Ein Totenkirchlein in der Einsamkeit der Felder: Saint-Just de Valcabrère

Nur einen Katzensprung von Saint-Bertrand-de-Comminges entfernt und ebenfalls auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela liegend, befindet sich abseits des gleichnamigen Dorfes und umrahmt von düsteren Zypressen das frühromanische Totenkirchlein Saint-Just de Valcabrère (heute Basilika).
Es wurde im 11. und 12. Jahrhundert auf dem Bauplatz des ehemaligen römischen Friedhofs errichtet. Hier ließen sich einst die Römer aus Lugdunum Convenarium (Saint-Bertrand de Comminges) bestatten – und es spricht einiges dafür, dass auch Herodes Antipas und seine Frau Herodia hier ihre letzte Ruhe fanden. Selbst der uneheliche Sohn des Frankenkönigs Clothar I., Gundowald, aus dem Geschlecht der Merowinger, soll hier begraben sein.

Saint-Just de Valcabrère liegt wie das benachbarte Saint-Bertrand auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela und gehört dem UNESCO-Welterbe auf dem Jakobsweg an. Das Gebäude ist – wie man überall entdecken kann – aus alten Marmorblöcken und Bruchstücken von antiken Sarkophagen errichtet worden. (Hinterlassenschaften der damaligen Römerbauten und Gräber.)

Die nachfolgenden Bilder zeigen das Tympanon über dem Nordportal, sowie vier große Standfiguren von außergewöhnlicher Würde, im römischen Stil dargestellt – darunter die gekrönte Kaiserin Helena, die der Legende nach das “Wahre Kreuz Christi” wiederfand.

Die Verehrung der Heiligen Helena (Mutter Konstantins des Großen) hier in Saint-Just hängt mit einer Reliquie des “Wahren Kreuzes” zusammen, die sich hier befinden soll.

Die Darstellung auf dem Kapitell oberhalb der Krone der Kaiserin stellt ihre Pilgerfahrt ins Heilige Land dar (im Jahr 326). Helena – damals bereits 75 Jahre alt – sitzt in einer Sänfte (Tragestuhl). Ein Pferd ist zu sehen. Gepäck ist aufgetürmt. Ein Sänftenträger und eine Begleiterin haben sich den im Mittelalter obligatorischen Brotbeutel der Pilger umgehängt. Ein kleiner Engel oben in den Wolken bewacht den Zug nach Palästina. Der Fries trägt Akantusblätter.

Die Kapitelle oberhalb der Heiligen Just, Pasteur und Stephanus weisen hingegen auf ihr jeweiliges Märtyrium hin.

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DAS KIRCHENINNERE

Das Mittelschiff wird von zwei schmalen Seitenschiffen begleitet, deren Absiden hufeisenförmig ausgebuchtet sind. Der Hauptchor ist halbrund. In dem Gebäude sind – zum Teil in tragender Funktion, zum Teil als Dekorationselemente – römische Spolien verbaut. Auch Grabplatten alter römischer Sarkophage wurden verwendet, deren Inschriften teilweise gut lesbar an den Innenwänden der Kirche zu erkennen sind. Weiter wurden hier Teile einer nahe gelegenen römischen Villa des 4. Jahrhunderts verbaut.

Der kindliche Namensgeber Saint Just, sein kleiner Bruder – und ein geheimnisvoller Fund

Die Basilika, ost-westlich ausgerichtet, verdankt ihren Namen dem Märtyrer Saint Just. Bei seinem schmucklosen Sarkophag unter einem gotischen Ziborium – einem auf Säulen ruhenden Aufbau über einem Altar – handelt es sich jedoch um ein sog. Kenotaph, um ein Scheingrab, d.h. der Sarg ist leer.
Im Jahr 1885 hat man jedoch in einem ausgehöhlten Kapitell im Mauerwerk des Altars geheimnisvolle Dinge entdeckt: Ein wichtiges Pergament, das den Tag der Einweihung der Kirche dokumentiert, eine Graburne aus irisierendem Glas, Stofffetzen, die mit Blut getränkt schienen, einen Wirbel und einen weiteren Knochen in perfektem Zustand, sowie eine kleine versiegelte Ampulle mit unklarem Inhalt – und das Fragment eines goldenen Tuches. Diese Reliquien/Gegenstände werden Just und Pasteur zugeschrieben. Heute weiß man, dass sie als Kinder starben, dreizehn und sieben Jahre alt. Sie lebten in Alcala de Henares, in Spanien, und hatten es gewagt, dem Statthalter von Kaiser Diokletian zu trotzen, der öffentlich Christen verhörte und anklagte.
Auf dem Ziborium sind die hingerichteten Brüder bildlich dargestellt. Auf dem schlichten Altartisch das wertvolle Pergament sowie eine Tafel mit dem Sch’ma Jisrael, den Geboten und Historischen Hinweisen.

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“Sämtliche Mythen der Vergangenheit scheinen mit Saint-Just de Valcabrère ein Bündnis eingegangen zu sein …”

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Friedhof und Klostergarten – Nach archäologischem Befund befand sich südlich der Kirche ein Kreuzgang. Seine Fundamente wurden nach der Ausgrabung markiert.

