VORSTELLUNG: „Sancha … Das Tor der Myrrhe“

Voila – mit einem Augenzwinkern (Fotomontage!) stelle ich hier meinen Historischen Roman „Sancha“ und zugleich die Protagonistin SANCHA von Aragón vor. Sie lebte und wirkte zu Beginn des 13. Jahrhunderts an einem der zivilisiertesten und duldsamsten Höfe des Abendlandes, nämlich in Toulouse – auf das sich im Jahr 1211 der Kreuzzug der Franzosen zubewegt. Die Ketzerei soll getilgt, Südfrankreich annektiert werden.

Getrieben vom heißen Wunsch, die bedrohte Stadt ihres blutjungen Gemahls zu retten, um sich Liebe und Anerkennung zu verschaffen, macht sich Sancha mit einigen Getreuen auf die Suche nach dem Tor der Myrrhe. Dort soll sich ein Gegenstand befinden, von dem es heißt, er würde selbst Päpste und Könige erschüttern.

Simon von Montfort, der charismatische Anführer der Kreuzfahrer, zwei hochrangige Prälaten und die Tempelritter sind jedoch ebenfalls hinter dem Geheimnis her. Jeder bespitzelt jeden.

Welches Lager steckt hinter dem grausamen Mord im Kloster Gellone? Und was hat es mit der Apokalypse des Johannes auf sich? Wer verbirgt sich hinter Falk von Hagelstein, jenem undurchsichtigen eitlen “Narren” aus Deutschland, der Sancha seit ihrer Kindheit nicht von den Fersen weicht?

Bald stehen die Kreuzfahrer vor Toulouse. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

Gelingt es Sancha, die Stadt mit einer List zu retten?

ZU TOULOUSE „von allen Städten die Blume und die Rose“, wie sie der Troubadour Guillaume de Tudèle einst beschrieb (Que de totas ciutatz es cela flors e rosa). Toulouse hatte im 12./13. Jahrhundert ca. 30 – 35 Tausend Einwohner. Die gleichnamige Grafschaft war das mächtigste aller Fürstentümer, die seinerzeit vom Kreuzzug bedroht waren. Zu den umfangreichen Ländereien der Raimundiner, wie man dieses Grafengeschlecht nannte, gehörte auch die Provence. Die Raimundiner nannten sich: „Graf von Toulouse, Herzog von Narbonne, Markgraf der Provence, Graf von Melgueil“.

Nachstehend eine der seltenen Abbildungen ihres Schlosses, des Château Narbonnais` – auch das „Rote Schloss“ genannt, weil es ganz aus Backsteinen erbaut war (wie noch heute viele Häuser in Toulouse). Links im Bild die im Mittelalter, bei Hochwasser, gefürchtete Garonne.

Siegel und Wappen Raymonds VII. von Toulouse (Sanchas Gemahl, im Roman Roc genannt)

HISTORISCHER HINTERGRUND

Tötet sie alle, Gott wird die Seinen schon erkennen! Nach der Ermordung des päpstlichen Legaten Pierre de Castelnau marschiert im Jahr 1209 ein großes Kreuzfahrerheer in den bis dahin unabhängigen Süden Frankreichs (Okzitanien), um die „Erstgeborenen des Satans“, wie Rom die Katharer bezeichnet, auszurotten. Zum ersten Mal kämpfen Christen gegen Christen – wobei ein Teil der Kreuzfahrer aus Deutschland kommt. Innerhalb weniger Wochen werden die befestigten Städte Béziers und Carcassonne mit kaum vorstellbarer Brutalität erobert, das Umland verwüstet.

Zwei Jahre später hat der Kreuzzug gegen die Katharer schon mehr als 20 000 Tote gekostet und es geht nicht mehr ausschließlich um Religion. Die reiche und kulturell hochstehende Grafschaft Toulouse ist jetzt das Ziel der Barone und Prälaten des Nordens. Simon von Montfort, der militärische Befehlshaber der Kreuzfahrer, wirft sich mehrfach gegen die Mauern von Toulouse, kämpft aber auch gegen die Feigheit seiner eigenen Barone und Ritter, die ihn oft vor Ablauf der vereinbarten Zeit verlassen.

Simon von Montfort, der militärische Heerführer der Kreuzfahrer

Sein Feind und Gegenspieler, Raymond, der Graf von Toulouse VI. – in der Vergangenheit mehrfach von Rom exkommuniziert und als Ketzerfreund gedemütigt -, weigert sich standhaft, Montfort Truppen zuzuführen und zugleich die Katharer aus seinen Ländereien zu vertreiben. Raymond VI., nach dem König von Frankreich der wohl mächtigste „Seigneur der Christenheit“, stützt sich bei seiner Verteidigung auf ergebene Vasallen und einflussreiche Verbündete wie den König von Aragón, Peter II., an dessen Treue zu Rom kein Zweifel besteht.

König Peter II. von Aragón

Zur Festigung seiner eigenen Territorien und Bündnisse in Okzitanien hat König Peter II. seine Schwestern Leonora und Sancha mit den Raymonds, den Grafen von Toulouse (Vater und Sohn) verheiratet.

Ihr gemeinsames Ziel ist es nun, die drohende Okkupation durch die Franzosen abzuwenden, damit es nicht schon bald heißt:
Ai, Tolosa! O weh, Toulouse!

