Grabbeigaben? Um einen vergessenen Totenkult?
Oder hat man die Verracos, wie einige Wissenschaftler meinen, am Rande der Weiden aufgestellt, zum Schutz für’s eigene Vieh?
Man kann nur spekulieren …

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Der Stier von Salamanca

Mindestens eine dieser keltiberischen Tierskulpturen hat es zu einiger Berühmtheit gebracht: „Der Stier von Salamanca“ – dem allerdings der Kopf fehlt.
Die Figur steht vor Ort direkt neben der römischen Brücke, die über den Fluss Tormes führt, und wurde im Roman „El Lazarillo de Tormes“ * verewigt.

Worum geht es in diesem Roman?

*Lazarillo de Tormes ist ein im 16. Jh. anonym verfasster spanischer Roman, der als Vorläufer des Schelmenromans der europäischen Literaturgeschichte gilt und das Leben des „kleinen Lazarus von Tormes und seinen Geschicken und Widrigkeiten“ erzählt. Der „Lazarillo“ verkörperte den Typus des „Antihelden“, ein bis in die Gegenwart bedeutendes Gestaltungselement in der Litaratur. Das Wort „Lazarillo“ selbst ist noch heute als Bezeichnung für einen Blindenhund üblich.

Eine Szene unten am Fluss Tormes

In drastischen Bildern schildert der kleine Lazarillo de Tormes, wie er einen Blinden hinunter zum Fluss führt, wo sich der steinerne Stier von Salamanca befindet. Der Alte macht ihm weis, man könne ein Knurren aus dem Magen des Tieres hören, wenn man nur sein Ohr nahe an den Stein halte:

Ich, ganz arglos, tat es, im Glauben, es sei so. Und wie er fühlte, dass ich den Kopf dicht am Stein hielt, machte er die Hand steif und schlug mir den Kürbis so heftig gegen den verdammten Stier, dass mir der Schmerz davon mehr als drei Tage nicht mehr verging. Darauf rief er mir zu: Dummkopf, mach dir klar, dass der Bursche des Blinden noch ein Stückchen schlauer sein muss als der Teufel. Und er lachte ausgiebig über seinen Streich.

Reclam universal-Bibliothek Nr. 18481

Salamanca – Hier Blick auf die Kathedrale


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Santiago de Peñalba

Die ehemalige Abteikirche Santiago de Peñalba liegt in Spanien, in der Region Kastilien-León, in einem abgelegenen Hochtal der Gebirgskette der Montes de León, ca. 20 km von Ponferrada, der Hauptstadt der Comarca El Bierzo entfernt. Der Name Peñalba bedeutet weißer Fels.

Diese kleine Kirche zählt zu den bedeutendsten mozarabischen Bauwerken im Nordwesten Spaniens. Der Bau wird auf 931 bis 937 n. Chr. datiert.


Mitten in den Bergen von León – entspannte Abgeschiedenheit
Das kleine Dorf mit seiner atemberaubenden Kulisse war bei meiner Ankunft am 5. Mai 2019 so verschwiegen still wie die zum Teil noch schneebedeckten Berge. Nur Vögel zwitscherten.

Zur Geschichte des Dorfes und der Kirche

Wir schreiben das Jahr 936 n. Chr. Der Heilige Gennadus fasst den Entschluss, sein Amt als Bischof von Astorga aufzugeben, um fortan das Leben eines Eremiten zu führen. Er zieht sich in die Berge von León zurück, wo es weitere Eremiten gibt, und gründet in Peñalba ein kleines Kloster. Nach seinem Tod bestatten die Mönche seine Gebeine in der Westapsis der Kirche. Im 13. Jahrhundert wird das Kloster aufgegeben und die Kirche von der kleinen Gemeinde, die sich ringsum angesiedelt hat, als Pfarrkirche genutzt. Peñalba gerät in Vergessenheit. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt man, sich wieder für die einzigartige Kirche im Mozarabischen-Stil zu interessieren. 1931 wird sie zum Monumento Histórico-Artístico Nacional erklärt. In den 1940er Jahren werden erste Restaurierungsmaßnahmen eingeleitet.