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Magische Orte in der Umgebung

Saint-Bertrand-de-Comminges – das römische Lugdunum Convenarum
Romanhinweis: Blut.Rote.Rosen (Romanschauplätze Saint-Bertrand und Saint-Just de Valcabrère)

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Lugdunum Convenarum: Das Höhendorf Saint-Bertrand-de-Comminges

Das Höhendorf Saint-Bertrand-de-Comminges (ungefähr 240 Einwohner) liegt in Südwestfrankreich, im Département Haute-Garonne der Region Okzitanien (60 km von Toulouse entfernt) – und zugleich am Jakobsweg. Gegründet vom römischen Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus blickt dieser malerische und meist stille Ort auf eine reiche und hochinteressante Geschichte zurück.

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Zur Geschichte des Ortes

Im Jahr 72 vor Christus gründete der römische Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus (106-48) inmitten der herrlichen Landschaft der Vor-Pyrenäen eine römische Siedlung, genannt Lugdunum Convenarum. (Siedlung des Gottes Lugh der Konvener*) Der Plan der Römer war, das Val d´Aran (das Aran-Tal) über eine Straße in den Nordwesten Spaniens zu führen, um die Iberische Halbinsel zu schützen. Lugdunum Convenarum soll in seiner Blütezeit 10 000 Menschen, mit Umland 30 000 – 60 000 Menschen beherbergt haben.
Ganz oben auf dem Hügel – wo heute die Kathedrale Notre Dame steht – befand sich der Tempel, der dem ersten römischen Kaiser Augustus geweiht war.
Der Archäologe Prof. Simon Esmonde Cleary hat Ausgrabungen in Saint-Bertrand-de-Comminges durchgeführt und dabei Reste des Fundaments entdeckt: Der Tempel bestand aus einer Cella (Raum der Gottheit), vor dem sich ein breiter Portalvorbau mit sechs Fassadensäulen befand. Bis ins 4. Jh hinein wurde hier der offiziellen römischen Religion gehuldigt. Danach ging es mit dem Ort rapide bergab:
Im Jahr 408 n. Chr. plünderten die Vandalen Lugdunum Convenarum.

Im März 585 wurde die alte römische Stadt Opfer einer merowingischen Erbfolgekrise – in der Gundowald (angeblich natürlicher Sohn Chlodwigs des Frankenkönigs) dem Ansturm der Burgunden unter König Guntram I. erlag. Die Bewohner wurden massakriert und die Stadt war für mehrere Jahrhunderte verwüstet.
Erst im Jahr 1083 erwachte der Ort wieder zum Leben, als der hochgebildete und zugleich ritterliche Bertrand de I´IsleJourdain* (seit 1073 geistlicher Hirte des Comminges) hier einen neuen Bischofssitz etablierte, die Oberstadt wieder aufbauen und eine 35 m lange romanische Kathedrale errichten ließ. Er brachte den unterdrückten Bauern im Aran-Tal Hilfe und bot zugleich dem erpresserischen Kleinadel die Stirn. Bertrands Maxime war, dass jedem, wer er auch sei, sein Recht gebühre. Er starb im Jahr 1123. Als er 1222 heiliggesprochen wurde, nahm die Stadt ihm zu Ehren den Namen Saint-Bertrand de Comminges an und wurde fortan zu einem wichtigen Wallfahrtsort, zu dem die Pilger in langen Schlangen den Berg hinaufstiegen.

  • Durch seine Mutter war Bertrand ein Enkel von Wilhelm III., Graf von Toulouse, und Vetter von Wilhelm IV. und Raimond IV. von Saint-Gilles.

Lugh „der Leuchtende“ oder „der Krieger“, eine Gottheit aus dem mythologischen Zyklus der Kelten. Städtenamen wie “Lugdunum” beziehen sich jedoch immer auf den Namen Lugos: Krieger. Die Gallier bezeichneten auch den als Orakel geltenden Raben als Lugos.

Relief eines dreigesichtigen Lugh (Foto aus dem Netz)

Das Forum von Lugdunum Convenarum war einer der größten des römischen Abendlandes!
Der Grund für die seinerzeitige Militärpräsenz (500 Soldaten) ist bis heute unbekannt.

Ein Blick auf die Ausgrabungen unterhalb des Hügels – die ehemaligen Römerthermen (Badeanlagen) des Forums. Das Forum war – der griechischen Agora entsprechend – der wichtigste Platz in einer römischen Stadt. (Foren waren mehr als “Marktplätze” im üblichen Sinn. Sie wurden auch für politische Kundgebungen und juristische Prozesse benutzt, die damals stets in der Öffentlichkeit stattfanden.)

