Serres (Aude): Es ist schon ein Kreuz mit dem doppelten Kreuz …

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Serres ist eine kleine südfranzösische Gemeinde im Département Aude, in der Region Okzitanien.

Der nur 70 Einwohner zählende Ort liegt am Flüsschen Rialsesse, das nach nur einem Kilometer in die Sals mündet, die ihrerseits in Couiza in die Aude fließt.

Nur vier Kilometer östlich liegt der prachtvolle Wohnbergfried von Arques, über den ich bereits geschrieben habe.

Geweiht dem „Heiligen Petrus in Ketten“

Die eher unscheinbare kleine Kirche von Serres, die „dem Heiligen Petrus in Ketten“ geweiht ist, ist vermutlich romanischen Ursprungs (11./12. Jh.)
Sie beherbergt Kreuze, faszinierende Wandmalereien und zwei Figuren, die Rätsel aufwerfen. LiebhaberInnen von Geheimnissen, vor allem von solchen, die einfach nicht entschlüsselt werden wollen, kommen hier voll auf ihre Kosten! 🙂

Das Kreuz mit den zwei Kreuzen – bis heute ungelöst!

In dieser Kirche, mittig über dem Altarbogen, kann man zwei zusammenhängende Kreuze entdecken, die durch ihre Querarme miteinander verbunden sind. Den Grund für diese Darstellung kennt niemand. Rätselhaft auch die in einer Art Kartusche stehende Inschrift „INRI“ (das Akronym des lateinischen Satzes „Jesus Nazarenus Rex Iudaeorum“) – rätselhaft deswegen, weil auch das zweite Kreuz (s. Foto oben rechts) eine solche Kartusche aufweist, jedoch ohne eine Inschrift.

Eine Verschwörungstheorie der Tempelritter?

Die zwei miteinander verbundenen Kreuze (aus rotem Ocker auf weißem Kalkgrund) sollen mit den Tempelrittern zu tun haben, sagt man – oder aber nach einem besonderen Vorkommnis angebracht worden sein. (Dabei könnte es sich um eine Epidemie im Ort gehandelt haben, vielleicht die Pest.) Das allein erklärt aber nicht die sonderbare Darstellung. Um eine Kreuzigungsszene (mit drei Kreuzen und Jesus in der Mitte) kann es sich nicht handeln. Ein drittes Kreuz würde das Ensemble nach links abkippen lassen. Doch was stellt dieses doppelte Kreuz (Jesus + ?) dann dar? Soll es ein Hinweis auf die immer mal wieder auftauchende Theorie sein, nach der – statt Jesus – ein Doppelgänger am Kreuz hing? Eine Verschwörungstheorie der Tempelritter? Nun, abwegige Jesus-Interpreationen gab es schon immer, doch dass es sich bei dieser kleinen Kirche tatsächlich um eine ehemalige Templer-Kapelle handelt, ist bislang nicht gesichert. Die Bauweise spricht allerdings dafür – und auch ein Tatzenkreuz, das sich an der Außenseite der Kirche befindet. (s. Foto oben rechts)
Eine weitere Theorie: Aus den sogenannten Pilatusakten des Nikodemusevangeliums kennen wir die Namen der beiden „Schächer“ am Kreuz, also rechts und links von Jesus: Kosmas, der Jesus am Kreuz verhöhnte (links), und Dismas, der Reue zeigte, worauf ihm Jesus das Paradies versprach (rechts). Um letzteren hat sich ein Kult entwickelt: Sowohl in der katholischen Kirche (25. März) als auch in der orthodoxen Kirche (23. März) ist Dismas ein Gedenktag gewidmet. Handelt es sich also beim zweiten Kreuz (mit der leeren Kartusche) um das des Dismas‘, rechts von Jesus?
Auch eine Überlegung wert: Vielleicht hat man in grauer Zeit den Namen in der zweiten Kartusche nicht mehr entziffern können, worauf ein verzweifelter Restaurator ihn schlicht unter den Tisch fallen ließ.
Alles ist möglich in Serres, nichts ist sicher!
(Übrigens: Der Name Dismas ist möglicherweise eine Ableitung vom Altgriechischen ἡ δυσμή „Untergang, Sonnenuntergang“, im übertragenen Sinn „Lebensende“, Quelle Wiki.)