Die Mozarabische-Architektur

Mozaraber nennt man Christen, die von der Kultur des Islam geprägt wurden. Es handelt sich um diejenigen Bewohner von al-Andalus, die sich nach der Besiedelung durch die Mauren deren Kultur angeeignet hatten, jedoch ihren christlichen Glauben bewahrten. Sie entwickelten einen präromanischen Stil, der von der islamischen Baukunst inspiriert wurde. Typisch hierfür sind insbesondere eng geschlossene Hufeisenbögen mit Alfizrahmen, wie in Peñalba.

Der Mudéjar-Stil

Der Mudéjarstil ist vor allem in den Regionen Aragón (z.B. Zaragoza mit seinem Palast der Aljafería) und Kastilien-León zu finden. (Hier vor allem in Avila, León, Zamora, Burg Coca und Stadt Toledo. Der einzigartige Baustil verbindet ebenfalls die arabische mit der christlichen Baukunst. Charakteristisch ist die Verwendung von Baumaterialien wie Backsteinen, Gips und Keramik anstelle von Stein.



Die Kirche von Pénalba selbst ist aus Bruchstein erbaut.
Vier schmale Fensteröffnungen (Alabaster-Fenster) sind noch im Original erhalten. Das Dach ist mit Schieferplatten gedeckt. Der offene Glockengiebel steht hingegen separat, westlich der Kirche, und stammt aus neuerer Zeit.

Es gibt zwei Zugänge zur Kirche. Das Südportal weist einen doppelten mozarabischen Hufeisenbogen auf.
Die Säulen besitzen korinthische Marmorkapitelle.

Der Grundriss der Kirche ist ein lateinisches Kreuz. Die Absiden haben ebenfalls einen hufeisenförmigen Grundriss.
An den Wänden und Gewölben befinden sich noch Fresken aus der Entstehungszeit.

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Nachstehend der Heilige Gennadius, der sein Kloster im 10. Jahrhundert dem Apostel Jakobus geweiht hat.

Die Heiligenfiguren sind derzeit (Mai 2019) ausgelagert, sie stehen im Haus gegenüber der Kirche, wo sich auch der Schlüssel befindet. Aufgrund von Restaurierungsarbeiten kann die Kirche nur während einer Führung besichtigt werden.

Ein letzter Blick durchs mozarabische „Schlüsselloch“ nach draußen, bevor es auf tollkühnem Weg wieder hinab ins Tal geht …

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Die Basilika Notre-Dame de Marceille
und das fehlende „yod“

Vorweg genommen:
Notre-Dame de Marceille
hat mit der Stadt „Marseille“ nichts  zu tun

Die einsam gelegene Basilika Notre-Dame de Marceille, die seit 1948 unter Denkmalschutz steht, findet man ein Stück außerhalb der südfranzösischen Kleinstadt Limoux, in der Nähe des bekannten Bergnestes Rennes-le-Château. Sie liegt in der Aude-Region, einem uralten Siedlungsgebiet.
Der Ortsname „Marceille“ soll sich von einer gallo-römischen Villa (einst im Besitz eines Marcellus?) ableiten. Diese könnte in der Nachbarschaft der heutigen Basilika gestanden haben.
Notre-Dame de Marceille wurde im 14. – 15. Jh. im Mozarabischen Stil erbaut, aber sie hat eine noch viel ältere Geschichte.