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Lugdunum Convenarum – Verbannungsort des Herodes Antipas

Lugdunum Convenarum war, nach dem jüdisch-hellenistischen Historiker Flavius Josephus, der Verbannungsort des Herodes Antipas, Tetrarch in Galiläa.
(* um 20 v. Chr. in Judäa, † um 39 n. Chr. in Lugdunum Cenvenarum, Südgallien)

Zur Geschichte: Im Jahr 39 n. Chr. machte sich Herodes Antipas auf Betreiben seiner Frau Herodias* auf den Weg nach Rom, um von Caligula den Königstitel zu erhalten. Doch er hatte sich zu früh gefreut. Aufgrund von schweren Anklagen, die sein Neffe und Schwager Herodes Agrippa I. gegen ihn vorgebracht hatte, wurde er nach Südgallien in die Verbannung geschickt: Nach Lugdunum Convenarum, heute Saint-Bertrand-de-Comminges. Seine Frau Herodias – eine Tochter des jüdischen Prinzen Aristobulos – folgte ihm ins Exil, wo er auch starb; das genaue Todesdatum ist unbekannt. Im Anschluss an seinen Tod wurde sein Reich mit dem Gebiet des Herodes Agrippa vereinigt.

  • Bei einem Fest soll Herodes Antipas, entzückt über einen Schleiertanz seiner Stieftochter Salome, ihr einen Wunsch freigegeben haben. Nach der Bibel hat die Tochter der Herodias, angestachelt durch ihre Mutter, die Enthauptung Johannes des Täufers erbeten.

Die Kathedrale Notre Dame de Comminges

Trutzburgähnlich erhebt sich die Kathedrale Notre Dame mit ihrem markanten, stets von Dohlen umschwärmten Karreeturm über die Dächer der darunter liegenden Häuser.
Ein weiterer Bertrand, nämlich Bischof Bertrand de Goth – der spätere Papst Clemens V. (erster Papst in Avignon) – ließ Ende des 13. Jahrhunderts die Kathedrale erstmals vergrößern und zwar vom vierten Joch an im gotischen Stil. Umfangreiche Arbeiten, die erst von seinen Nachfolgern im Jahr 1352 beendet wurden.
Das Kirchenschiff wurde dann zu Beginn des 16. Jahrhundert ein weiteres Mal ausgebaut.

Das Portal mit der geheimnisvollen Inschrift: “Far, Miron et Aspron …”


Das Tympanon mit den Heiligen Drei Königen aus dem Morgenland, der Jungfrau Maria mit Kind und, rechts, dem Segen spendenden Bischof, stammt – wie auch der Turm – aus dem 11. Jahrhundert. Eine geheimnisvolle Inschrift lädt heute zum Schmunzeln ein. Es geht darin um die “wahren” Geschenke der Heiligen Drei Könige, nämlich FAR, MIRON und ASPRON!

Übersetzt: Weißes Mehl, Myrrhe und byzantinische Schlüsselmünzen aus dem 11. Jahrhundert! – also eine Art rückgreifender Anachronismus! 🙂
In den Arkadenbögen unterhalb stehen wie aufgereiht die Zwölf Apostel.

Die Kathedrale von Saint-Bertrand war eines der ersten Gebäude, die im Jahr 1840 von Prosper Mérimée* unter Denkmalschutz gestellt wurde. Seit 1998 gehören sie und die benachbarte kleine Kirche Saint-Just de Valcabrère zum UNESCO-Welterbe auf dem Jakobsweg.

  • Prosper Mérimée (Schriftsteller) wurde im Jahr 1831 zum Inspekteur der historischen Denkmäler Frankreichs ernannt, zur gleichen Zeit unternahm er ausgedehnte Reisen in französische Provinzen sowie nach Korsika, Italien, Spanien und Griechenland.

Der Kreuzgang – eine Symbiose aus Natur und Stein

Der romanische, unregelmäßig angelegte Kreuzgang bietet auf seiner Südseite einen herrlichen Ausblick auf die bewaldeten Berge. Auf den alten Kapitellen wimmelt es nur so von Darstellungen: Man entdeckt Adam und Eva (mit ihren streitbaren Söhnen Kain und Abel), Flechtwerke, Blüten, Ranken, Fabelwesen oder eine Eule mit ihrer Beute, ein Hahnenkampf und vieles andere mehr.
Einzigartig ist der sog. “Evangelistenpfeiler” – offenbar einer antiken Säulenstatue nachempfunden.

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Das Kircheninnere mit dem in Holz geschnitzten Lettner, dem Altar, der Orgel – und 66 phantasievoll geschnitzten Chorstühlen

Kurt Tucholsky, der auf dem Esel die Pyrenäen bereiste und Saint-Bertrand-de-Comminges besucht hat, schrieb über die Kathedrale später folgendes:

“Es ist eine alte Kirche mit einem verwitterten Portal. Innen steht ein Chor mit Holzstühlen und einer rechteckig herumlaufenden Holzwand. Es ist unfaßbar, was sie da gemacht haben. Es wimmelt von Figuren, Emblemen, Wappen, Köpfen, Körpern, Blumen und Gruppen. Keine Verzierung wiederholt sich auch nur einmal, alles ist bis ins letzte durchgearbeitet. … Es gibt da wilde Anhäufungen: indische Reminiszenzen; zwei Mönche, die sich um einen Bischofsstab streiten, sie haben Affenzüge und zerren am Stock, als ob sie sich damit sägen wollten, hervorragend unanständige Details; Apostel. Klappt man die Sitze hoch, so zeigt sich ein kleiner Untersitz, der aus einem Kopf besteht, und jeder Sitz hat seinen besonderen – es ist ganz erstaunlich. Adam und Eva sind zu sehen: man möchte die Konturen der Körper nachfühlen, so laufen die Linien. Ein Holzwunder, den Altar haben sie farbig zugerichtet; es soll zwanzigtausend Francs kosten, die Kolorierung und Vergoldung wieder abzukratzen….”