Serres und die alten Fresken

Bei den hier dargestellten Figuren soll es sich u.a. um zwei männliche Personen handeln, die heilige Bücher in den Händen halten, bzw. einen Bischofsstab. (Einen solchen, jedoch ohne Kreuz, trug der Legende nach bereits Petrus.) Eine Frau (mit Palme?) soll eine Märtyrerin sein. Ich selbst erkenne eine Schale in der Hand einer Frau.

Nachfolgend eine kleine Foto-Galerie aus dem Kircheninneren, anklicken zum Vergrößern ist möglich:

Serres: Es ist aber auch ein Kreuz mit diesen beiden Figuren!


Die beiden unbekannten Heiligen von Serres,
rechts und links vom Altar geben ein weiteres Rätsel auf.
Wer auf diese Weise die Arme verschränkt, wie es weibliche Figur macht, gibt erst einmal nichts von sich preis. Schon gar keine Geheimnisse. Auch keine Namen. Nichts.
Bei der männlichen Figur könnte es sich um den Namensgeber der Kirche von Serres handeln, den Heiligen Petrus. Die überkreuzten Hände (sind ihm vielleicht soeben die Ketten abgefallen?) und der sehnsüchtige Blick nach oben, sprechen eine deutliche Sprache. Mit Petrus lässt sich eventuell auch das Rätsel um die Frau klären: Sie könnte den Engel darstellen, der Petrus gerade aus dem Jerusalemer Gefängnis befreit hat.
Doch was, wenn jener Engel (ohne Flügel) gar kein Engel war, sondern die Angetraute des Petrus? Seine Frau? Hat vielleicht sie ihn aus dem Gefängnis befreit? War sie sein Engel in der Not? Dass Simon Petrus, der Fischer vom See Genezareth, verheiratet war, ist bekannt. Er lebte zumindest zeitweise im Haus seiner Schwiegermutter. Über seine Frau schweigt sich die Bibel jedoch aus. Kein Name. Nichts. Nur, dass sie einmal mit Petrus auf Reisen ging.
Liegt hier das Geheimnis dieser kleinen Kirche? Dass Petrus auf seiner Reise und mit seiner Frau einen Abstecher nach Serres machte? 🙂

Alles sehr merkwürdig hier. Und doppeldeutig: Sowohl die beiden Kreuze – als auch die Figuren mit ihren überkreuzten Armen und Händen. Und nicht zuletzt die zwei Zwillings-Puttenköpfe am Altaraufsatz! (Foto oben!)
Nur eines ist wohl gesichert: Die weißen Figuren waren früher polychrome, also bunt bemalt, bis man sie irgendwann „überkalkt“ hat. Schade eigentlich …

Blick auf den nicht minder geheimnisvollen Berg Bugarach, Foto HLK 2017
Blick auf den nicht minder geheimnisvollen Berg Bugarach (Aude-Gebiet)

Und zum Schluss:
Allons-y! Goldsucher vor Ort aufgepasst!
(natürlich ohne Gewähr! 🙂 )

Drei kleine Anregung zum Weiterforschen für die interessierte Fan-Gemeinde:
Es existiert ein Auszug aus dem Dictionnaire Topographique du Département de l’Aude, der darauf hinweist, dass sich im Vatikan ein besonderes Dokument über Serres befinden soll. Es stammt aus dem Jahr 1347 und trägt den (geheimnisvollen?) Titel „Propositus de Serris“. (Studie zur Erforschung von Serres.)
( Alle Wege führen also nach Rom! 🙂 )

Ein Auszug aus dem SESA-Newsletter, Jahrgang 37 – 1933 besagt, dass „Der Sieur de Serres (bei Arques), Yves de Michel, dem Herzog Gaston d’Orleans eine Vorführung erweist hätte, und zwar über die reichen und reichlich vorhandenen Goldminen, die er zum Wohle des Königs genutzt hätte.

Last but not least existiert wohl auch ein Brief vom 23.5.1472 von König Louis XI. von Frankreich über das „Gold von Serres“.
Allons-y – und viel Glück! Aber nicht vergessen: Der Weg ist das Ziel! 🙂

Danke für Ihr Interesse!

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