Inschrift der Sonnenuhr von ND de Marceille:
„Verflossene Stunden kommen nicht wieder
und Tote kehren nicht zurück.“

Notre-Dame de Marceille – Romanschauplatz

In meinem Roman „Die Affäre C.“ besucht die Protagonistin Sandrine Feuerbach die Örtlichkeit und beschreibt ihre Eindrücke folgendermaßen:

„Die Kirche sah auf der Eingangsseite seltsam verbaut aus. Ein schmaler achteckiger, minarettartiger Turm sowie mehrere kleine Giebeltürmchen auf dem Schiff. Fenster, die eher an ein Wohn- als an ein Gotteshaus erinnerten … Als sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, bemerkten wir, dass das Licht nur durch drei hohe bunte Glasfenster über dem Altar hereinfiel. An den Beichtstühlen vorbei, tasteten wir uns langsam nach vorne. Keine Menschenseele war zu sehen, es war geradezu unheimlich … Auf einem kleinen Tisch in einer Nische flackerten Kerzen. Wir kamen an alten, sehr dunklen Gemälden vorüber, auf denen man kaum Details erkennen konnte, betrachteten Heiligenfiguren, naiv-schöne Wandmalereien und Votivgaben von Pilgern – darunter ein schwerer Stein, der an einer eisernen Kette von der Decke hing –, dann zeigte uns S. ein Bodenmosaik … ein Pentagramm in einem gleichschenkligen Kreuz.
Über der Orgel hingen hölzerne Medaillons. Auf einem sei die Bundeslade – foederis arca – abgebildet, versicherte uns S. … Als wir das nördliche Querschiff betraten, ging plötzlich das Licht an. Gold blitzte uns entgegen, Gold wohin man nur sah. Hinter einem kunstvoll geschmiedeten Gitter und einer dicken Glasscheibe saß die Schwarze Madonna …

Notre-Dame de Marceille – ein früher Wallfahrtsort

Fromme Pilger zog es bereits früh an diesen Ort, weil sich dort eine heilkräftige Quelle befand (Linderung von Augenkrankheiten). Und nachdem Wunderquellen, Brunnen und Madonnen einander offenbar bedingen, entdeckte man im 11. Jh. in der Nähe der Quelle auch eine Schwarze Madonna. Die Legende berichtet, ein Ochse hätte sie beim Pflügen gefunden. Vom Bauern nach Hause gebracht, verschwand sie wieder. Ganze dreimal und immer über Nacht. Sie war erst zufrieden, als man ihr eine Kapelle mitten auf dem Feld baute. Seit dem Jahr 1280 ist Notre-Dame de Marceille als Wallfahrtsort bezeugt und machte Furore: Selbst katharisch-gläubige Frauen (Béatris – Kronzeugin der Inquisition) suchten diese Kirche auf (AD 1308), um die Madonna zu besuchen, zu beichten und dabei ihre „Rechtgläubigkeit“ zu bekunden, wenn sie unter Beobachtung der Inquisition standen.

Die Schwarze Madonna von ND de Marceille,
(bevor Vandalen ihr 2007 den Kopf abschlugen).
(Näheres hierzu in meinem  Artikel „Schwarz bin ich, aber schön …)

Notre-Dame de Marceille
besticht nicht zuletzt durch die
Farbenpracht ihrer Wände,
Decken und Fußböden:

(Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!)

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Notre-Dame de Marceille und das fehlende „yod“

In und unter dieser Kirche werden seit grauer Zeit verborgene Schätze, düstere Geheimgänge, verlassene Gräber und verschlüsselte Geheimnisse vermutet. Was ist davon zu halten?
Meine Romanheldin und ihre Freunde entdecken eines dieser Geheimnisse:

Die Statue hatte freundliche Augen, ein dunkelbraunes Gesicht unter Schleier und prachtvoller Krone, dazu ein anziehendes verschmitztes Lächeln, obwohl man sie eingesperrt hatte, damit sie nicht wieder davonlief … Wir kamen am Altar vorbei, dessen blaues Gewölbe mit unzähligen goldenen Sternen bemalt war, da hörte ich Steffi fragen: „Was ist denn das hier? Eine Marmorurne mit Schlüsselloch?“ Sie stand in einem Seitenaltar und deutete auf einen kleinen weißen Schrein.