Ein Satz noch zu den “hervorragend unanständigen Details” (Tucholsky): 🙂
Es war angeblich dem ununterbrochenen Pilgerstrom geschuldet, dass im 16. Jahrhundert der damalige Bischof von Comminges, Jean de Mauléon, diesen prachtvollen Holz-Chor errichten ließ, der die Kanoniker streng vom Pilgervolk trennte. Man blieb wohl lieber unter sich! 🙂

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Der Altar du Saint-Sacrament – die Gegenstände des Allerheiligsten:
Schaubrote, Bundeslade, Menora, Opferaltar …
Dieses Kunstwerk wurde im Jahr 1621 durch Bischof Gilles de Souvre (Ritter des Ordens du Saint-Esprit) in Auftrag gegeben.

Cagotentür, Grüne Männer (Blattmasken) und ein stattliches Krokodil

Es waren tatsächlich echte Krokodile, die Kreuzzügler von ihren Reisen mitbrachten und sie als Votivgabe in den Kirchen aufhängen ließen, z.B. als Dank für die gesunde Heimkehr oder eine Errettung aus großer Not. Der Volksmund in Comminges hat sich seine Krokodil-Geschichte jedoch selbst gebastelt: Der Legende nach lebte in einem benachbarten Tal ein Monster*, das den Schrei von Kindern nachahmte, um diese anzulocken und zu verschlingen. Der Heilige Bertrand jedoch soll es mit seinem Bischofsstab niedergerungen haben. Es sei ihm noch bis in die Kathedrale gefolgt, dort jedoch verstorben.

  • Eine Geschichte, die an die Legende von der Zähmung der Tarasque durch die Heilige Martha erinnert.

Anmerkungen und weiterführende Links zum Anklicken:
In der
Eremitage/Collioure sind gleich zwei dieser Krokodile zu finden.
Näheres zum Thema Cagoten: s. mein Roman “Talmi”
Näheres zum
“Grünen Mann” s. mein Artikel hierzu.

Abschließend noch ein weiterer kleiner Bummel durch die malerischen Gassen von Saint-Betrand-de-Comminges …

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Übrigens: Saint-Bertrand-de-Comminges ist einer der Romanschauplätze in meinem Thriller “Blut.Rote.Rosen”.

Magische Orte in der Umgebung und Veranstaltungen

  • Auf dem Vorplatz der Kathedrale beherbergt das ehemalige Olivetan-Kloster ein Archäologiemuseum und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.
  • Das 1975 gegründete Festival von Comminges rund um die Orgel der Kathedrale ist zu einem unumgänglichen Ereignis in der Region Midi-Pyrénées geworden. Jedes Jahr im August und September finden rund 20 Konzerte statt, die der geistlichen Musik (Orgel, Klavier, Kammermusik) gewidmet sind. Führende Komponisten und junge Musiker kommen zusammen, um an einem symbolträchtigen Ort Originalkompositionen zu erarbeiten und die Kultur in einer ländlichen Region lebendig zu halten.
  • Saint-Just de Valcabrère – ein sehenswertes Totenkirchlein ganz in der Nähe.

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Taulis, Belpuig und SOPHIA, die Weisheit …

Ein Pyrenäenerlebnis der besonderen Art

Am 17. September 2013 machte ich mich von Prades aus auf den Weg nach Marcevol, um dort für meinen Thriller “Salamandra” zu recherchieren und einige Aufnahmen zu machen. Danach ging es weiter bergauf, Kehre um Kehre – bis nach Taulis, einen nur 50 Einwohner zählenden, verschlafenen Ort, der mit der Jakobsmuschel wirbt. Doch leider war die Kirche, die ich mir hatte ansehen wollen, verschlossen. Auf der Weiterfahrt in Richtung Prunet et Belpuig kam es dann zu einer “Pyrenäen-Begegnung der unheimlichen Art”, die übel hätte ausgehen können. Ich zockelte bergauf und hielt sofort rechts an, als sich eine Bergziegen-Familie anschickte, die schmale Straße zu überqueren. Plötzlich kam ein irrer Lastkraftwagenfahrer von oben mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve gebrettert. Direkt auf die Tiere zu. Ich rechnete schon mit dem Schlimmsten, doch das riskante Ausweichmanöver, das der Fahrer vollzog, gelang. Die armen Ziegen hingegen waren nach diesem Beinahe-Unfall unübersehbar fertig mit der Welt! Die Vorhut, die sich mit einem mutigen Satz in Sicherheit gebracht hatte, kauerte keuchend in den Felskuhlen auf der anderen Straßenseite, während die Nachzügler mitten auf der Straße liegenblieben, ebenfalls laut schnauften und sich nicht mehr vom Fleck bewegten. (Vielleicht dankten sie ja in diesem Moment dem “Hörnergott Cernunnos” für ihre Rettung, wer weiß! 🙂 )
Der Laster war längst in Richtung Tal verschwunden, ich stand und wartete. Aber ich hatte es nicht eilig. (Habe ich auf Reisen eigentlich nie.) Ich befürchtete nur, dass sich ein weiterer Irrer von oben auf den Weg ins Tal machen könnte. Aber alles blieb ruhig. Es dauerte seine Zeit (eine gute halbe Stunde) bis sich die Tiere vom Stress erholt hatten. Dass sich schließlich die Leitziege bei mir für meine Geduld bedankte, indem sie sich – in Fotopose! – direkt vor meinen Wagen stellte, bevor sie mit ihrer Entourage davonjagte, entschädigte mich für den Schrecken, den dieser unverantwortliche Fahrer uns eingejagt hatte.