(Foto HLK 2006)  Raymond VII. von Toulouse mit seiner Gemahlin Sancha – die einzige Abbildung, die die beiden als Paar zeigt. Zu finden in Cordes-sur-Ciel, einem Ort im Departement Tarn, gegründet von Raymond VII. im Jahr 1222.

Zu weiteren PERSONEN

Die meisten Personen, die in meinem neuen Roman vorkommen, haben wie Sancha und ihr Gemahl tatsächlich gelebt. Im nächsten Bild sieht man Raymond VI., der zugleich Sanchas Schwiegervater und Schwager war. Raymond VI., als Dichter und Mann der Kultur bekannt, galt als tolerant gegenüber Juden und Katharern; er hasste den Krieg, sorgte für kommunale Freiheiten in Toulouse und in vielen anderen Städten seiner Grafschaft (frei gewählte Capitouls).

(Foto: „GFDL Guerin Nicolas“)

… eine wichtige Romanrolle hat auch Ramon von Miraval inne. Er war Troubadour und zugleich ein enger Freund Raymonds VI. Von Miraval gibt es nur diese Abbildung:

Weitergehende Informationen über Personen, Orte usw. finden Sie im umfangreichen Romananhang.

Ein Wort noch zu Falk von Hagelstein (fiktiv):

Ihn entdeckte ich kurz nach dem „Schöpfungsakt“ zufällig auf einem Foto: Ein Narr aus Ton – im Gesicht pure Eitelkeit. Ich wusste sofort: Das war Falk von Hagelstein! Der Künstler Dominique Friedrich (http://www.frsw.de/keramik2.htm) hat mir erlaubt, ihn auf meiner Autoren-Homepage vorzustellen. (Danke Michael Meurer für die Überlassung des Fotos und die Kontaktherstellung!)

(Foto Michael Meurer)

… und zu den beim Schreiben so wichtigen Inspirationen:

Das Mittelalter war durchdrungen vom Geist der Apokalypse. Zur Einbindung der Offenbarung des Johannes in den Roman hat mich die Handschrift des Beat de Liébana angeregt, aber vor allem der geheimnisvolle Balken von Saint-Polycarpe (alle weiteren Fotos HLK 2008)

Das ehemalige Kloster Saint-Polycarpe (Aude):

Und hier der berühmte Balken – nur über Kopf zu fotografieren! Abbildung 3: Die drei Weisen aus dem Morgenland!

Abbildung 4: die armen Seelen werden im Purgatorium geläutert, überwacht von einem Engel?

Abbildung 5: das merkwürdige Tier mit den Bärentatzen, das Johannes in seiner Offenbarung beschreibt …

KLEINE LESEPROBE

„Der Schmerz wird nachlassen, Liebste“, sagte Miraval, „denn die Zeit kennt kein Ufer!“

Erstes Nachtgewölk erkämpfte sich den rosenrot gefärbten Himmel, als sie sich mit kleinem Gefolge und hoch zu Ross auf den Weg zur Kirche machten. Knechte hatten dafür gesorgt, dass die Gassen, durch die sie kamen, weitgehend von Unrat und Bettelvolk befreit worden waren. Einzig ein Bauernmädchen, das sich in der Rue de Filatiers aufhielt, schrie bei ihrem Anblick entsetzt: „Santa Katerina!“ und schlug im Laufen mit der Gerte auf ihre bockige Ziege ein.

Vor der Kirche brandete Jubel auf. Ihr Besuch war angekündigt worden. „Tolosa! Tolosa!“, riefen die Leute begeistert, als Roç vom Pferd sprang und Sancha den Arm reichte. Ein leichter Wind lupfte ihren dünnen hellgelben Schleier, der, am schmalen Stirnreif befestigt, auf maurische Art nicht nur das Haar, sondern auch das halbe Gesicht verbarg. Es war ihr noch immer Ernst mit dem Schwur, erst an jenem Tag auf den Schleier zu verzichten, an dem Toulouse erkennen würde, dass sie statt Liebreiz und Schönheit, Mut und Verstand zu bieten hatte.

Als sie an der Seite ihres Gemahls und gefolgt von Petronilla, Miraval, den Pagen und Knappen, durch das Portal in das Dunkel der Kirche schritt, dachte sie im Stillen, dass sie sich eigentlich immer am wohlsten in der Umgebung von klugen Männern fühlte. Das war schon in Zaragoza so gewesen. Kemenatengeplänkel, das Lesen frommer Breviere oder gar feine Nadelarbeiten, wie Leonora sie schätzte, lagen ihr nicht. Wie hatten sie alle drei gelacht, Roç, Miraval und sie, bevor sie zum Kirchgang aufgebrochen waren: Magische Kreuze an den Wänden! Mene, mene Tekel!

Auch Miraval war der Meinung gewesen, dass Bischof Fulco eine neue Schurkerei angezettelt hatte, um das Volk auf seine Seite zu ziehen. Aber wer hatte das „Wunder“ für ihn eingefädelt und wie? Diese neue Bruderschaft der Weißen Büßer? (Copyright: HLK)

Für eine längere Leseprobe:  Amazon-Bestell-Link anklicken – und dann „Blick ins Buch“; hier stehen fast 6 Kapitel zum Einlesen bereit.

Und zum Schluss das Aquädukt, das im Roman ebenfalls eine Rolle spielt. Welche, wird an dieser Stelle nicht verraten …

Viel Freude beim Lesen und Mitfiebern mit Sancha und ihren Freunden wünscht Ihnen und euch

Helene L. Köppel

 

 

 

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