„Aber nein, das ist ein alter Tabernakel“, stellte Sokrates fest, „ein Aufbewahrungsort für geweihte Hostien … Das Dreieck darauf ist das Zeichen für die Dreieinigkeit, in seiner Mitte müsste sich das ´Auge Gottes` befinden … Attention!“, sagte er plötzlich … „da ist eine Gravur, hebräische Buchstaben … Seltsam“, er nahm eine der brennenden Kerzen, um besser sehen zu können. „Eigentlich müsste es sich um den Schriftzug JAWEH handeln, den Namen Gottes. Der Kranz außen herum stellt ganz eindeutig den Dornbusch dar, der brennt, aber nicht verbrennt … Doch es sind nur drei Zeichen vorhanden, also handelt es sich hier nicht um das Tetragramm des Gottesnamen! Merkwürdig … auf diesem Tabernakel fehlt der erste Buchstabe des Namens Jahwe, das ´yod`. Übrig bleibt ´Chawa` oder auch ´Chava`.

„Aber was bedeutet das?“

„Chava bedeutet Eve, Eva. Eva oder auch Leben, die Urmutter also.

„Aber wieso verehrt man hier Eva?“, fragte Steffi verwundert. „Ein Tabernakel sollte doch das Allerheiligste beinhalten, oder?“

Tabernakel-Inschrift in ND de Marceille,
(hebräisch von rechts nach links zu lesen)
Es fehlt das „yod“ –
lesbar ist „Eve“ oder „Eva“

Um mich abzusichern, habe ich die Buchstaben vor Ort abgepaust:
Kein „yod“ vorhanden!

Fotos anklickbar zum Vergrößern!

Zum Vergleich die Tabernakel-Inschrift aus der Kirche
der nahegelegenen Ortschaft Quillan:
Hier ist das „yod“ ist vorhanden:
Lesbar ist „Jahwe“

Ein zweites fehlerhaftes Tetragramm in Kanada

Die Sache mit dem fehlenden „yod“, ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und ich hätte sie wohl nicht in meinen Roman einfließen lassen, wenn mir seinerzeit nicht eine Ausgabe von „Les Carnets-Secrets“ (Nr. 4, Januar-März 2006) in die Hände gefallen wäre. In diesem Heft stand ein interessanter Artikel:
„Montréal, la Nouvelle Jérusalem: La survivance de l`idéal templier“, verfasst von Francine Bernier. Es geht darin um die Kathedrale von Montréal/Kanada, in der dasselbe Phänomen entdeckt wurde.
Francine Bernier schreibt darüber:

 „Von allen Hinweisen, die in Montreal gefunden wurden, ist der bedeutendste und aufschlussreichste ohne Zweifel der Tetragrammaton (heiliger Name Gottes in vier hebräischen Buchstaben, YHVH, der über der Kanzel der Basilika von Notre Dame, einem Besitz der Sulpizianer von Montreal, hängt. Dieses heilige Symbol stammt aus der ersten Kirche von Notre-Dame, die 1685 von und für die Herren von Saint-Sulpice, damals die einzigen Herren von Montreal, errichtet wurde. Fotos wurden von einem Dutzend Experten aufgenommen und analysiert, darunter Rabbi Dovid Shirel von Kfar Chabads Gal Enai Institut in Israel. Ihre Analysen konnten ohne möglichen Irrtum bestätigen, dass es nicht vier Buchstaben gab, sondern drei (HVH, und dass diese, ohne den Jod des Anfangs, das weibliche Wort chavah bilden, was Eva, Frau oder Mutter allen Lebens bedeutet. Mit anderen Worten, der Schöpfer ist weiblich, ein gnostisches und ketzerisches Konzept, das zweifellos die „verborgene Seite“ der von Jean-Jacques Olier gegründeten Johanniterkirche darstellt.