Prunet et Belpuig – ein Besuch bei der “Heiligen Geistin”

Prunet-et-Belpuig ist eine ähnlich kleine Gemeinde wie Marcevol und Taulis. Alle drei Orte liegen in Südfrankreich, im Département Pyrénées-Orientales, in der Region Okzitanien. Belpuig gehört zum Arrondissement Prades und zum Kanton Le Canigou. Mein Ziel war die romanische Kapelle de la Trínité, von der ich gelesen hatte und deren Ursprung in der Mitte des 10. Jahrhunderts liegt.

Die Dreieinigkeit von Prunet et Belpuig: Vater, Sohn und “Heilige Geistin”



“Sophia, die Göttin der Weisheit und des Anfangs”, so heißt es, soll bereits vor der Schöpfung existiert haben und zwar “in der Finsternis des Chaos, das schwarz ist”. 
So erklärt es ein christliches Traktat aus dem 3. Jahrhundert mit dem Titel “Vom Ursprung der Welt”.
Sophia galt somit den Urchristen als die Repräsentation des Heiligen Geistes, der “auf dem Wasser schwebte” und “Licht in die Welt” brachte, als es “finster auf der Tiefe” war (Genesis, 1,1).

(Auch in Deutschland lässt sich eine “Heilige Geistin” finden, nämlich in Urschalling (Chiemsee). Sie wurde im Jahr 1923 entdeckt. Die Zeitschrift “efi” schrieb 2007 darüber: “Es ist eine Einladung zur Meditation über das weibliche Göttliche, Assoziationen zur göttlichen Weisheit – Sophia – liegen nahe.”)

Die Romanische Madonna von Belpuig mit buddhistischer Fingerhaltung

Die Romanische Madonna von Belpuig trägt Rot, ein Zeichen des Alters der Figurine vermutlich aus dem 11./ 12. Jh., als es sich noch nicht durchgesetzt hatte, Maria im blauen Gewand als göttliche Himmelsmutter darzustellen.
Romanische Madonnen haben oft übergroße und mitunter weißbemalte Schutzhände, s. mein Artikel über Le Puy. Diese Hände werden “Hände des Lichts” genannt.
Die Romanische Madonna von Belpuig hingegen (rechts im Bild) tanzt diesbezüglich aus der Reihe:
Ihre merkwürdige Fingerhaltung – ein aufmerksamer Leser hat mich verständigt –  entspricht wohl dem Hongsasya-Mudra der Buddhisten –was nicht so abwegig ist, wie es sich anhört: Der Ursprung des Glaubens der christlichen Katharer (11.-13. Jh.) geht nachweislich auf den persischen Propheten Mani zurück, der im 3. Jh. n. Chr. das Denken von Zoroaster, Buddha und Jesus zusammengefasst hat.



Im Jahr 2015 entdeckte ich eine weitere Madonna mit einer ähnlichen Finger- oder Handhaltung (Daumen berührt Zeigefinger) und zwar in Ainsa, einer sympathischen nordspanischen Kleinstadt in der Provinz Huesca/Aragón, umgeben von herrlichen Felsformationen: Der alte Ortskern mit seinem Hauptplatz (Plaza Mayor) wurde als Kulturgut eingestuft. Die Romanische Madonna steht in der 1183 geweihten ehemaligen Kollegiatskirche Santa Maria.

Foto links – die Mudra-Geste (wie bei einer tantrischen Tänzerin)

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Versteckte Schätze: Taurinya – ein Abstecher zum (Mino-)Taurus”?

Nach meiner Besichtigung der Abtei Saint-Michel-de-Cuxa (im Jahr 2013) entschloss ich mich, mich vor der Rückfahrt nach Prades noch rasch im benachbarten Weiler Taurinya umzusehen (Département Pyrénées-Orientales in der Region Okzitanien, 5 km südlich von Prades).
Es war allein der Ortsname “Taurinya”, der mich neugierig machte. Ich fragte mich, ob dieser Ort eventuell in irgendeiner Beziehung zu einem Stier steht. (Taurus – Minotaurus*)
Mein erster Weg führte mich zur Kirche: Saint-Fructueux de Taurinya, die jedoch leider abgeschlossen war. Weit und breit niemand in Sicht.
Beim Umrunden der Kirche jedoch, bei dem ich (unbefugterweise, sorry!) kurz den Garten betrat, um wenigstens den Glockenturm ablichten zu können, stutzte ich. Da war doch was Auffälliges auf dem Kapitell zwischen den Zwillingsfenstern! Ich zoomte das Bild heran und entdeckte darauf – zu meiner freudigen Überraschung – tatsächlich jenen Stier, der diesem Ort seinen Namen gab!
Wenig später entdeckte ich auch noch am Ortsbrunnen einen prachtvollen Stierkopf, der allerdings sichtlich neueren Datums war.

* Der Minotauros (auch Minotaurus) ist eine Gestalt der griechischen Mythologie: ein Wesen mit menschlichem Körper und Stierkopf.

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Wieder daheim, machte ich mich im Netz auf die Suche nach Taurinya und die Kirche mit dem seltsamen Namen “Saint-Fructueux”: Ich fand heraus, dass dieses Gotteshaus aus dem 12. Jahrhundert stammt, später jedoch mehrmals umgebaut wurde. (Verlängerung des Hauptschiffes + 2 schmale Seitenschiffe). Der quadratische Turm wurde Ende des 12. Jahrhunderts erbaut. Er ist 18 Meter hoch. Auf der zweiten und dritten Etage gibt es, wie man sehen kann, offene Fensterdurchbrüche. Die Kapitelle sind mit Pflanzen- und zoomorphischen- (tierähnlichen) Motiven) versehen – einschließlich jenes Stierkopfes, der auf den Namen des Ortes verweist. Voilà!
Benannt ist die Kirche nach dem Heiligen Fructueux von Tarragona, ( + 259 n. Chr.). Der ehemalige Bischof von Tarragona* gilt heute als einer der ältesten dokumentierten Märtyrer auf der Iberischen Halbinsel. Mit ihm wurden, auf Befehl von Kaiser Valerian (253-260 n. Chr.), auch seine beiden Diakone gefangen genommen und zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Die Vollstreckung erfolgte übrigens im Amphitheater von Tarragona (s. Foto unten). Es heißt, die drei Märtyrer seien nach ihrem Tod – gekrönt und in liturgischen Gewändern! – der dortigen christlichen Gemeinde und auch ihren Henkern erschienen, um ihnen Anweisungen für ihre Beerdigung zu geben. Gruselige Vorstellung!

* Tarragona ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Süden der spanischen autonomen Region Katalonien.


Magische Orte in der Umgebung: Boule d’Amont, Belpuig, Ille-sur-TêtPrieuré de Serrabone, Saint-Michel-de-Cuxa,

Saint-Michel-de-Cuxa – ein kultureller Mittelpunkt des Roussillons

Die Abtei Saint-Michel-de-Cuxa liegt malerisch am Fuße des sagenumwobenen Canigou

Drei Klöster sind für die katalanische Romanik von großer Bedeutung: Die Abtei von Serrabone, Saint-Martin-du-Canigou und Saint-Michel-de-Cuxa, wobei die berühmte Abtei Cuxa am leichtesten erreichbar ist, weil sie im Tal liegt, direkt am Fuße des Canigou-Massivs.
Auch von ihrer Größe her, sticht sie hervor.
(Tipp: Von der Stadt Prades aus ist die Abtei Saint-Michel-de-Cuxa über die D 27 in fünf Minuten erreichbar. (Prades ist bekannt durch die Musikwochen, die Pablo Casals (Exil-Katalane und Franco-Gegner) dort alljährlich abzuhalten pflegte.)

Abt Oliba – der geistige Vater Kataloniens

Bereits vor Beginn des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts entwickelte sich Saint-Michel-de-Cuxa (katalanisch Sant Miquel de Cuixà) zu einem religiösen und damit geistigen Mittelpunkt des Roussillons, wie man die historische Provinz im Süden Frankreichs bezeichnete (heute Pyrénées Orientales).
Die ursprüngliche Abtei wurde im Jahr 840 an den Quellen von Thuès (in den Schluchten des Têt) erbaut, oberhalb von Villefranche-de-Conflent. Nach einem großen Unglück (Überschwemmung mit Erdrutsch) fanden die überlebenden 36 Mönche im Haus eines gewissen Protasius in Cuixà eine neue Unterkunft.
Im Jahr 878 errichteten die Mönche hier ein neues Kloster, in dem sie nach den Regeln des Heiligen Benedikts lebten.
Ihre Glanzzeit erlebte die neue Abtei unter dem berühmten Abt Oliba (s. a. Ripoll). Oliba (* 971 in Besalú, † 1046 hier in Cuxa) war Graf von Berga, Abt verschiedener Benediktinerklöster und Bischof von Vic. Er wird heute als geistiger Vater Kataloniens angesehen.

Für immer verloren gegangen …

Von der einst kostbaren Ausstattung aus Olibas Zeit ist leider nur wenig erhalten geblieben. Einige Bruchstücke vom Skulpturenschmuck der Empore (die noch großartiger als die von Serrabone gewesen sein soll!) existieren jedoch noch. Ihre Reste finden sich heute im Haupteingang der Kirche der Abtei Cuxa.
Der Altartisch aus Marmor wurde irgendwann in einem alten Haus in der Nachbarschaft der Abtei entdeckt, wo er zweckentfremdet als Boden des Balkons diente.
Für immer verloren gegangen ist leider auch ein Großteil des Kreuzgangs aus dem 12. Jahrhundert. Er wurde nach Amerika verkauft. Heute kann man ihn im New Yorker Cloisters Museum bewundern. Zwei der abtransportierten Arkadengänge konnten wieder rekonstruiert werden, wobei man sich an den Kapitellen der Abtei von Serrabone orientierte, weil es sich bei beiden Klöstern und die gleiche Werkstatt gehandelt hat.

Zusammen mit Sant-Pere-de Rodes (Spanien/Katalonien),
ist Saint-Michel-de-Cuxa einer der leuchtenden Beispiele der vorromanischen Baukunst.

Maurisch-mozarabische Anklänge

Im Kircheninneren fehlt es nicht an maurisch-mozarabischen Mauerdurchbrüchen, wie man unschwer an den charakteristischen Hufeisenbögen erkennen kann.

Die vorromanische Krypta mit der Kapelle der Heiligen Jungfrau der Krippe…

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Magische Orte in der Umgebung: Boule d’Amont, Belpuig, Ille-sur-Têt, Prieuré de Serrabone, Taurinya


Palau-del-Vidre – eine Madonna geht auf Reisen!

Palau-del-Vidre ist eine kleine französische Gemeinde in der Region Okzitanien, ungefähr 15 Kilometer über die D 914 von Collioure entfernt. Der Ort liegt im Tal des Flusses Tech. Bekannt ist Palau-del-Vidre für seine Glasbläser, die hier (traditionell seit dem Mittelalter) ihre Kunst zeigen. Alljährlich im August findet in Palau-del-Vidre das internationale Festival “Les Arts du Verre” statt, zu dem Glasbläser aus ganz Europa anreisen.
Zu einiger Berühmtheit hat es auch die Kirche Saint Marie de L’Assomption (12. Jahrhundert) gebracht. Nicht zuletzt wegen einer außergewöhnlichen Madonnenstatue – die (unter meiner Mitwirkung) im Jahr 2017 auf Reisen ging, um in Österreich ausgestellt zu werden.

Aber dazu später mehr …

Den Ort Palau-del-Vidre kannte seit mehr als zwanzig Jahren, doch bis ich die Kirche Sainte Marie de l’ Assomption betreten und die von mir gesuchte Madonna zu Gesicht bekommen würde, (von der ich irgendwann bei Ean Begg gelesen hatte), war Geduld angesagt. Viel Geduld …
Im Mai 2009 dann – nach einer sieben Jahre langen, aufwändigen Restaurierung der Kirche, des Vorplatzes und des halben Ortes, für die eine kleine Gruppe passionierter Bürger gesorgt hatte – war ich erneut in Palau-del-Vidre und hoffte auf mein Glück. Doch die Kirchentür war zu. Immerhin entdeckte ich ein Schild mit neuen Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 17 – 18 Uhr, Freitag 11 – 12 Uhr.
Ein Blick auf meine Uhr: Dumm gelaufen! Es war zwar Freitag, aber bereits 12.30 Uhr!
Enttäuscht fuhr ich nach Collioure zurück.
Am Montag stand ich um 17 Uhr erneut auf der Matte – mit dem Ergebnis, dass die Kirche wiederum geschlossen war. Weit und breit niemand in Sicht.
Ich wartete – auch aus der Erfahrung heraus, dass in Frankreich die Uhren manchmal etwas anders ticken. Nach einiger Zeit kam ein Mann aus einem gegenüberliegenden Hof auf mich zu. Ich kannte ihn vom Sehen (er restauriert in seiner Garage mit großem Geschick alte Stühle!). Auch er warf einen Blick auf das Schild und seine Uhr, dann schickte er mich kurzerhand in die Mairie, also ins Rathaus von Palau-del-Vidre. Ich dankte.
Netter Empfang im Bürgermeisteramt. Eifriges Nicken einer jungen Sekretärin: “Pas de problème, Madame, selbstverständlich können Sie die Kirche besichtigen!”
Vorfreudig nahm ich im Vorzimmer Platz. Wartete. Es folgten zwei, drei Telefonate in meiner Angelegenheit, und irgendwann wurde eine weitere Sekretärin herbeigerufen, die sich sofort der Sache annahm und nun selbst noch einmal zum Telefon griff.
Nun ja, man wird sich vielleicht denken können, was danach passierte:

Malheureusement, Madame, la clé a disparu!” Die arme Sekretärin war sichtlich betroffen, aber was sollte sie machen, wenn der verflixte Kirchenschlüssel nirgends aufzutreiben war!
“Ce n’est pas grave!”, sagte ich schulterzuckend und lächelnd. “Höhere Gewalt!”.
Danach vereinbarten wir einen festen Termin für Mittwoch. Ich freute mich.

Am Mittwoch stiefelte ich direkt ins Rathaus, wo mir die kleine Tochter des Bürgermeisters mit einigen lustigen “Turnübungen” die obligatorische französische Wartezeit vertrieb. 🙂
Endlich war es soweit: Mit strahlendem Lächeln präsentierten mir die beiden Sekretärinnen des Bürgermeisters den Schlüssel. “Unsere Kirche beherbergt viele Schätze”, erzählten sie mir unterwegs, “zwei gotische Altarbilder aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, ein Altarbild aus der Renaissance, einen berühmten Tabernakel, seltene Gegenstände – darunter eine geheimnisvolle, sich öffnende Jungfrau.”
Ich war gespannt wie selten zuvor, denn Ean Begg hatte diese Figur folgendermaßen beschrieben:
Eine Schwarze Madonna in der Pfarrkirche, in einer Mauernische in etwa 4 Meter Höhe. Einzigartige “Vièrge Ouvrante”, Madonna, die sich öffnet, um eine bärtige Figur in ihrem Inneren zu enthüllen. Das Kind sitzt auf ihrer linken Schulter.”

Zuerst ein Blick auf das weitere interessante Interieur in dieser Kirche …

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Dann endlich das Ziel meiner “Begierde” 🙂 – Die Madonna von Palau-del-Vidre

„Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“ (Katharina von Siena):
Wie vom Autor beschrieben, stand die Madonna (nach der langjährigen Restaurierung der Kirche) wieder in ihrer angestammten Mauernische, gute vier Meter hoch über dem Altar.


“Die Vièrge-ouvrante-Figuren entstanden zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Im geschlossenen Zustand stellen sie die jungfräuliche Gottesmutter mit dem Kind auf dem Arm dar, geöffnet enthüllen sie Gott-Vater, Sohn und Heiligen Geist im Leib der Jungfrau. Die Vorstellung, dass die männliche Dreifaltigkeit in der Jungfrau enthalten ist, weist in vorchristliche Jahrhunderte zurück, die ebenfalls die jungfräuliche Gottesmutter als Urheberin männlicher Gottheiten kennt.“
(Chr. Mulack, “Maria, die Geheime Göttin”, S. 64)


Ihre Zerstörung wurde geschickt vereitelt …

Madonnen dieses Typs, die auch die Trinität einbeziehen, sind sehr selten. Weltweit gibt es nur noch dreizehn Exemplare. Das hat seinen Grund: Die römisch-katholische “Mutterkirche” – trotz ihres Namens von Männern dominiert – hatte diese Art von Darstellung auf ihrem Konzil von Trient (1545-1563) verboten und sogar die Zerstörung der angeblich häretischen Figuren angeordnet. Die Priester von Palau-del-Vidre wussten “ihre” Madonna jedoch gut zu verstecken. Im Jahr 1648 wurde sie wiederentdeckt, in einer Nische über dem Retable des Heiligen Sebastian. (aus: H.L.Köppel, Ausstellungskatalog d. Jüd. Museums, Hohenems)

Acht Jahre später verlässt die “Geheime Göttin” Südfrankreich und geht auf Reisen …

Die Vorgeschichte zu dieser Reise:

Im Oktober 2016 erreichte mich das Schreiben einer Kuratorin aus Wien, die auf einen anderen Artikel auf meiner Website aufmerksam geworden war, der sich mit den nicht weniger rätselhaften “Schwarzen Madonnen” beschäftigt:

Sehr geehrte Frau Köppel,
ich arbeite gerade an einer Ausstellung über die weibliche Seite Gottes. Unsere Ausstellung wird zwar in erster Linie dem Judentum gewidmet sein, möchte jedoch auch das Christentum und den Islam einschließen.
Ich bin bei der Recherche auf Beiträge von Ihnen gestoßen …

Ich schrieb zurück und machte die Dame auf die Vièrge Ouvrante (und das freundliche Bürgermeisteramt) in Palau-del-Vidre aufmerksam.
Im Januar 2017 kam die Erfolgsmeldung aus Wien:

Dank Ihres netten Emails sind wir jetzt tatsächlich in Kontakt mit der Gemeinde von Palau-del Vidre und haben bereits informelle Zusagen, dass wir die wunderbare Jungfrau für unsere Ausstellung ausborgen können …”

Über die bevorstehende Reise der Madonna habe ich mich natürlich sehr gefreut – aber auch über die Bitte, die man nun an mich herantrug, eine Objektbeschreibung für den Ausstellungskatalog beizusteuern. Nachstehend das Ergebnis:

Bitte anklicken zum Lesen!

Und hier – voilà – die weitgereiste Madonna aus Palau-del-Vidre, hinter Glas stehend, in der Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems (30. April bis 8. Oktober 2017)

An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank an Sabrina und Catherine, die netten Sekretärinnen des Bürgermeisters!

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Magische Orte in der Umgebung:

Collioure, Santa Maria del Vilar, Kloster Fontfroide, Saint-André de Sorède, Boule d’ Amont, Cabestany, Canal-du-Midi, Elne, Ille-sur-Têt, Marcevol, Saint-Michel-de-Cuxa, Taurinya,