Le Puy-en-Velay
– einst ein bedeutendes Druidenzentrum

Die französische Stadt Le Puy-en-Velay ist seit dem Mittelalter einer der Ausgangspunkte zum Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Hier führte eine der wichtigsten französischen Nord-Süd-Verbindungen vorbei, die alte via regordana.
Le Puy (wie die Stadt früher genannt wurde) liegt im Département Haute-Loire, in der Region Auvergne-Rhone-Alpes, hat knapp 20 000 Einwohner – und war in grauer Zeit ein bedeutendes Druidenzentrum!

 

Links ND de France und rechts St. Michel d’Aiguille

Zwei beeindruckende Felsspitzen beherrschen die Stadt:
Der Rocher Corneille auf dem Mont Anis, wo sich die Kathedrale mit der darüber liegenden 16 m hohen Statue von ND de France erhebt – und St. Michel d’Aiguille, wo eine romanische Johanneskapelle an die Stelle des gallischen Merkur-Tempels getreten ist; am Fuße des Berges stand früher ein Tempel der Göttin Diana.

Die Kathedrale Notre Dame
Der Bau der romanischen Kathedrale von Le Puy (mozarabischer Einfluss) stammt aus dem 11./12. Jh. Eine alte Heilquelle hinter dem Hochaltar wurde in die Konstruktion einbezogen.
Und so fing alles an: Im Jahr 1095 hielt Papst Urban VII in Le Puy ein Konzil zur Vorbereitung des Ersten Kreuzzugs ab. Gut motiviert marschierten anschließend die Kreuzfahrer unter dem Salve Regina – der Hymne von Le Puy – aus der Stadt.
In den folgenden 70 Jahren besuchten 5 Päpste diese Kathedrale sowie 15 Könige  – darunter auch der Heilige Ludwig.

Heute ist die Kathedrale Bischofssitz des Bistums Le Puy-en-Velay und trägt den Titel einer Basilica minor – einer kleinen Basilika.
Kurioses am Rande: Die Treppe, die hinauf zur Kathedrale führt, setzt sich unter der Vorhalle fort. Sie endet mit einem Absatz, auf dem sich bis ins 18. Jh. die Goldene Pforte öffnete. Von da aus führten 18 Stufen in die Mitte des Schiffs – woraufhin das Geflügelte Wort entstand: „Man trete beim Nabel ein und gehe bei den Ohren wieder hinaus!“

Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!

Der Fieberstein

La Pierre des Fièvres: Beim sog. Fieberstein von Le Puy handelt es sich um den schwarzen Deckstein eines Dolmens, der sich einst auf dem Mont Anis befand.  Der Stein, der früher auf dem Hochaltar stand, soll im Jahr 430 n. Chr. eine Witwe von einem bösartigen Fieber geheilt haben. Heute hat er eine eigene Seitenkapelle links vom Altar.
Ich stöbere auch gern mal in alten Reiseführern und fand dort über den Fieberstein folgendes:

„Nach Meinung einiger Gelehrter handelt es sich bei diesem Stein um Reste eines alten Druidenaltars, der einer gallischen Göttin geweiht war, die jungfräulich gebären musste. Diese Auffassung besitzt einige Wahrscheinlichkeit dadurch, dass in Gallien tatsächlich an mehreren Orten die Verehrung einer jungfräulich gebärenden Göttin in vorchristlicher Zeit bekannt war …

Der wundertätige Stein von Le Puy war also schon seit frühester Zeit Anziehungspunkt für fromme Pilger. Andere Legenden besagen, dass das erste christliche Heiligtum auf dem Mont Anis von Engeln eingeweiht wurde – woher sich im Mittelalter die Bezeichnung CHAMBRE ANGELIQUE für den jeweils ältesten Teil der Kathedralen ableitet.

Die Schwarze Madonna von Le Puy

Die Schwarze Madonna von Le Puy-en-Velay
mit weißen Schutzhänden

Doch nun zur Schwarzen Madonna, die in Le Puy in vielerlei Gestalt verehrt wird: Nach der Überlieferung fand eine erste Madonnenerscheinung bereits im Jahr 46 n. Chr. statt, eine weitere im Jahr 420. Im Mittelalter betete man vor einem „Heiligen Bildnis“, vor dem auf Anordnung der Grafen von Toulouse (die später den Katharern nahestanden) ein ewiges Licht aufgestellt wurde.
Bei der  Madonna, die im Hochmittelalter verehrt wurde, handelte es sich vermutlich um eine Statue der Isis, die zu den Schätzen des Großsultans von Babylon gehörte, der sie dem Heiligen Ludwig schenkte. Sie ging während der französischen Revolution verloren; die heutige Madonna ist jedoch ein getreues Abbild. (Außergewöhnlich ist, dass auch das Kind weiße Schutzhände besitzt wie seine Mutter.)

Der Kreuzgang

Beeindruckend ist auch der Kreuzgang von Le Puy mit seinen herrlichen polychromen Fassaden. Er stammt ebenfalls aus dem 12. Jh., und man erkennt auch hier deutlich den spanisch-arabischen Einfluss.

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Der Montségur 1244:
Vier Katharer auf der Flucht?

Wohin brachten sie den Schatz der Katharer vom Montségur?

Die Katharer auf dem Montségur erhielten ständig Zuwendungen finanzieller Art von den Gläubigen aus dem Tal. Kaum war das Geld ausgegeben – auch für den Ankauf von Soldaten zur Verteidung des Montségur – flossen neue Spenden.
Ein Beispiel: Pierre-Roger von Mirepoix, der das Kommando über die Verteidung des Montségur innehatte, erhielt von Gläubigen „eine mit Geld gefüllte Decke“.
In den zwei Wochen Waffenstillstand vor der Übergabe der Burg (16.3.1244), brachten die Katharer ihre letzten Dinge in Ordnung. Die Perfekten verschenkten ihre Habe (Getreide, Bohnen, Öl, Salz, Pfeffer und Wachs) – „sowie die letzten Münzen“, wie es hieß, an diejenigen Soldaten, die nicht „häretisiert“, d.h. in den Glauben der Katharer aufgenommen worden waren.

Eine merkwürdige Begebenheit
Die Überlieferung berichtet nun von einem Vorfall in der Nacht vor der Übergabe des Montségur, also vom 15. auf den 16. März: In dieser Nacht sollen sich vier Perfekte heimlich, mit Hilfe von Seilen, eine einhundertfünfzig Meter hohe Steilwand hinabgelassen haben.
Es heißt weiter, die Katharer seien zuvor von Pierre-Roger de Mirepoix versteckt worden, vermutlich in einer der Karsthöhlen auf dem Berg.

Drei Namen der Flüchtenden sind bekannt:
Amiel Aicard, Peytavi Laurent und Hugues Domergue.
Der Name des vierten Perfekten ist nicht gesichert, vermutlich handelte es sich um Pierre Sabatier.

M. Roquebert* schreibt über diese sonderbare Flucht:

„Sie hatten kein Gepäck bei sich … und er merkt dazu an:
„Die Behauptung, sie hätten in einer Decke oder in einem Bündel einen mysteriösen Schatz mit sich geführt, geht auf eine Verwechslung von mehreren verschiedenen Informationen der Überlebenden zurück bzw. auf eine unlautere abenteuerliche Manipulation der Quellen.“

Für die Flucht der vier Parfaits gibt es lt. Roquebert nur einen Grund:

Sie wollten den Kirchenschatz der Katharer, den sie um Weihnachten herum irgendwo in den Wäldern versteckt hatten, in Sicherheit bringen! 

Ungelöst bleibt das Rätsel um den Verbleib der Kriegskasse …
Fiel sie den Eroberern in die Hände (diese Meldung hätte Rom sicherlich ausgeschlachtet!) – oder brachten die Katharer auch sie in Sicherheit? (Um die „wenigen Münzen“ einzelner, die verschenkt wurden, konnte es sich dabei nicht gehandelt haben.)

Zur Kriegskasse der Katharer vom Montségur schreibt Michel Roquebert folgendes:

„Noch vor Weihnachten* beschloss Bertrand Marty** die Kasse der religiösen Gemeinschaft in Sicherheit zu bringen. Das Gold, das Silber und eine Unmenge Geld wurden dem Diakon Pierre Bonnet und dem Perfectus Mathieu anvertraut. Ob zufällig oder absichtlich, jedenfalls trafen sie sich nach dem Abstieg vom Montségur auf einer Wachstation, besetzt mit Leuten aus Camon – Nachbarn oder Fast-Nachbarn, zumindest Landsleuten, die sie durchließen und ihnen sogar noch den sichersten Weg zeigten. Die beiden Perfecti versteckten ihr wertvolles Gepäck in einer SPULGA, einer befestigten Grotte in der oberen Grafschaft Foix, von der man nur weiß, dass sie einem Burgherrn des Grafen Pons Arnaud de Châteauverdun gehörte.
Es ist müßig, immer wieder über den Schatz nachzudenken“, schreibt Roquebert weiter, „bei dem es sich nur um das Vermögen der Kirche von Montségur handelte, bestehend aus den Gaben und Vermächtnissen der Gläubigen und gewiss auch aus dem, was die Perfecti und Perfectae durch ihre Arbeit erwirtschaftet hatten … Da man wegen der Belagerung fast ausschließlich von den Reserven leben musste, war es unnötig, jenes Geld im Castrum (Burg Montségur) zu verwahren. Es war sinnvoller, es zu verstecken, und wenn das Schlimmste einträte, würde es anderen Perfecti, nicht aber dem Seneschall des Königs zugutekommen …“

Anmerkungen: *1243; ** Katharerbischof

Eine weitere „Kriegskasse“ der Katharer
Gesichert ist, dass 60 Jahre nach dem Fall des Montségur, also um das Jahr 1300, erneut eine sog. „Kriegskasse der Katharer“ existierte. Es war die Zeit, in der Pierre Authié –  Katharer-Perfekt und angesehener Notar aus Ax-les-Thermes – mit seiner Familie aus der Lombardei zurückkehrte, um erneut im Land zu missionieren.

(Katharerwege – zum Vergrößern anklicken)

Die Notare Authiès* versammelten nach ihrer Rückkehr ein gutes Dutzend Perfekte um sich, die dann bestimmte Ämter betreuten:

 

1. Raymond Peyres Aufgabe war es, die vielen Vermächtnisse entgegenzunehmen, die den Authiès hinterlassen wurden.

2. Die Familie Francès in Limoux galt als Schatzmeister der Katharer, sie verwaltete die Kriegskasse der im ganzen Land angesehenen Authiès.
Die Familie Francès war aber auch selbst vermögend, besaß sogar „einen alten Leibeigenen“ (etwas, was damals nicht mehr oft vorkam!). Der Schatzmeister Francès organisierte u.a. die Flucht zwischenzeitlich verhafteter Katharer-Parfaits, worauf diese im Haus des Guillaume-Arnaud Faure im Dorf Le Born (nahe Toulouse) unterkamen.

3. Der Perfekt Prades Tavernier, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, bezichtigte hingegen die Authiès der Habgier. Er behauptete, sie liebten es, ihren Schatz zu bestaunen:
“ … wenn ich von Anfang an gewusst hätte, wie Pierre und Guillaume Authiè lebten, hätte ich mich nicht in ihren Stand berufen lassen, weil sie nicht so leben, wie sie es sollten, weil sie sehr gierig und neidisch sind und Geld scheffeln, so dass Guillaume Authiè manchmal, wenn er Geld gesammelt hatte, zu seiner Frau Gaillarde kam und die beiden dann oft ihre Köpfe zusammen in eine Truhe steckten, um das Geld zu bestaunen, das er zusammengebracht hatte.“

4. In diesem Zusammenhang werden immer wieder auch die Familien Montaniés und Faure erwähnt, die in Coustaussa saßen. Diese Familien waren eng miteinander verbunden. Die Faures waren auch unter dem Namen Espanhol bekannt.

Die Notare Authiè und ihre Machenschaften

Angesehene und wohlhabende Notare aus Ax-les-Thermes; katharische Missionare. Nach ihrer Rückkehr aus der Lombardei, wohin sie geflüchtet waren (1299), bekehrten sie ihre okzitanischen Landsleute erneut zur katharischen Religion. Ihnen zur Seite standen mehrere Missionare, darunter Prades Tavernier. Pierre Authiè wurde am 9. April 1310 vor der Kathedrale Saint-Étienne in Toulouse verbrannt. Sein Bruder Guillaume soll ein Buch mit dem Titel „Vom Glauben der Katharer“ besessen haben; er wurde bereits im Jahr 1309 verhaftet und verbrannt.

Wer mehr über die Authiès, über Prades Tavernier, und den Inquisitionsprozess gegen das Dorf Montaillou im Jahr 1320 erfahren möchte, dem lege ich meinen Roman „Béatris: Kronzeugin der Inquisiton“ ans Herz!

Zu Michel Roquebert: s. „Die Geschichte der Katharer“, Stuttgart 2012

Den Toten vom Montségur einen Namen geben …

„Es gab im Katharismus etwas,
das auf dem Scheiterhaufen nicht verbrannt ist.“

(Jean Duvernoy, franz. Historiker)

… denn erst Namen geben der Geschichte ein Gesicht!

Seit einigen Jahren versuche ich die Namen der 225 Katharer herauszufinden, die am 16. März 1244, am Fuße des Montségur, auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden:

Einige Namen konnte ich ausfindig machen, die anderen sind vermutlich auf ewig vergessen …

Bertrand d` Marty (Katharerbischof)
Pierre Sirven (Katharer-Diakon)
Raymond Agulher (Katharerbischof)
Name ? ……. (Katharerbischof des Razès)
Guillaume Déjean (Katharer-Diakon)
Raymond de Saint-Martin (Katharer-Diakon)
Rixende du Teilh (Perfekte und Priorin des Montségur)
Guiraude de Caraman (Parfaite)
Corba, Gattin von Raymond de Pereille
Esclarmonde, Tochter von Raymond de Pereille (Verteidiger der Burg), zugleich Gattin ? von Pierre Roger de Mirepoix (Verteidiger der Burg) = eingeheiratet in das Haus Belissen!
Philippa, Tochter von Raymond de Pereille
Marquesa de Lantar, Schwiegermutter von Raymond de Pereille
Saissa de Congost, Nichte von Raymond de Pereille
Braida de Montserver, Schwiegermutter von Roger de Mirepoix
Bruna und India de Lahille, Schwester und Cousine von Guillaume de Lahille
Raymonde de Cuq, Schwester/Schwägerin von Bérenger de Lavelanet.
Braida de Montservat, Guillelme Aicart.

Die Ritter Arnaud des Cassès, Guillaume de Lahille, Raymond de Marceille, Brézilhac de Cailhavel, Bernard de Saint-Martin,
sowie der Knappe Ramonds de Marceille Guilaume Narbona,
der Armbrustschütze Raymond de Belvis,
sechs weitere Sergeanten, zwei davon mit ihren Frauen,
ein Händler aus Mirepoix,
zwei Verbindungsmänner, darunter Jean Rey.

Der katharische Ritter Jourdain du Mas nahm an der Expedition nach Avignonet teil und fiel bei der Verteidigung von Montségur;
ebenso wurden auf dem Montségur tödlich verwundet:
Der junge Ritter Jourdain du Mas, genannt Jordanet,
der Enkel der Perfekten Garsende,
der Sergeant Bernard Rouain
und der Ritter Bertrand de Bardenac.
Ebenso soll ein Sohn der Poncia du Villar unter den Attentätern gewesen sein: Jourdain de Villar,
sowie die Sergeanten Bernard de Carcassonne und Arnaud de Bensa.

Man weiß durch die Zeugenaussage des Béranger de Lavelanet vor der Inquisition, dass ein Pierre de Saint-Just von Rennes-le-Chateau vier Jahre auf dem Montségur lebte. Ob er dort starb, ist nicht bekannt.
Zwei Frauen aus Mas-Saintes-Puelles (Gersande und ihre Tochter Gaillarde) starben ebenfalls auf dem Scheiterhaufen  im Jahr 1244.
Im Jahr 1235 zog sich Bernard Sermon d`Albedun oder Albezunum (vom Bezú) auf den Montségur zurück. Ob er 1244 überlebte ist unbekannt.
Eine Parfaite, Alazais Raseire, wurde in ihr Heimatdorf Bram gebracht und dort verbrannt.

(Quellen hierzu: u.a. die Déposition de Béranger de Lavelanet auprés des inquisiteurs – also die DOAT-Quellen; siehe auch Scripta secreta – Geheime Schriften.)

Avignon im Jahr 1334:
„Ihr habt einen Esel gewählt!“

Bei der Recherche zu meinem jüngsten Historischen Roman „Béatris: Kronzeugin der Inquisition“ befasste ich mich intensiv mit einem jener drei Päpste, die als Gründer des Papsttums in Avignon gelten:

 Benedikt XII.

Im Bild: Clemens V., Johannes XXII. und Benedikt XII.

Wie kam es eigentlich zur Übersiedlung der Päpste nach Avignon?

Ein Blick zurück: Der französische König Philipp der Schöne (1268-1314), Enkel Ludwig des Heiligen, war der letzte bedeutende Kapetinger auf dem Thron Frankreichs. Seine durch zahlreiche Kriege verursachte Geldnot führte u.a. dazu, dass er auch dem Klerus Steuern auferlegte. Dieses führte zu einem schweren Konflikt mit Papst Bonifatius VIII., der seinerseits den Versuch unternahm, die Oberherrschaft der geistlichen über die weltliche Macht durchzusetzen: Mit der Bulle Clericis laicos (1296) verbot Rom Weltlichen Fürsten die Besteuerung des Klerus. Mit der späteren Bulle Unum sanctam (1302) ging Bonifatius noch einen Schritt weiter: „Alle weltliche Macht hat sich dem päpstlichen Primat unterzuordnen!“

Clemens V., ursprünglich Bertrand de Got, (1250-1314).

Daraufhin nahm Philipps Berater und Großsiegelbewahrer Guillaume de Nogaret Bonifatius in Anagni fest. Doch das „Attentat von Anagni“ (1303) scheiterte. Bonifatius starb dennoch kurz darauf unter ungeklärten Umständen. (Sein direkter Nachfolger Benedikt XI., entgegenkommender als Bonifatius, residierte in Perugia und verstarb dort im Jahr 1304 an der Ruhr.)
Philipps Geldnot war jedoch inzwischen so groß geworden, dass er mit Nogarets Hilfe die Vertreibung der Juden mit Konfiskation ihrer Güter betrieb (1306).
Unterstützt wurde er hierbei von dem Franzosen Clemens V., der im Jahr 1305 auf den Papststuhl gelangte. (Philipp hatte zuvor dafür gesorgt, dass immer mehr französische Kardinäle Einfluss bekamen).
Clemens stammte aus altem südfranzösichen Adel. Er ließ sich in Lyon zum Papst krönen und hielt sich bis 1309 abwechselnd in Bordeaux, Portiers und Toulouse auf. Dante hat ihn im 19. Gesang seiner Göttlichen Komödie angekündigt:

Denn nach ihm (Bonifaz VIII.) kommt von Westen her ein Schlimmerer – ein zügelloser Seelenhirte!

Unter Clemens V. wurden im Jahr 1307 – auf Druck von Philipp dem Schönen – die Tempelritter verhaftet, vor ein Tribunal gestellt und enteignet.
Im Jahr 1309 ließ er sich in Avignon nieder,
wo er einen ersten burgähnlichen Palast errichten ließ.

„Ihr habt einen Esel gewählt!“

Benedikt XII, der Dritte im Bunde der Avignonpäpste, hieß mit bürgerlichem Namen Jacques Fournier. Er wurde um das Jahr 1285 in Saverdun (Grafschaft Foix) geboren, begann seine geistliche Laufbahn als Novize im Mutterkloster von Morimund/Boulbonne, studierte in Paris, wurde Abt in Fontfroide und schließlich Bischof von Pamiers, wo er als Vorsitzender des Inquisitionsgerichtes aufgrund seiner unorthodoxen Befragungsweise den Zeuginnen und Zeugen des Pyrenäendorfes Montaillou auch zahlreiche Details aus ihrem Alltagsleben entlockte (s. „Béatris: Kronzeugin der Inquisition“).
Im Jahr 1334 wurde Jacques Fournier zum Papst gewählt. Benedikt XII. galt als ausgesprochener Feind des Nepotismus in der Kirche (Vetternwirtschaft).

Der Katharismus lehrte allein die Rettung der Seele und lehnte die Welt als Werk des Teufels ab. Der Katholizismus vertrat die Erlösung des Leibes und der Seele und sah in der Welt die Schöpfung Gottes.“
(M. Benad, Domus und Religion in Montaillou, S. 310)

Im Bild: Benedikt XII., ursprünglich Jacques Fournier, (1285-1342)

Auszug aus meinem Roman „Béatris: Kronzeugin der Inquisition“:

„Jacques schmunzelte, dachte an den Tag vor zwei Jahren, als man ihm die päpstlichen Insignien angelegt hatte: „Ihr habt einen Esel gewählt“, hatte er in aller Bescheidenheit den Kardinälen versichert. Die einen legten ihm dieses Wort tatsächlich als Zeugnis seiner Demut aus, die anderen als Bekenntnis des unbesonnenen Geplappers seiner Dummheit. Nun kannten ihn seine Lämmer besser, die schwarzen und die weißen …“

Einer der Baumeister aus dieser Zeit hat Benedikts Zuruf an die Kardinäle, die ihn gewählt hatten, in Stein gebannt. Man entdeckt den Esel oberhalb des Eingangs zum Papstpalast. (s. Foto oben).

Der heutige prachtvolle Papstpalast in Avignon geht auf Benedikt XII. zurück. In die Thesauraria, dem Teil der Schatzkammer, in dem u.a. sein Briefwechsel mit den Mächtigen der Welt aufbewahrt wurde, hatte er auch das Register MS 4030 verwahrt, das die Zeugenaussagen im Fall Montaillou beinhaltete. Sie blieben für die Nachwelt erhalten.

(Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Meine Empfehlung:

Wer mehr über Benedikt XII, alias Jacques Fournier, erfahren möchte – sowie über den zweiten Avignonpapst, Johannes XXII., dem lege ich meinen Roman „Béatris“ ans Herz!

Philipp der Schöne und das Attentat von Anagni wurde in meinem Roman „Rixende: Die Geheimen Worte“ thematisiert.

Viel Vergnügen beim Lesen!

Helene L. Köppel

Auf die Reihe gebracht:
Mein CARCASSONNE-Roman!

Hervorgehoben

„Alix: Das Schicksalsrad“ ist ab sofort auch als Taschenbuch zu haben!

(ISBN 9783 744 895 460, 526 Seiten, div. Farbfotos,
Preis: 20.– Euro,
bestellbar in jeder Buchhandlung, im BoD-Buchshop oder bei Amazon)

„Ich werde allen Vogelfreien, die bald ohne Stadt, ohne Dach, ohne Asyl und Brot durch das Land ziehen werden, eine Stadt, ein schützendes Dach, Brot und mein Schwert gewähren.“
(Raymond-Roger Trencavel im Jahr 1209)

Dieser Roman ist denjenigen Männern gewidmet, die Carcassonne vor dem endgültigen Verfall bewahrt haben:

Eugène Viollet-le-Duc
Jean-Pierre Cross-Mayrevieille
Prosper Mérimée

Inhalt

Im lebensfrohen, toleranten Okzitanien dreht sich das Rad des Schicksals. Päpstliche Legaten ziehen durchs Land. Sie predigen den Kreuzzug gegen die „Brutstätte der Häresie“, die Katharer. In dieser unruhigen Zeit wird Alix von Montpellier von ihrer Mutter nach Cahors verschachert, an den Hof des für seine Grausamkeit berüchtigten Fürstbischofs Bartomeu. Ihre um ein Jahr jüngere Schwester Inés soll an ihrer Stelle den im Volk beliebten Trencavel heiraten, den Vizegrafen von Carcassonne und Béziers – einen jungen, blonden Mann, von dem es heißt, er lache mit seinen Rittern und Knechten und sei ihnen kaum wie ihr Gebieter. Lange kämpft Alix gegen das ungerechte Schicksal und ihren geistlichen Widersacher an. Als sie den wahren Grund für ihre Gefangenschaft entdeckt, bereitet sie ihre Flucht vor. Ihr Weg führt sie ausgerechnet nach Carcassonne, das bereits im Visier der anrückenden Kreuzfahrer steht. Neben all den verwirrenden Ereignissen, die nun auf Alix einstürmen, muss sie auch mit ihren Gefühlen ins Reine kommen, denn sie liebt ausgerechnet den Gemahl ihrer Schwester – und ihr Todfeind, der Fürstbischof von Cahors, einer der Finanziers der Kreuzfahrer, sinnt auf Rache.

Pressestimme:
Ein mitreißender Katharer-Roman mit zeitgeschichtlichem Hintergrund!

Historische Einführung

Im Süden Frankreichs (Okzitanien) hinterließen zahlreiche Völker ihre Spuren: Kelten, Griechen, Römer, Westgoten, Sarazenen. Im Hochmittelalter ist Okzitanien ein loser Zusammenschluss von Grafschaften, Herzogtümern und Lehnsstaaten – jedoch mit einer eigenständigen Sprache, dem sog. »Oc« (verwandt mit dem heutigen Catalan). Es herrschen Freizügigkeit, Toleranz und die Paratge: Eine vergleichbare Ehre und Würde für alle Menschen. Frauen dürfen Handel treiben und ihre Meinung kundtun. In den Städten entwickeln sich erste Bürgerrechte (Konsulate nach römischem Vorbild). Zwei Dynastien prägen das Land: Die Grafen von Toulouse und die Familie Trencavel, die Vizegrafen von Albi, Carcassonne, Béziers und des Razès. Auf ihren Burgen und Minnehöfen herrscht die ritterliche Galanterie, Troubadoure gehen ein und aus, singen von der Fin Amour, der reinen Liebe. Doch es ist längst nicht alles Gold, was glänzt: In relativ guter Nachbarschaft stehen sich zwei christliche Kirchen gegenüber: Die der Katharer (Abweichler vom herkömmlichen Glauben) und die der römisch-katholischen Kirche – wobei letztere, weil zunehmend korrupt, ständig an Einfluss verliert. In Scharen zieht es die Menschen zu den friedfertigen boni christiani, den Katharern, bis sich Papst Innozenz III. zum Handeln gezwungen sieht und den Kreuzzug predigt: » … nehmt ihnen ihre Länder weg, damit katholische Einwohner an die Stelle der vernichteten Ketzer treten können. Philipp II. August, der König von Frankreich und Oberlehnsherr von Toulouse, beordert einflussreiche Barone in den Süden. Im Jahr 1209 versammeln sich die ersten Kreuzfahrer bei Lyon. Béziers ist ihr Ziel, die Parole lautet: »Tötet sie alle (Katharer, Juden, Katholiken), Gott wird die Seinen schon erkennen!«
Noch im gleichen Sommer wird die Festungsstadt Carcassonne belagert.

Die Kathedrale von Albi – ein Bollwerk gegen die Katharer

Kathedrale Sainte-Cécile, 13. Jh. - ein Meisterwerk der Gotik

Die Stadt Albi, von den Franzosen „Albi-la-Rouge“ genannt (wegen der vielen roten Backsteinhäuser), ist die Hauptstadt des Départements Tarn in der Region Okzitanien – und unfreiwillige Namensgeberin der Katharerbewegung. Hier steht die mächtige, burgartige, Kathedrale Sainte-Célile, die im Auftrag von Bischof Bernard de Castanet – nach den sog. „Albigenserkriegen“ (1209 bis 1229) – als Bollwerk gegen die Katharer erbaut wurde. Sie steht auf dem Platz einer älteren Kathedrale, deren Kreuzgang jetzt der Bischofsgarten ziert (s. letztes Foto).
Die Mauern der Kathedrale sind bis zu sechs Meter dick.
Der Glockenturm wurde etwas später, im 14. Jh., errichtet.

Das beeindruckendste Bauwerk ist heute die Kathedrale des französischen Erzbistums Albi und eine der größten Backsteinkirchen der Welt.

Lettner im Flamboyant-Stil (anklicken zum Vergrößern)

Die Heilige Cécile – Namensgeberin der Kathedrale von Albi

Der Tradition zufolge war die heilige Cécile eine Jungfrau und Märtyrerin, die im 3. Jh. nach Christus in Rom gelebt haben soll. Nach der Bekehrung ihres Mannes und dessen Bruder zum Christentum, beteiligten sich diese an der verbotenen Bestattung hingerichteter Christen und wurden daraufhin selbst ins Gefängnis geworfen und getötet. Cécile wurde ebenfalls verhaftet und in kochendes Wasser getaucht, das ihr aber – der Legende nach – nichts anhaben konnte. Als der Henker daraufhin versuchte, sie zu enthaupten, gelang es ihm nicht, ihr den Kopf abzutrennen. Schwer verwundet, lebte sie noch drei Tage und verteilte ihre Reichtümer unter den Armen.

 

Die Wandgemälde

wurden zu Beginn des 16. Jh. von italienischen Künstlern ausgeführt. Das Fresko „Das Jüngste Gericht“ an der Rückwand der Westfassade misst 20 x 15 Meter und ist eine französische Arbeit. Die Darstellungen von Purgatorium, Hölle und Paradies sind noch im Original erhalten.

Das sog. Purgatorium - oder der Reinigungsort der Seelen
(anklicken zum Vergrößern)

Die Verehrung des Heiligen Dominikus (rechts)

(Romanauszug aus „Rixende – Die Geheimen Worte“, S. 27)

„Dominikus von Caleruega kam ihm in den Sinn, der Ordensgründer, der auf eine andere Weise die Katharer hatte bekehren wollen, die so sehr die Ordnung der Heiligen römischen Kirche störten: mit ruhigem, friedlichem Gespräch von Mann zu Mann; Überzeugung, keinesfalls Gewalt, mit vorbildlichem, asketischem Leben, gleich den katharischen parfaits. Nun ja, dachte Saint-Georges, und er verzog ein wenig spöttisch den Mund, Dominikus in allen Ehren, er hatte es gut gemeint, doch den Menschen das Evangelium predigen in härenen Kutten und Sandalen, wie lächerlich! Die Zeiten waren andere geworden, dem Herrn sei Dank. Zwar erzählte man sich noch immer, dass Dominikus‘ Mutter, bevor sie ihn empfing, geträumt hatte, sie trüge ein Hündlein in ihrem Schoß, das eine brennende Fackel in seinem Munde hielt, welche – sobald es ihren Leib verließ – die ganze Erde zu entzünden schien. Doch der freundliche, brave Mann war sein Leben lang ein zahnloser Hund geblieben und hatte nur wenige Ketzer mit seinen Reden überzeugt, obwohl er selbst bei glühender Hitze bergauf und bergab auf holprigen Straßen gezogen war, um auf den Marktplätzen das Predigtwerk Christi zu verkünden …“

Die Dominikaner zeichneten sich bei der Bekämpfung der Katharer (Inquisition) durch besondere Härte aus. Aus diesem Grund bezeichnete man die Mitglieder auch als domini canes (Hunde des Herrn).

Die Stadt Albi – als Namensgeber für die Katharer.
Die Kathedrale von Albi – als  Symbol für den Sieg über die Katharer?

Der Sieg jedoch war brüchig. Möchten Sie erfahren, wie es mit den Katharern nach dem Fall des Montségur und der jahrzehntelangen Verfolgung durch die Dominikaner-Inquisitoren weiterging?
Dann empfehle ich Ihnen meinen neuen Roman „Béatris – Kronzeugin der Inquisition“
(Taschenbuch und E-book)

Ein Blick zum Schluss in den Garten des benachbarten Bischofspalastes, auf den Fluss Tarn und die im freundlichen Rotbraun leuchtenden Häuser der Stadt:

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Ein kleiner Hinweis noch: Die Kathedrale wird am Abend um 18.30 Uhr geschlossen.