 

Die Verfasserin Bernier merkt hierzu noch an, dass es sich beim fehlenden „yod“ keineswegs um einen Fehler oder Zufall handelt, zumal sich in derselben Kathedrale (in der Kapelle der Heiligen Therese von Lisieux) ein zweites fehlerhaftes Tetragramm oberhalb der Kanzel befindet. Außerdem sei eine riesige Statue, die mit geschlossenen Augen daneben sitzen würde, „die Religion“ darstellend, in Wirklichkeit eine Darstellung der androgynen Göttin Cybele, die mit Sophia (Weisheit) verbunden ist.
Cybele galt als „Mutter allen Lebens“.

Was hat nun Notre-Dame de Marceille mit Kanada zu schaffen?

Das Verbindungsglied ist ein französischer katholischer Priester: Jean-Jacques Olier. Er gilt als Erneuerer des religiösen Lebens im 17. Jahrhundert, gründete die Kongregation der Sulpizianer sowie das berühmte Priesterseminar St. Sulpice in Paris, welches auch im Rätsel von Rennes-le-Château eine Rolle spielt.
Im Jahr 1657 entsandte Jean-Jaques Olier Sulpizianer nach Montréal/Kanada für eine dortige Gründung. Ungefähr zeitgleich stand er in enger Verbindung mit dem damaligen Bischof von Limoux, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Notre-Dame de Marceille kontrollierte.

Die Kongregation der Sulpizianer war bekannt für ihre Marienverehrung.

(Maler unbekannt)

Kleine Schlussbemerkung

 

Nach S.G.F. Brandon, Religion in Ancien History, New York 1969, leitet sich die Buchstabenkombination JHWH, yod-he-vau-he, von der hebräischen Wurzel HWH ab – in lateinischen Buchstaben EVE, was sowohl „Leben“ wie „Frau“ bedeutet. Mit dem angefügten „yod“ entstand angeblich das Wort, durch das die Göttin ihren Namen als Schöpfungswort anrief – eine in Ägypten und anderen Ländern des Altertums verbreitete Vorstellung.
***

Hat Jean-Jacques Olier, der Marienverehrer und Erneuerer des religiösen Lebens im 17. Jahrhundert, über den priesterlichen Tellerrand hinausgesehen?

Notre-Dame de Marceille, das fehlende „yod“ und nicht zuletzt die Anwesenheit der Schwarzen Madonna könnten der Beweis dafür sein.

 
 

Links im Bild: „Die wundersame Quelle von Marceille“

Ans Herz gelegt:

Notre-Dame de Marceille als Romanschauplatz

Leseproben hier:
„Die Affäre C.“, Thriller,
„Béatris: Kronzeugin der Inquisition, Historischer Roman

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Helene Köppel

Das Wunder von Rieux-Minervois:
Sainte-Marie – und die eigenartige Siebenzahl

Es waren mal wieder die Werke des Meisters von Cabestany, die mich im Juni 2017 auch in das kleine Dorf Rieux-Minervois, und dort in die Kirche Sainte-Marie geführt haben. Äußerlich auf den ersten Blick anspruchslos – ein siebeneckiger Mittelturm und nur wenige Fenster –, reißt man erstaunt die Augen auf, wenn man das Gebäude betritt. Ein in Südfrankreich einzigartiger Rundbau liegt vor einem, mittig der Altar. Sieben stolze Pfeiler tragen die Arkaden, die ihrerseits die Kuppel stützen: Das Wunder von Rieux-Minervois!

Die Lage von Rieux-Minervois

Rius de Menerbés, wie der Ort auf okzitanisch heißt, liegt zu Füßen der Montagne Noire am Argent-Double, einem Nebenfluss der Aude, mitten im Weinbaugebiet Minervois, etwa 25 Kilometer (Fahrtstrecke) nordöstlich von Carcassonne. Acht Kilometer weiter findet sich das Städtchen Caunes-Minervois.

Zur Historie

Obwohl bereits in gallorömischer Zeit besiedelt, entstand Rieux-Minervois erst um das Jahr 1000, als hier ein castrum, der Vorläufer der heutigen Burg, erbaut wurde. Im 12. Jh. gehörte das ganze Gebiet den Grafen von Minerve, die ihre Besitztümer jedoch während der Albigenserkreuzzüge (s. meine Historischen Romane „Alix“ und „Sancha“) verloren, weil sie auf Seiten der Katharer standen.
Simon de Montfort, der militärische Anführer des Albigenserkreuzzuges, ließ im Hauptort Minerve, im Juni 1210, den ersten Scheiterhaufen errichten. 180 Parfaits brannten in der Cesse-Schlucht. Ein weiterer Grund für den Hass gerade auf Minerve lag aber auch, so lächerlich es klingt, an der herausragenden Qualität der dort angebauten Weine. Sie waren vor allem dem Bischof von Narbonne (geistlicher Anführer des Kreuzzugs) ein Dorn im Auge.
Das Minervois gilt als eines der ältesten Weinbaugebiete Frankreichs.

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Die Baugeschichte der Kirche Saint-Marie

liegt weitgehend im Dunkeln. Zwar existiert eine Urkunde aus dem Jahr 1079, doch passt dieses Datum nicht zum vorhandenen Gebäude, das in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert wird – in die Zeit der „Großen Ketzerei“ – wie man die Häresie der Katharer nannte. Es war aber auch die Zeit, als die Marienverehrung auf ihren Höhepunkt zusteuerte.

 

Hatten die Tempelritter ihre Hände im Spiel?

Man weiß bis heute nicht, wer die außergewöhnliche Heptagon-Kirche von Rieux-Minervois einst in Auftrag gab. Bei oktogonalen oder runden Kirchenbauten (Vorbild die Grabeskirche in Jerusalem) denkt man oft an den Orden der Tempelritter. Es existieren in diesem Fall jedoch keine entsprechenden schriftlichen Dokumente. Noch immer ist alles offen …

Die besondere Architektur

Das Heptagon (Siebeneck) im Innern der Kirche wird umgrenzt von vier mächtigen gemauerten Pfeilern und drei Säulen, die einander abwechseln, wobei zwei Pfeiler unmittelbar nebeneinander stehen. Der Innenraum schließt nach oben ab mit einer erhöhten Kuppel, die sich allmählich aus dem – nicht ganz exakt gemauerten – Siebeneck entwickelt. Der Umgang hat ein rundum verlaufendes Gewölbe, das die seitlichen Schubkräfte der zentralen Kuppelkonstruktion abfängt.
Der Grundriss eines solchen Gebäudes –  außen 14-seitig, innen 7-seitig – sei, so heißt es, recht schwierig zu berechnen. Einfacher wären ein Oktogon (z.B. Aachener Dom) oder ein Sechzehneck (Tomar). Bei der runden Temple Church in London, die, wie Tomar, tatsächlich von den Templern in Auftrag gegeben wurde, endet der Rundbau des Erdgeschosses im Inneren z.B. in einem sechseckigen Obergeschoss.

Eine weitere Besonderheit in Rieux-Minervois besteht darin, dass das Gebäude ursprünglich im Äußeren wie im Inneren quasi „richtungslos“ war, auch keine geostete Apsis besaß, so dass man meinen möchte, der Bauherr spielte hier mit dem Thema der „Unendlichkeit“.

 

 

Was steckt denn nun hinter der eigenartigen Siebenzahl?

Mit Zahlen hat man früher nicht nur gerechnet, man maß ihnen auch eine symbolische Bedeutung zu. Die Kirche von Rieux-Minervois liegt zudem auf dem Jakobsweg – und ist zugleich eine Marienkirche. Handelt es sich hier vielleicht um einen alten Initiationsort der Baumeister – wie in der Kirche Santa Maria de Eunate, die ebenfalls auf dem Jakobsweg liegt, jedoch einen achteckigen Grundriss aufweist?
Diese These gefällt mir, zumal der Umgang (Wandelgang) im Inneren darauf hinweist, dass man ihn früher entweder kontemplativ durchschritt oder ihn sogar tanzend durchmaß. 

Wir könnten es hier aber auch mit den „Sieben Säulen der Weisheit“ zu tun haben, deren Verkörperung die Jungfrau Maria ist: Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen! (Spr. Salomo 9,1).

Fest steht:
Weisheit zu erlangen ist wohl genauso schwer wie das Errichten eines solchen Gebäudes!

Die Siebenzahl spielt aber nicht zuletzt auch eine Rolle in der Apokalypse des Johannes.

 

 

Der rote Marmor aus dem Minervois

Das Minervois (hier besonders Caunes-Minervois) ist berühmt für seinen „roten Marmor“, der jedoch unterschiedliche Färbungen aufweist: blassrosa, braunrosa und blutrot. Dieser Marmor wurde z.B. auch am Hof des Sonnenkönigs (Ludwig XIV) für die Ausschmückung von Versailles verwendet und man findet ihn noch heute in vielen sakralen Bauten in Südfrankreich. Bis zum 19. Jh. stellte der Abbau, die Bearbeitung und der Verkauf von Marmor für das Minervois-Gebiet einen wichtigen Wirtschaftszweig dar.

Aber nun zu einigen Werken des Meisters von Cabestany

Dem Meister selbst zugeschrieben wird die „Maria in der Mandorla“ von Rieux-Minervois, wie sie, von Engeln begleitet, mit geschlossenen Augen himmelwärts fährt. Eine ähnliche Mandorlen-Abbildung findet sich auch auf dem berühmten Tympanon in der Pfarrkirche in Cabestany. Mit Mandorla (ital. für „Mandel“) wird eine Glorie oder Aura rund um eine ganze Figur bezeichnet. Mandorlen sind einzig Christus und Maria vorbehalten.

Näheres zum rätselhaften Meister von Cabestany und seiner Werkstatt: hier klicken!

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

Zwei Tipps am Rande (später mehr)!

Falls es Sie einmal ins Minervois verschlägt, kosten Sie nicht nur den exzellenten Wein, der dort angebaut wird, machen Sie sich auch auf die Suche nach dem „Dolmen des Fados“.
(Ein kleiner Hinweis: Sollten Sie ihn nicht sofort entdecken, achten Sie bitte auf das ohrenbetäubende „Geschrei“ der Zikaden, die sich im Gelände rings um den Dolmen befinden! )

Eine weitere interessante Entdeckung!

Die Allée couverte von Saint-Eugène (auch die Allée Couverte von Laure Minervois genannt) ist die drittgrößte Megalithanlage in Südfrankreich. Sie stammt aus der Zeit des Übergangs von der Kupfer- zur Bronzezeit und wurde um 1920 ausgegraben. Sie liegt in der Gemeinde Laure-Minervois in einem Hain aus Aleppo-Kiefern.

Aus dem Wiki-Netz: Innerhalb eines 1992 restaurierten niedrigen Cairns von 25 m Durchmesser, der aus Platten und Trockenmauerwerk besteht, liegt die über 14 Meter lange, in drei Abschnitte unterteilte Kammer des Galeriegrabes. Der Zugang ist weniger als zwei Meter breit, während die durch zwei seitlich aufgestellte Platten zweigeteilte Kammer zwischen drei und vier Metern breit ist. Die Kammer besteht aus 8, vollständig die Höhe erreichende und einigen niedrigeren Platten. Die plattenlosen Bereiche, besonders auf der Westseite, sind aus Zwischenmauerwerk. Die Decksteine sind nicht erhalten und auch der Zugang ist weitgehend zerstört. Der restaurierte Tumulus besteht aus Bruchsteinen. Dieses Galeriegrab ist seit 1931 als Monument historique klassifiziert.

Viel Vergnügen – und Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel