Gratis-Kurzgeschichte

Die erste von sechs Kurzgeschichten aus “SANCHAS HOFNARR” ist ab sofort in ganzer Länge auf dieser Homepage veröffentlicht!

Viel Freude beim Lesen und Eintauchen ins Hohe Mittelalter wünscht Ihnen

Helene Köppel

Über eine erste Lesermeinung am Donnerstag 24. Mai 2013 habe ich mich sehr gefreut:

  • Hermann Markau “Sehr schöne Geschichte – und in einer unnachahmlich passenden, schönen Sprache!”

(Foto HLK)

 

 

 

Blut.Rote.Rosen

Self-Publishing als E-book? Auch wenn es noch immer Leser, ja neuerdings sogar Autorenkolleginnen und -kollegen gibt, die darüber die Nase rümpfen, ermöglicht SP nicht nur eine Neuauflage der eigenen Backlist*, sondern auch das Erscheinen sogenannter Nischenbücher, z.B. Romane, die abseits des Mainstreams angesiedelt sind und mangels Verlegermut (Umsatzerwartung, Risikoscheu!) nie erschienen wären.

Unter diese Sparte fällt auch mein neuer Thriller Blut.Rote.Rosen. Es ist mein 7. Roman – und das zweite Buch, das ich inzwischen (als sog. “etablierte” Autorin) in Eigenregie herausbringe. Man sieht – die Märkte ändern sich!

Klappentext-Entwurf:

Ein einsames Hotel in den Pyrenäen. Ein Mann, der mitten in der Nacht sein Zimmer verlässt. Auf seinen Schultern eine junge, leblos wirkende Frau.
Gebannt beobachtet die Nürnbergerin Steffi Conrad vom Fenster ihres Zimmers aus die Szene – und wird prompt dabei erwischt.
Zwei Wochen später trifft sie denselben Mann zufällig wieder. In Collioure, am Mittelmeer. Als Steffi auf eigene Faust Ermittlungen nach der Verschwundenen anstellt, stößt sie auf eine unglaubliche Geschichte und gerät dabei selbst in Gefahr.
Ein fesselnder Thriller, der bis in die Zeit des DRITTEN REICHES zurückreicht.

Bis in die Zeit des Dritten Reiches? Genau hier lag der Knackpunkt, weshalb mein neuer Thriller zu den Nischenprodukten zählt.

Eine “entschärfte” Version meines Romans, wie es mir vorgeschlagen wurde, lehne ich ab.

Mache sich jeder selbst seinen Reim drauf!

 

  • Blut.Rote.Rosen erscheint voraussichtlich im August 2013, als Amazon/Kindle E-book und zusätzlich gedruckt (Create-Space).

 

Fotos HLK 2010 – aus: St. Just-de-Valcabrère und St. Bertrand – de Comminges, beides Schauplätze des Romans. Heidnische Maske und Blick aus dem Fenster des o.g. Hotels (in dem übrigens auch Tucholsky auf seiner Pyrenäenreise abstieg.)

Zuletzt: Wer meinen Thriller “Die Affäre Calas”/”Die Affäre C.” gelesen hat, wird in Blut.Rote.Rosen auf zwei alte Bekannte treffen: Steffi Conrad und Kommissar Maurice Claret. (Beide Romane sind aber auch eigenständig zu lesen.)

*Back-List: Bücher, die bereits jahrelang in gedruckter Form auf dem Markt waren, aber inzwischen nicht mehr oder nur gebraucht erhältlich sind.

 

Und der Größte unter ihnen war der Hund …

Noch immer umgibt die Baumeister aus dem Hochmittelalter – vor allem diejenigen, die die neue Kunst des Kathedralbaus beherrschten – eine geheimnisvolle Aura. Ich bin ihnen seit Jahren auf der Spur, fotografiere ihre persönlichen Hinterlassenschaften, d.h. ihre Zeichen, die manchmal Runen ähneln oder eben Freimaurer-Symbolen, wie zum Beispiel in der Kirche von Orcival (Auvergne).

Goethe schreibt über die Baumeister aus dem Mittelalter: “Ihre großen Vorteile: durch geheime Zeichen und Sprüche sich den ihrigen kenntlich zu machen … organisiert denke man sich eine unzählbare Menschenmasse durch alle Grade der Geschicklichkeit dem Meister an die Hand gehend, durch Religion begeistert, durch Kunst belebt, durch Sitte gebändigt; dann fängt man an zu begreifen, wie so ungeheure Werke konzipiert, unternommen und, wo nicht vollendet, doch immer weiter als denkbar geführt worden…” (Über Kunst und Altertum in den Rhein- und Maingegenden)

Das verborgene Wissen der Baumeister steckt ganz sicher auch in der Symbolkraft ihrer Arbeit und ihrer Werkzeuge - z.B. Zirkel, Senklot, Richtscheit, Wasserwaage, Winkelmaß.

(Baumeister aus dem Mittelalter mit Phrygischer Mütze, Holzschnitt von Jost Amann)

In der gotischen Ritterkapelle von Haßfurt (1431 – 1465 + spätere Renovierungen) habe ich auf dem Fenster hinter dem Altar einen solchen Baumeister entdeckt: 

Nikolaus, so sein Name, misst mit der rechten Hand den Winkel (oder handelt es sich um den geheimen Lehrlingsgruß?), mit der linken hält er das Senklot. Sein persönliches Zeichen (schwarz auf gelbem Grund) befindet sich etwas unterhalb auf dem grauen Baumeisterschurz (?).

Je nach dem Grad seiner Weihen wurde ein sog. Dévorant (ein Mitglied der jeweiligen Baumeisterbruderschaft (wie z.B. die Kinder Salomos) FUCHS, WOLF oder HUND genannt, wobei es heißt, der HUND sei der Baumeister mit der größten Würde gewesen.

Der französische Autor Gérard de Sède (1921-2004) schreibt darüber, dass der Eingeweihte des ersten Grades FUCHS  hieß, der des zweiten Grades WOLF, aber nur derjenige, der nach fünf Jahren Probezeit sein Meisterstück vollendet hätte, würde auch die Weihen des dritten Grades erreichen und HUND genannt werden.

 

  • Dass ich in der Ritterkapelle tatsächlich auf einen solchen HUND traf, hoch oben im Konsolenbereich, hat mich dennoch überrascht. Er ist so schwarz wie das Wams und der Hut des Baumeisters, der einen Ehrenplatz auf dem Kirchenfenster der Ritterkapelle zu Haßfurt erhielt.

Aber gab es denn in Haßfurt überhaupt eine Baumeister-Zunft in dieser Zeit?

Das, was Dr. Jürgen Lenssen, Domkapitular in Würzburg, in der kleinen Broschüre über die Ritterkapelle zu Haßfurt schreibt, deutet für mich stark auf eine solche Bruderschaft hin:

“An der Stelle der ehemaligen Pfarrkirche von Haßfurt errichtete die 1402 vom Stadtpfarrer Johann Ambundi und dem Ritter Dietrich Fuchs von Wallburg gegründete Bruderschaft von Klerikern und Laien eine Marienkapelle, deren Chor 1431 begonnen und 1465 geweiht wurde.”

 

  • Nächste Abbildung eine sog. “Wolfsangel”, die auch in der Architektur eine Rolle spielt:

Zwei Legenden um die Baumeisterwürden FUCHS, WOLF und HUND

Der Sage nach soll ja der Teufel selbst den Kölner Dom entworfen haben – die Glocken jedoch seien unter seiner Anweisung in der Gießerei eines mysteriösen Schmiedes namens WOLF gegossen worden. Die Chansons de gestes (11.-13. Jh) hingegen erzählen eine etwas andere Version, in der die Erbauer des Kölner Doms einen Helden (?) namens Renaud (FUCHS) töteten. Ein weiterer Baumeister – dieses Mal mit dem Namen WOLF,  wird wiederum mit dem Bau der Gruft Karls des Großen in Aachen in Zusammenhang gebracht.

 

  • In Haßfurt gibt es sehr viele Baumeisterzeichen, wobei ich bezweifle, dass ich alle entdeckt habe:

Drei Köpfe, darunter ein sog. “Grüner Mann” (heidnisches Fruchtbarkeitssymbol, leider sind die grünen Blätter irgendwann übermalt worden). Auch hier hat sich ein Baumeister “verewigt” (unterhalb des steinernen Zierrats):

Auf obigem Foto gibt es gleich zwei Baumeisterzeichen zu bewundern. Über dem Kamel sinnigerweise eines in Pyramidenform …

Abschließend noch ein Foto vom gotischen Altar und dem dahinter liegenden farbigen Kirchenfenster, auf dem sich, direkt neben dem Kopf der Gottesmutter, Nikolaus, der HUND befindet, der Baumeister mit der größten Würde … 

 

  • Ein letztes Wort: Mittelalterliche Baumeister verzierten ihr wichtigstes Instrument, den Zirkel, gerne mit dem Wahlspruch: DIRIGO ET DIRIGOR – Ich lenke und werde gelenkt.
  • In bedeutenden Kathedralen – wie zum Beispiel in Chartres (Nordfrankreich) war es oft der Bischof selbst, der mitunter den “HUND” gab und den Baufortschritt mit Zirkel und Argus-Augen überwachte – hier ein Fenster der Krypta, das Bischof Fulbertus von Chartres (925 – 1028) mit dem Stechzirkel zeigt:

(Empfehlenswerte, anschauliche Lektüre: “Was ist Gotik”, von Günther Binding; “Die Zeit der Kathedralen”, von Georges Duby; “Die Geheimnisse der Kathedrale von Chartres”, von Louis Charpentier; u. a.)

Alle Fotos von HLK, 2009, 2012 bzw. 2013)

 

 

 

 

 

 

Sanchas Hofnarr

„Weshalb nennt man Falk von Hagelstein einen Narren? Er ist doch kein Zwerg und trägt auch kein Schellenkleid“ – fragt neugierig der junge Graf von Toulouse eines Nachts seine Gemahlin Sancha.

Hartgesottene Fans und interessierte Leser von Historischen Romanen werden sich hoffentlich nicht von den sechshundert Seiten meines neuen Werkes “Sancha – Das Tor der Myrrhe” abhalten lassen – zumal der Geschichte wahre und spannende Ereignisse zugrunde liegen.

Doch für den Fall der Fälle, dass die Zeit oder die Lust zum Lesen eines dicken Schmökers fehlt, gibt es jetzt die Möglichkeit zum “Reinschnuppern” in den Roman:

Sechs kurzweilige, heitere und nachdenkliche Episoden um Sanchas blonden „Hofnarren wider Willen“, den das Rad des Schicksals im 13. Jahrhundert von Deutschland nach Frankreich verschlug. (Amazon/Kindle E-book 99 Cent)

Zur Figur des Hofnarren:

Wie der Zufall so spielt: Die Rohfassung des Romans Sancha – Das Tor der Myrrhe stand bereits, Falk von Hagelstein war längst geboren, da fiel mir ein Foto in die Hand, darauf ein Narr aus Ton wie er prachtvoller nicht sein konnte – und im Gesicht pure Eitelkeit! Ich wusste sofort: Das war Falk von Hagelstein, der “Hofnarr wider Willen”!

Hagelsteins Geschichte ist rein fiktiv. Authentisch ist jedoch der erwähnte Freidank, ein deutscher Dichter aus dem 13. Jahrhundert (+1233 im bayerischen Kaisheim). Die 3800 Verse seiner “Bescheidenheit” existieren noch heute.

(Künstler Dominique Friedrich, Foto Michael Meurer, mit freundlicher Genehmigung)

ZEIT: Beginn des 13. Jahrhunderts; ORT: Südfrankreich und Deutschland

INHALT des Kurzgeschichten-E-books:

I. Sancha und Falk lernen sich kennen

II. Falk erweckt das Misstrauen der Toulouser Knappen

III. Falk, sein Liebchen, die Templer und die Zwerge

IV. Falk trifft auf den Böhmen Boleslâv

V. Falk in Diensten bei Mätzli und Fritzo Rübsam

VI. Falk flieht vor dem Teufel Bodo

VII. Zur Figur des Hofnarren

VIII. Historisch verbürgte Figuren

IX. Historische Einführung in „Sancha – Das Tor der Myrrhe“

X. Glossar

XI. Romane von Helene Luise Köppel

Bestell-Links

 

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Helene Luise Köppel

 

 

Meine verrückten Collagen …

“Enten legen ihre Eier in aller Stille. Hühner gackern dabei wie verrückt … Was ist die Folge? Alle Welt isst Hühnereier! (Henri Ford, amerik. Automobilhersteller, 18863-1947)

 

BUCHWERBUNG – Überflüssiges GEGACKER???

Wie so oft, bringt es Voltaire für mich auf den Punkt: “Das Überflüssige*, ein höchst notwendiges Ding!”

(*Voltaire war eitel – er dachte stets auch an seine eigenen Bücher!)

BLICK INS BUCH: “Der Narr stieß weit den Laden auf. Sancha trat neben ihn und warf einen Blick auf die weiße Winterpracht. Krähen stolzierten auf den Feldern umher. Die Gefolgschaft des Teufels. So nannte man auch die Ketzer … “ (aus “Sancha …)

Tout le monde (die ganze Welt) steht Kopf … hoffentlich vor Begeisterung! (Die Fotos entstanden in Arles und in Collioure)

Sechs auf einen Streich? Geschrieben wurden sie brav hintereinander …

BLICK INS BUCH “Als er nach der mit Levkojen bewachsenen Trockenmauer Ausschau hielt, vor der seine Mutter im Sommer oft saß, um die Gottesanbeterinnen zu beobachten, die sich dort oben sonnten, fand er nur noch das Fundament vor …” (aus “Sancha …”)Blick ins Buch: “Ramon Schneider, ein blutjunger Fachanwalt für Familien- und Strafrecht – ich teilte mit ihm seit einem halben Jahr meine Kanzleiräume am Burggraben, in Nürnbergs bester Lage -, war sichtlich schockiert. Ich erklärte ihm, dass man aus privaten Gründen keinen Prozess platzen lassen könne. ´Doch ich muss nach Toulouse! Ich muss wirklich`, beschwor ich ihn.” (aus “Die Affäre C.”; Foto Toulouse, Anwesen der Familie Calas).

Thriller – what else …

Sogar der Heilige Ludwig musste dran glauben, er zumindest würde vor Entsetzen Kopf stehen …

 

Die meisten “Gefällt mir” – Klicks bei Facebook erhielt bislang meine Foto-Werbung betitelt “… mit ohne Zähne”, wobei am Foto selbst (und demzufolge auch an der Autorin) schon leicht der Zahn der Zeit nagt!

Die hier beworbenen Romane spielen allerdings ebenfalls im Mittelalter :-)

Blick ins Buch: “Als sie ihm am nächsten Morgen das gesäuberte Wams brachte und ein frisches Hemd, ging es ihm etwas besser. Aus halbgeöffneten Augen betrachtete er die Frau, erinnerte sich an ihren Namen, mit dem der Nachbarjunge sie angesprochen hatte: Grazide. Sie war nicht jung, aber auch nicht alt. Früher, als sie noch all ihre Zähne besaß, musste sie überaus ansehnlich gewesen sein …” (aus Sancha – Das Tor der Myrrhe)

Um Längen weniger spektakulär ist die nächste Cover-Collage – aber sie gefiel mir besonders! (Foto-Hintergrund: Kirche in Varengeville, Normandie, 2012)

Bestens eignete sich auch mein “teuflischer” Roman “Marie – Die Erbin des Grals” für die Collagen-Werbung …

Blick ins Buch: “Mit Erschrecken hatte ich nämlich am Ende seiner Predigt erkannt, weshalb der Bischof keine Miene verzogen hatte im Angesicht des Teufels aus der Manufaktur Giscard & Söhne. Mit näselnder Stimme und schmeichlerischem Tonfall hatte er sich an Bérenger persönlich gewandt und vieldeutig gesagt: “Ich weiß Ihre Dankbarkeit wohl zu schätzen, Monsieur le Curé!”

“Man kommt zum Schaun, man will am liebsten sehn”, sagte Goethe.

Was aber, wenn die Werbung so erfolgreich war, dass man die Bücher auch gerne lesen möchte?

Hier der Weg zum Leseglück (jedes E-book ca. 4.– Euro):

  Viel Spaß!

 

NEU: Web-Glossar zu meinen Historischen Romanen

 

EIN KLEINER SERVICE für meine Leserinnen und Leser! 

(Auch zum Ausdruck geeignet!)

Unabhängig vom jeweiligen Romananhang stelle ich auch hier ab sofort ein Glossar zur Verfügung, Es handelt sich um Erklärungen und Übersetzungen aus dem Lateinischen, Französischen und Okzitanischen.

ERKLÄRUNGEN

ALFAMA – heißes Bad, Dampfbad im maurischen Spanien.

ALPHABETUM KALDEORUM – bekannt Geheimschrift aus dem Mittelalter. Kaldeorum/Chaldäer.

ANATHEMA – Kirchenbann, die traditionelle Reaktion der Kirche auf Häresie nach der Exkommunikation.

AVERROISTEN – Der Averroismus entwickelte sich in Paris um 1250. Seine führenden Vertreter Siger von Brabant und Johannes von Jandun übernahmen Averroes` Lehren von der Ewigkeit der Welt und der einen, allen gemeinsamen Vernunft, was u.a. bedeutet, dass die Vorstellungen der Religion nur allegorische Verhüllungen der reinen philosophischen Wahrheit sind.

BIBLISCHER GARTEN - Ideengeber war der Biblische Garten der Martinskirche in Billigheim.

BRUCHE – (BROUCH, BRAIS) – Schamhose

CAGOTEN – verachtete Pyrenäenpopulation, im Hochmittelalter als “Crestians” bekannt.

CAMELOT – (deutsch Cemeltaft) Stoff aus Wolle und Seide.

CANONES – kirchliche Synodalbeschlüsse

CORPORIS – des Körpers (corpus – corporis)

CAVALLER - Chevallier, Ritter (span.)

CORTAL – einfache Schäferhütte, Verschlag

DANTE ALIGHIERI – 1265 in Florenz – 1321 in Ravenna, Autor der “Divina Commedia”, einer Art Vision, die das Leben der Seelen nach dem Tod in drei Reichen des Jenseits schildert. Hat die Feierlichkeiten anlässlich des Jubeljahres 1300 in Rom miterlebt (Die Hölle, 18. Gesang, 28-33). Wie die Katharer erbitterter Feind von Papst Bonifatius VIII.

DAVIDSTERN – benannt nach König David, Hexagramm, bereits im Alten Orient bezeugt, Bedeutung als magisches Zeichen in der Alchemie und Kabbala. Bezeichnung stammt aus einer mittelalterlichen Legende; später religiöse Bedeutung als Symbol des Judentums und des Volkes Israel.

FARANDOLE – provencalischer Schlängelreigen

FLOIRE UND BLANCHEFLOR – altprovencalischer Liebesroman, Auseinandersetzung Orient-Okzident, erfreute sich bis ins 16. Jh in ganz Europa großer Beliebtheit.

GOUFE – Kopfbedeckung, die unter Helmen getragen wird.

DAS JUBELJAHR 1300 – nach dem Vorbild des alttestamentarischen “Jobeljahres” rief Bonifatius VIII. das Jahr 1300 zum Jubeljahr aus (das neue Jahr begann damals am Weihnachtstag, nicht am 1. Januar). Vollkommener Ablass aller Sünden (Bedingung: Beichte, Kommunion und Besuch der beiden Apostelgräber und zwar Einheimische dreißigmal an 30 verschiedenen Tagen, Fremde fünfzehnmal an 15 verschiedenen Tagen); gewaltige Pilgerströme aus aller Welt.

JUDE APELLA – Credat ludaeus Apella, non ego – “Das soll der Jude Apella glauben, ich nicht! (Horaz) Redewendung. Hintergrund dieses Ausrufs war ein Gerücht, es gebe in Apulien eine Weihestätte, wo sich Weihrauch ohne Feuer verzehre (Hubertus Kudla, Lexikon der latein. Zitate, München, 2007, S. 199).

KATHARER – bedeutende dualistische Ketzerbewegung im 12. und 13. Jahrhundert, hauptsächlich im Süden Frankreichs, aber auch in der Lombardei, in Flandern und in Deutschland (Köln). Nach neuesten Schätzungen zählte eine halbe Million Gläubige zu ihren Anhängern. Enge Übereinstimmung in der Lehre mit den bogomilischen Kirchen in Bulgarien, gemäßigte und (ab 1167) auch radikale Richtung (Zwei-Götter-Dogma); bewusst einfaches und gewaltloses Leben der Perfekten und Bischöfe. Dreiteilung der Katharischen Kirche in Gemeinde-Perfekt-Bischof. Den Katharern schlossen sich große Teile des okzitanischen Adels an (vor allem Frauen von gesellschaftlichem Rang). Albigenserkreuzzug (1209-1229), später Verfolgung durch die Inquisition, womit die Beherrschung Okzitaniens durch die Krone Frankreichs eingeleitet wurde. Trotz blutiger Verfolgung konnten die Katharer sich bis ins 14. Jh halten.

KOMPLET – Stundengebet im Kloster

LEGENDE DER DREI TORE – geht auf die Plünderung des Jerusalemer Tempelschatzes durch die Römer am Ende des Jüdischens Krieges (66-70 n. Chr.) zurück. Nach der Eroberung Roms durch die Westgoten (410) wurde, nach Prokop von Cäsarea, ein Teil dieses Schatzes in die Gegend von Carcassonne gebracht.

MAGI – biblische magi, die Weisen aus dem Morgenland

MANICHÄER – Der Perser Mani (215-274) stiftete – orientiert an den alten persischen Vorstellungen Zoroasters – eine gnostisch verstandene Religion (ausgeprägter Dualismus), die von der christlichen Kirche hart bekämpft wurde. Manichäische Gemeinden hielten sich jedoch bis ins Mittelalter.

MISELSUCHT – Aussatz, Lepra, im Mittelalter weit verbreitet. Gewöhnlich wurde ein Verdacht auf Lepra erst durch Gerüchte oder eine Anzeige des Nachbarn bekannt. Der Beschuldigte musste sich einer Untersuchungskommission stellen, die im Mittelalter aus dem Bischof, einem Geistlichen, einem bereits Erkrankten und einem Arzt bestand. Anzeigen wegen Lepra wurden im Mittelalter manchmal benutzt, um jemanden zu diskreditieren oder eine geschäftliche Konkurrenz auszuschalten.

OKZITANISCHE SPRACHE – im Mittelalter roman genannt, um sie vom Lateinischen und der Sprache der Nordfranzosen frances zu unterscheiden; wurde durch die Troubadoure des 12. und 13. Jh verbreitet. Dante bezeichnete sie als Lingua d `oco. Sie ist mehr mit dem Katalanischen und Italienischen verwandt als mit dem Französischen. Katalanisch und das mittelalterliche Okzitan sind fast identisch.

PATARENER ODER ALBIGENSER - andere Bezeichnung der Katharer. Bis 1167 befand sich in Albi der einzige katharische Bischofssitz in Südfrankreich, daher nahm man fälschlicherweise an, dass hier auch die Zentralgewalt der katharischen Kirche ihren Sitz hatte.

PARATGE – abstrakter Begriff, in okzitanischen Quellen genannt; Bedeutung: Ehre und Achtung vor der Gleichheit der Seelen. Menschen verschiedenen Standes können eine vergleichbare Ehre und Würde aufweisen (keine Gleichberechtigung im heutigen Sinn!)

PLURALIS MAJESTATIS – die Bezeichnung der eigenen Person im Plural als Ausdruck der Macht.

POMPONIUS MELA – Geograph der Römer (um 40 n. Chr.) hochgeschätzt, beschreibt in seinen Aufzeichnungen eine Schiffsreise durch das “mare nostrum”, das Mittelmeer.

PURGATORIUM – Reinigungsort, Fegefeuer.

SE CANTA – auch bekannt als Se Chanto oder Aqueras Montanhas, altes okzitanisches Lied (später Protestlied gegen die Vernachlässigung der Region); vermutlich von Gaston III. Febus (1331-1391) geschrieben, möglicherweise älter.

SKELETTFUND AUF DÉROUCA – bezieht sich auf den Roman “Alix – Das Schicksalsrad”

DAS THOMAS-EVANGELIUM – 1945 von ägyptischen Bauern in einem Tonkrug bei Nag Hammadi wiederentdeckt, ist eine Sammlung von 114 Aussprüchen Jesu, die auf schriftliche und mündliche Quellen kurz nach der Kreuzigung zurückgehen sollen. Erste Erwähnung durch Origines 233. Die in Ägypten gefundene Handschrift in koptischer Sprache wird auf das Jahr 400 datiert. Der ursprüngliche griechische Text ist verschollen. Ob der Jünger Thomas der Autor ist, ist nicht gesichert. Die Öffentlichkeit erhielt erst 1975 Zugang zur gesamten Textsammlung. Inzwischen in mehrere Sprachen übersetzt. Es gibt deutliche Hinweise auf den Gebrauch des Thomas-Evangeliums bei den Katharern, z.B. heißt es im berühmten katharischen Gebet “… ihr treulosen Pharisäer, die ihr an den Toren des Königreichs steht und verhindert, dass diejenigen, die eintreten möchten, es tun …” Dazu der 39. Logus des Thomas-Evangeliums: “Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben die Schlüssel zur Erkenntnis erhalten, und sie haben sie versteckt. Sie sind auch nicht eingetreten, und die, die eintreten wollten, haben sie nicht eintreten lassen.”

THERIAK – spielte von der Römerzeit bis ins 19. Jh eine wichtige Rolle nicht nur als Arzneimittel, sondern auch als Droge (pflanzliche und tierische Wirkstoffe, Saft aus der Mohnkapsel). Im Mittelalter hatte Theriak den Ruf eines Allheil- und Wundermittels.

TOLLKISTEN – Geisteskranke wurden im Mittelalter vielfach in der Familie versorgt; die Obrigkeit sperrte sie jedoch oft in Türme oder in sog. “Tollkisten” (Dordenkisten), die vor den Mauern der Städte standen.

WALDENSER - christliche Laienprediger-Bewegung, gegründet von Petrus Waldes (gest. um 1217), einem reichen Kaufmann aus Lyon, der sein Hab und Gut verschenkte. Das Glaubensbekenntnis der Waldenser wich nicht annähernd so wesentlich vom katholischen ab wie das katharische.

WUNDERBEZEUGUNGEN – Die im Roman geschilderten Wunder (Kreuze in Toulouse, Staubteufel etc.) werden in der Historia Albigensis erwähnt.

ZINDELTAFT – sehr leichter Taft.

JERUSALEMSPEISE – mittelalterliches Fastengericht, z.B. Barsch in Mandelmilch und Zucker.

ÜBERSETZUNGEN (französisch, latein, oktizanisch usw.)

A lor! – Schlachtruf: “Für Euch!” (oc)

Alors – in der Bedeutung von “nun” (fr.)

As armas, chivaler! – zu den Waffen, Ritter (oc)

Au nome de Jésu-Christ – im Namenvon J.Chr. (fr.) okzitan. Schreibweise: Jhésu Crist

Audiartz/Audiart – Auditor/ Jünger, Schüler (lat)

Be siatz vos vengutz! – Herzlich willkommen (oc)

Bels fraire – lieber Bruder (oc)

Beth! - schön (oc)

Bien parlez – gut gesprochen (oc)

Desponsatio – im Roman “Verlobung” (lat)

Dieus aiuda – Gott möge helfen (oc)

Druerie – Galanterie, Spaß an der Liebe (altfranz.)

Ecclesiasticus – liber ecclesiasticus – das Buch Jesus Sirach (latinis. griechisch)

El nom del Payre e del Filh e del Sant Esperit – Im Namen d. Vaters u. d. Sohnes/oc)

Escoutatz – Hört! (oc)

Fatum – Schicksal (lat)

Filh de putan – Hurensohn (oc)

Frérèche – Verbrüderung (oc)

Foutredieu – Schimpfwort (Foutredieu de Bordel de merde) (fr)

Hélas – Ach! (oc, fr)

Ho! Hisse! – Hau-Ruck! (fr)

Hidalgo – niederer, spanischer Adel

Hyle – Materie (griech.)

Indult – Gnadenerweis (lat)

Juvenil – jugendlich (lat)

Kypros – Zypern

Lectio divina – Lesung heiliger Schriften (lat)

Litterae – Buchstaben (lat)

Ma Dame (oc) – Madame (fr) – Anrede

Mare de Deu – Mutter Gottes (oc)

Mère folle – Narrenmutter (fr)

Non possumus – “wir können nicht”, Weigerungsformel der röm. Kurie der weltlichen Macht gegenüber (lat)

Nunc est bibendum – Jetzt lasst uns trinken! (lat)

Òc – ja (oc)

Oculus Dei – das am Himmel stehende göttliche Auge (lat)

Outremer – von outre mer – jenseits des Meeres, gemeint sind die Kreuzfahrerstaaten (fr/oc)

Pacta sunt servanda – Verträge sind einzuhalten (lat)

Per exemplum – zum Beispiel (lat)

Puèg – Pog - Gipfel (oc)

Per la Verges Maria maire – Bei der jungfräulichen Mutter Maria (oc)

Putain de merde – schlimmes Schimpfwort (fr)

Que Dieus et Dreitz governa – Gott und Recht regieren (oc)

Racaille – Gesindel (fr)

Sénher / Senhors – Anrede Herr / Herren (oc)

Signa – Signum – Zeichen (lat)

Superbia, Avaritia, Gula, Luxuria – Hochmut, Habsucht, Völlerei, Wolllust (4 Todsünden)

Ta gueule! – Halts Maul! (fr)

Tue, tue! – Schlachtruf der Franzosen beim Kampf um Toulouse, von “tuer” – töten, schlachten. (fr)

Zulp – Schnuller (alte deutsche Bezeichnung)

Zur Geschichte Okzitaniens führt dieser Link:  KATHARER

LINKS zum Bestellen  – (jedes E-book ca. 4.– Euro)

 

 




 

 

NEU! “Sancha … Das Tor der Myrrhe”

Voila – mit einem Augenzwinkern (Fotomontage!) stelle ich hier erstmals meinen neuen Historischen Roman und zugleich die Protagonistin SANCHA von Aragón vor. Sie lebte und wirkte zu Beginn des 13. Jahrhunderts an einem der zivilisiertesten und duldsamsten Höfe des Abendlandes, nämlich in Toulouse - auf das sich im Jahr 1211 der Kreuzzug der Franzosen zubewegt. Die Ketzerei soll getilgt, Südfrankreich annektiert werden.

Getrieben vom heißen Wunsch, die bedrohte Stadt ihres blutjungen Gemahls zu retten, um sich Liebe und Anerkennung zu verschaffen, macht sich Sancha mit einigen Getreuen auf die Suche nach dem Tor der Myrrhe. Dort soll sich ein Gegenstand befinden, von dem es heißt, er würde selbst Päpste und Könige erschüttern.

Simon von Montfort, der charismatische Anführer der Kreuzfahrer, zwei hochrangige Prälaten und die Tempelritter sind jedoch ebenfalls hinter dem Geheimnis her. Jeder bespitzelt jeden.

Welches Lager steckt hinter dem grausamen Mord im Kloster Gellone? Und was hat es mit der Apokalypse des Johannes auf sich? Wer verbirgt sich hinter Falk von Hagelstein, jenem undurchsichtigen eitlen “Narren” aus Deutschland, der Sancha seit ihrer Kindheit nicht von den Fersen weicht?

Bald stehen die Kreuzfahrer vor Toulouse. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

Gelingt es Sancha, die Stadt mit einer List zu retten?

ZU TOULOUSE - “von allen Städten die Blume und die Rose”, wie sie der Troubadour Guillaume de Tudèle einst beschrieb (Que de totas ciutatz es cela flors e rosa). Toulouse hatte im 12./13. Jahrhundert ca. 30 – 35 Tausend Einwohner. Die gleichnamige Grafschaft war das mächtigste aller Fürstentümer, die seinerzeit vom Kreuzzug bedroht waren. Zu den umfangreichen Ländereien der Raimundiner, wie man dieses Grafengeschlecht nannte, gehörte auch die Provence. Die Raimundiner nannten sich: “Graf von Toulouse, Herzog von Narbonne, Markgraf der Provence, Graf von Melgueil”.

Nachstehend eine der seltenen Abbildungen ihres Schlosses, des Château Narbonnais` – auch das “Rote Schloss” genannt, weil es ganz aus Backsteinen erbaut war (wie noch heute viele Häuser in Toulouse). Links im Bild die im Mittelalter, bei Hochwasser, gefürchtete Garonne.

Siegel und Wappen Raymonds VII. von Toulouse (Sanchas Gemahl, im Roman Roc genannt)

HISTORISCHER HINTERGRUND

Tötet sie alle, Gott wird die Seinen schon erkennen! Nach der Ermordung des päpstlichen Legaten Pierre de Castelnau marschiert im Jahr 1209 ein großes Kreuzfahrerheer in den bis dahin unabhängigen Süden Frankreichs (Okzitanien), um die „Erstgeborenen des Satans“, wie Rom die Katharer bezeichnet, auszurotten. Zum ersten Mal kämpfen Christen gegen Christen – wobei ein Teil der Kreuzfahrer aus Deutschland kommt. Innerhalb weniger Wochen werden die befestigten Städte Béziers und Carcassonne mit kaum vorstellbarer Brutalität erobert, das Umland verwüstet.

Zwei Jahre später hat der Kreuzzug gegen die Katharer schon mehr als 20 000 Tote gekostet und es geht nicht mehr ausschließlich um Religion. Die reiche und kulturell hochstehende Grafschaft Toulouse ist jetzt das Ziel der Barone und Prälaten des Nordens. Simon von Montfort, der militärische Befehlshaber der Kreuzfahrer, wirft sich mehrfach gegen die Mauern von Toulouse, kämpft aber auch gegen die Feigheit seiner eigenen Barone und Ritter, die ihn oft vor Ablauf der vereinbarten Zeit verlassen.

Simon von Montfort, der militärische Heerführer der Kreuzfahrer

Sein Feind und Gegenspieler, Raymond, der Graf von Toulouse VI. – in der Vergangenheit mehrfach von Rom exkommuniziert und als Ketzerfreund gedemütigt -, weigert sich standhaft, Montfort Truppen zuzuführen und zugleich die Katharer aus seinen Ländereien zu vertreiben. Raymond VI., nach dem König von Frankreich der wohl mächtigste „Seigneur der Christenheit“, stützt sich bei seiner Verteidigung auf ergebene Vasallen und einflussreiche Verbündete wie den König von Aragón, Peter II., an dessen Treue zu Rom kein Zweifel besteht.

König Peter II. von Aragón

Zur Festigung seiner eigenen Territorien und Bündnisse in Okzitanien hat König Peter II. seine Schwestern Leonora und Sancha mit den Raymonds, den Grafen von Toulouse (Vater und Sohn) verheiratet.

Ihr gemeinsames Ziel ist es nun, die drohende Okkupation durch die Franzosen abzuwenden, damit es nicht schon bald heißt: Ai, Tolosa! O weh, Toulouse!

(Foto HLK 2006)  Raymond VII. von Toulouse mit seiner Gemahlin Sancha – die einzige Abbildung, die die beiden als Paar zeigt. Zu finden in Cordes-sur-Ciel, einem Ort im Departement Tarn, gegründet von Raymond VII. im Jahr 1222.

Zu weiteren PERSONEN

Die meisten Personen, die in meinem neuen Roman vorkommen, haben wie Sancha und ihr Gemahl tatsächlich gelebt. Im nächsten Bild sieht man Raymond VI., der zugleich Sanchas Schwiegervater und Schwager war. Raymond VI., als Dichter und Mann der Kultur bekannt, galt als tolerant gegenüber Juden und Katharern; er hasste den Krieg, sorgte für kommunale Freiheiten in Toulouse und in vielen anderen Städten seiner Grafschaft (frei gewählte Capitouls).

(Foto: “GFDL Guerin Nicolas”)

… eine wichtige Romanrolle hat auch Ramon von Miraval inne. Er war Troubadour und zugleich ein enger Freund Raymonds VI. Von Miraval gibt es nur diese Abbildung:

Weitergehende Informationen über Personen, Orte usw. finden Sie im umfangreichen Romananhang.

Ein Wort noch zu Falk von Hagelstein (fiktiv):

Ihn entdeckte ich kurz nach dem “Schöpfungsakt” zufällig auf einem Foto: Ein Narr aus Ton – im Gesicht pure Eitelkeit. Ich wusste sofort: Das war Falk von Hagelstein! Der Künstler Dominique Friedrich (http://www.frsw.de/keramik2.htm) hat mir erlaubt, ihn auf meiner Autoren-Homepage vorzustellen. (Danke Michael Meurer für die Überlassung des Fotos und die Kontaktherstellung!)

(Foto Michael Meurer)

… und zu den beim Schreiben so wichtigen Inspirationen:

Das Mittelalter war durchdrungen vom Geist der Apokalypse. Zur Einbindung der Offenbarung des Johannes in den Roman hat mich die Handschrift des Beat de Liébana angeregt, aber vor allem der geheimnisvolle Balken von Saint-Polycarpe (alle weiteren Fotos HLK 2008)

Das ehemalige Kloster Saint-Polycarpe (Aude):

Und hier der berühmte Balken – nur über Kopf zu fotografieren! Abbildung 3: Die drei Weisen aus dem Morgenland!

Abbildung 4: die armen Seelen werden im Purgatorium geläutert, überwacht von einem Engel?

Abbildung 5: das merkwürdige Tier mit den Bärentatzen, das Johannes in seiner Offenbarung beschreibt …

KLEINE LESEPROBE

“Der Schmerz wird nachlassen, Liebste”, sagte Miraval, “denn die Zeit kennt kein Ufer!”

Erstes Nachtgewölk erkämpfte sich den rosenrot gefärbten Himmel, als sie sich mit kleinem Gefolge und hoch zu Ross auf den Weg zur Kirche machten. Knechte hatten dafür gesorgt, dass die Gassen, durch die sie kamen, weitgehend von Unrat und Bettelvolk befreit worden waren. Einzig ein Bauernmädchen, das sich in der Rue de Filatiers aufhielt, schrie bei ihrem Anblick entsetzt: “Santa Katerina!” und schlug im Laufen mit der Gerte auf ihre bockige Ziege ein.

Vor der Kirche brandete Jubel auf. Ihr Besuch war angekündigt worden. “Tolosa! Tolosa!”, riefen die Leute begeistert, als Roç vom Pferd sprang und Sancha den Arm reichte. Ein leichter Wind lupfte ihren dünnen hellgelben Schleier, der, am schmalen Stirnreif befestigt, auf maurische Art nicht nur das Haar, sondern auch das halbe Gesicht verbarg. Es war ihr noch immer Ernst mit dem Schwur, erst an jenem Tag auf den Schleier zu verzichten, an dem Toulouse erkennen würde, dass sie statt Liebreiz und Schönheit, Mut und Verstand zu bieten hatte.

Als sie an der Seite ihres Gemahls und gefolgt von Petronilla, Miraval, den Pagen und Knappen, durch das Portal in das Dunkel der Kirche schritt, dachte sie im Stillen, dass sie sich eigentlich immer am wohlsten in der Umgebung von klugen Männern fühlte. Das war schon in Zaragoza so gewesen. Kemenatengeplänkel, das Lesen frommer Breviere oder gar feine Nadelarbeiten, wie Leonora sie schätzte, lagen ihr nicht. Wie hatten sie alle drei gelacht, Roç, Miraval und sie, bevor sie zum Kirchgang aufgebrochen waren: Magische Kreuze an den Wänden! Mene, mene Tekel!

Auch Miraval war der Meinung gewesen, dass Bischof Fulco eine neue Schurkerei angezettelt hatte, um das Volk auf seine Seite zu ziehen. Aber wer hatte das „Wunder“ für ihn eingefädelt und wie? Diese neue Bruderschaft der Weißen Büßer? (Copyright: HLK)

Für eine längere Leseprobe:  Amazon-Bestell-Link anklicken – und dann “Blick ins Buch”; hier stehen fast 6 Kapitel zum Einlesen bereit.

Und zum Schluss das Aquädukt, das im Roman ebenfalls eine Rolle spielt. Welche, wird an dieser Stelle nicht verraten …

Viel Freude beim Lesen und Mitfiebern mit Sancha und ihren Freunden wünscht Ihnen und euch

Helene L. Köppel

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Blick ins Buch … Die Affäre C.

Kurzbeschreibung

(Titel der Printausgabe: “Die Affäre Calas”, Aufbau-Verlag, Berlin, 2008, 439 Seiten)

Eine ungeklärte Chemieexplosion in Toulouse, ein Familiengeheimnis, Briefe aus Voltaires Feder, ein verschwundenes Gemälde und eine geheimnisumwitterte lateinische Inschrift. Ein gefährlicher Cocktail aus religiösem Wahn und Mord, der die junge Anwältin Sandrine Feuerbach und ihren Geliebten, den Journalisten Henri Gagnepain, ins Unglück treibt.
Inhalt:
An ihrem 33. Geburtstag erfährt Sandrine, dass ihre Tante in Toulouse gestorben ist. In Südfrankreich wartet nicht nur eine beachtliche Erbschaft auf sie, sondern auch ein Familiengeheimnis aus dem 18. Jahrhundert. Kaum hat sie mit Hilfe ihres Jugendfreundes Henri begonnen den alten Vorgängen nachzuforschen, verschwindet Henri spurlos. Doch erst als jemand versucht, sie zu ermorden, merkt sie, wie brisant die alte Affäre ist.

 

Kapitel 6

Wenn die Pedanten sich prügeln,

triumphieren die Philosophen.

Voltaire, Korrespondenz

aus den Jahren 1749 bis 1760

Im Zug nach Straßburg – 10.50 Uhr

Weitere Notizen für meine Aufzeichnungen, nur Stichworte, keine ganzen Sätze. Ausformulieren werde ich später, in Toulouse. Doch etwas scheint nicht richtig zu funktionieren. Ständig wollen mir gewisse Wörter durch die Finger rinnen, nur mit Mühe gelingt es mir, sie auf dem Papier zu fixieren. Es drängt mich niemand, aber schließlich ist meine Geschichte im Kopf schon weit fortgeschritten. Sie gilt es einzuholen.

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. In der zarten und zugleich dummen Hoffnung, Geschehenes rückgängig machen zu können, werde ich weiterhin die Gegenwart der Vergangenheit voranstellen, vielleicht um Zugriff auf das Schreckliche zu bekommen, das geschehen ist.

*******************************

Am Abend wickelten wir vorsichtig das Ölpapier auf. Über Henris Oberlippe standen kleine Schweißperlen, was mich verwunderte, denn mich fröstelte ständig in diesem Haus.

Die vergilbten Handschriften, die – muffig riechend – zum Vorschein kamen, stammten aus den Jahren 1762 und 1763. Auf den ersten Blick handelte es sich um unterschiedliche Stellungnahmen zum Fall Calas.

„Kaum zu glauben“, meinte Henri und schüttelte den Kopf. „Deine Tante wusste all die Jahre von diesen Briefen und hat keiner Menschenseele etwas gesagt? Wie sieht es mit ihrem Busenfreund aus, dem alten Laroque? War er nicht ihr Vertrauter in allem?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Fernand Laroque? Hast du ihn auf dem Friedhof gesehen? Nein, ich denke nicht, dass er von den Briefen weiß. Charlotte hat die Kassette nach dem Tod von Onkel Alphonse in Sicherheit gebracht, nachdem schon ein Brief verlorengegangen war. Ich habe auch Sam nicht eingeweiht. Wir beide, du und ich, sind wohl augenblicklich die einzigen, die von meinem Familiengeheimnis Kenntnis haben.“

Kaum dass Sams Name ausgesprochen war, hatte ich unkontrolliert zu zittern begonnen, was diesmal nicht an der Kälte lag. Diese andere Frau und die Trennung verdarben mir gründlich die Freude an Charlottes Hinterlassenschaften. Ja, ich war noch immer richtig wütend. Auch auf mich. Doch Wut soll in solchen Fällen hilfreich sein. „Mir ist kalt“, sagte ich, um mein Zittern vor Henri zu erklären. „Könntest du vielleicht den Kamin anschüren?“

Er nickte, legte die Papiere zurück und machte sich an die Arbeit. Nachdem das Feuer flackerte, befahl er mir, mich in Charlottes Sessel zu setzen. „Leg deine Füße hoch, Sandrine!“ Er nahm eine Decke und wickelte mich fürsorglich darin ein. Als nur noch mein Gesicht daraus hervorschaute, bückte er sich zu mir herunter und gab mir einen Kuß auf die Stirn.

„Du bist noch immer der verrückte Kerl, der du früher warst!“, sagte ich. „Komm, lass uns eine Flasche Wein öffnen und unser Geheimnis begießen!“ Als vor jedem eines der langstieligen Kristallgläser stand, die Charlottes ganzer Stolz gewesen waren, meinte Henri aufgekratzt: „Jetzt stoßen wir an, dann lese ich dir vor, und du schließt die Augen, Sandrine, und versetzt dich in das 18. Jahrhundert, in die Zeit der Boudoirs und Mätressen, in der die Männer à la mode gingen – gepuderte Perücken, Spitzenhemden, Stöckelschuhe – und vor den Frauen Kratzfüße machten, um dabei lüstern in ihre Dekolletés zu starren.“

Henri brachte mich zum Lachen. Er setzte sich neben mich, blätterte vorsichtig in den Seiten, nieste, weil ihn der alte Staub in der Nase kitzelte. „Der erste Brief ist offenbar von der verwitweten Frau Calas. Merkwürdig – er trägt keine Unterschrift! 15. Brachmonat 1762 …

„Brachmonat – was ist das?“, warf ich ein. „Oktober vielleicht? Da liegt alles brach …“

Doch Henri war skeptisch. „Wenn mich nicht alles täuscht, liegt der Brachmonat im Frühling – aber weiter …“

Nein, mein Herr, nichts soll mich abhalten, dass ich nicht alles unternehme, um unsere Unschuld darzutun, lieber will ich verurteilt sterben, als leben und schuldig geglaubt werden. Man fährt fort, die Unschuld zu unterdrücken, und uns nebst unserer beweinenswürdigen Familie auf das Grausamste zu verfolgen. Man entführt mir noch, wie Sie wissen, meine lieben Töchter, den einzigen mir überbleibenden Trost, um sie in zwei verschiedene Klöster zu Toulouse zu verstecken, man führt sie an einen Ort, welcher der Schauplatz war, von allem unserm entsetzlichsten Unglück; ja man hat sie gar von einander abgesondert. Doch wenn der König zu befehlen geruht, dass man Sorge für sie trage, so segnet ihn mein ganzes Herz. Ich will Ihnen unsere Unglücksgeschichte umständlich und nach der genauen Wahrheit erzählen.

Den 13. Oktober 1761 (welch ein betrübter Tag für uns!) kam Herr Gober Lavaisse von Bordeaux, woselbst er sich eine Weile aufgehalten hatte, hierher, um seine Verwandten auf ihrem Landgut zu besuchen; in dieser Absicht suchte er sich ein Lehn-Pferd und langte abends zwischen 4 und 5 Uhren in unserer Behausung an. Mein Mann bat ihn, weil er doch noch nicht zu verreisen gedächte, dass ihm belieben möchte, mit uns zu Nacht zu speisen; der junge Herr nimmt es an; er geht hinauf in mein Zimmer, wo er mich, wider meine Gewohnheit, noch antraf. Sein erstes Compliment war: Ich esse mit Ihnen zu Nacht, Ihr Mann hat mich eingeladen. Ich bezeugte ihm mein Vergnügen darüber, nach wenigen Augenblicken verließ ich ihn, um meiner Magd Verhaltungsbefehle zu geben; demzufolge begab ich mich zu meinem ältesten Sohn, Marc-Antoine, und fand ihn ganz allein im Kaufmanns-Gewölbe sitzen, er sah finster und tiefsinnig aus; ich bat ihn hinzugehen, und Käse von Roquefort zu kaufen, denn er war gewöhnlich dazu bestellt, und verstand sich auf diese Sachen besser denn andere; deswegen sagte ich zu ihm, geh hin, und kauf uns Käse von Roquefort, hier hast du Geld dazu, was übrig bleibt, kannst du dem Papa geben.

Hierauf ging ich wieder in mein Zimmer zu dem jungen Lavaisse, den ich darinnen zurückgelassen habe. Doch bald hernach verließ er mich, und ging zu den Roßhändlern, um zu sehen, ob ein Pferd für ihn angelangt wäre, denn er wollte morgens kurzum auf das Landgut seines Vaters reisen. Als mein ältester Sohn unterdessen den Käse gekauft hatte, wurde es Zeit zu Nacht zu speisen; es war sieben Uhr. Alles im Haus setzte sich zur Tafel. Die Mahlzeit dauerte nicht lange, man unterhielt sich von gleichgültigen Dingen, man disputierte unter anderem über die Altertümer auf dem Rathause; mein jüngster Sohn Pierre erwähnte etliche derselben, sein Bruder tadelte ihn, denn jener redete weder gut noch gründlich davon. Da wir am Nachtische waren, steht dieses unglückliche Kind, ich meine meinen ältesten Sohn Marc-Antoine, von der Tafel auf, und geht durch die Küche, wie seine Gewohnheit war, hinweg. (Die Küche ist bei dem Speisesaal zu, auf dem ersten Stockwerk.) Die Magd sagte zu ihm: Frieren Sie, Herr Calas? Wärmen Sie sich hier. Nichts weniger, antwortete er, ich bin im Gegenteil ganz erhitzt. Er geht fort. Wir blieben noch etliche Augenblicke bei der Tafel, danach gingen wir in das ehemalige Schlafzimmer, nämlich der Herr Lavaisse, mein Mann, mein Sohn und ich. Die zwei setzten sich auf ein Sofa, mein jüngster Sohn auf einen Lehn-Sessel, ich auf einen Stuhl, wir disputierten alle miteinander. Mein Sohn entschlief, und ungefähr um 9 ¾ Uhren nahm Herr Lavaisse Abschied von uns, wir weckten den Entschlafenen auf, den Gast zu begleiten, und gaben ihm die Fackel demselben den Weg zu weisen. Sie gingen dann miteinander herunter.

Im Augenblick aber, als sie drunten waren, hörten wir ein lautes Geschrei und Lärm, konnten aber nicht unterscheiden, was man redete; mein Mann lief herzu, ich aber blieb zitternd auf der Galerie, ich durfte nicht heruntergehen, und wusste nicht, was es wohl sein möchte. Doch, da ich niemand kommen sah, entschloss ich mich, herunterzugehen; ich ging und traf unten an der Treppe den Herrn Lavaisse an, den ich mit Ungestüm fragte, was es wäre? Er bat mich sehr, mich wieder hinauf zu begeben, ich würde es denn schon vernehmen; er setzte so sehr in mich, dass ich endlich mit ihm in meine Kammer ging. Ohne Zweifel wollte er mir den Schmerz ersparen, meinen Sohn in solchem Zustand zu sehen, und ging wieder herunter. Ich konnte nicht länger in diesem allzu heftigen Stande der Ungewissheit bleiben, ich rief die Magd und sagte ihr, indem ich ihr das Licht gab, Jeanette, geht doch herunter, zu sehen was es ist, ich weiß es nicht und bin ganz voller Schrecken. Sie geht. Da sie aber nicht zurückkommt, mir Bericht zu bringen, ging ich selbst hinab.

Großer Gott, welcher Schmerz, welche Bestürzung überfiel mich, als ich diesen lieben Sohn ausgestreckt auf der Erde liegen sah?

Doch ich hielt ihn noch nicht für tot, ich lief und suchte Ungarisch Wasser, im Glauben, es sei ihm übel geworden, und da die Hoffnung das ist, was uns am spätesten verlässt, tat ich alles, was ich immer konnte, um ihn wieder zu sich selbst zu bringen, denn ich konnte mich nicht überreden, dass er tot wäre. Wir alle schmeichelten uns damit, indem man den Wundarzt hat kommen lassen, der neben mir stand, den ich aber nicht wahrnahm, bis dass er sagte, es wäre vergeblich, etwas Weiteres zu versuchen, er sei tot. Ich behauptete ihm, dass dieses nicht sein könnte, und bat ihn, seine Bemühungen zu verdoppeln und ihn aufs Genaueste zu examinieren. Das tat er, allein es war alles umsonst. Es war nur gar zu wahr, dass er tot war.

Mittlerweile lehnte sich mein Mann an einen Tisch, und ergab sich der Verzweiflung, also dass mein Herz wie zerteilt war. Es blutete vor dem kläglichen Anblick meines Sohnes, und der Furcht, meinen lieben Mann zu verlieren, der sich ganz und gar seinem Schmerz ergab und von keinem Trost was hören wollte.

Da wir in diesen Umständen waren, traten die Gerichtsbedienten herein und nahmen uns in dem Zimmer, wohin man uns hinaufgehen ließ, gefangen.

So verhält es sich aufs Genaueste die ganze Begebenheit. Ich rufe den Gott an, der unsere Unschuld kennt, dass er mich ewig verdamme, wenn ich nur um ein Jota von der Wahrheit abgewichen und nicht bei allen Umständen dabei geblieben bin.

Ich bin bereit, diese Wahrheit mit meinem Blut zu besiegeln …“

Ich war wie erschlagen von dem, was ich gehört hatte. Von wegen Kratzfüße und lüsterne Blicke … „Ich bin bereit, diese Wahrheit mit meinem Blut zu besiegeln“ wiederholte ich leise.

Auch Henri schien wie gefangen von dem Bericht. Er starrte mit entgeistertem Blick auf sein Glas, in dem der Rotwein funkelte. Dann trank er es mit einem Schluck leer und sah auf die Uhr. „Ich würde jetzt gerne mit dir darüber reden, Sandrine, wirklich, glaub mir, die Sache interessiert mich über alle Maßen. Aber ich muss noch einmal weg“, sagte er und wirkte plötzlich nervös, geradezu gehetzt. Ging es ihm nicht gut? Waren es diese elenden Kopfschmerzen, die ihn heimsuchten?

„Wenn es nicht zu spät wird und bei dir noch Licht brennt, klopf ich noch einmal an.“

Ich nickte.

Sorgfältig legte er die Blätter auf den Stapel der noch ungelesenen Seiten. Dann schob er zwei dicke Scheite Holz in den Kamin und nahm seine Cordjacke. An der Tür drehte er sich um. Er sah mir tief in die Augen, verzog ein wenig spöttisch den Mund und meinte: „Ich hab dich schon früher sehr gemocht, kleine Sandrine Calas!“

Regungslos und mit traumverlorenem Blick blieb ich in Charlottes Sessel sitzen. Das flackernde Feuer malte bizarre Bilder auf das Parkett. Ich konnte mich nicht dazu aufraffen weiterzulesen, nicht schlafen zu gehen, ja nicht einmal die Gläser abzuräumen. Im Grunde war ich froh, endlich allein zu sein. Es gab so vieles zu bedenken. Da war die bewegende Stimme aus der Vergangenheit, die eindringlichen Worte der Witwe Calas, Worte voller Angst um Sohn und Ehemann, und auch – dass man ihr nicht glauben könnte. Ein schreckliches Unglück war damals über die Familie hereingebrochen.

Schließlich musste ich auch über meine eigenen Probleme nachdenken: Die neue Affäre meines Mannes. Die bevorstehende Scheidung. Sam und Sandy gab es nicht mehr …

Das Pendel der großen Standuhr schwang ohne Unterlass hin und her. Mein Gesicht glühte, ich war ganz erhitzt, so wie Marc-Antoine, bevor das Unglück über ihn hereinbrach. Obwohl ich noch immer wütend über Sam war, musste ich mir eingestehen, dass ich ihn dennoch liebte, und jetzt machte ich mir bittere Vorwürfe, es ihm zu wenig gezeigt zu haben. Nicht nur die Kanzlei hatte mich voll in Anspruch genommen, wahrscheinlich hatte ich mich auch viel zu oft mit Steffi, meiner besten Freundin getroffen. Zwei Tage vor Silvester war ich sogar – völlig erschöpft nach einem schwierigen Prozess, bei dem ich Nebenklägerin in einer Vergewaltigungssache gewesen war und frustriert darüber, so viel allein zu sein – kurzentschlossen mit ihr nach St. Peter Ording gefahren, wo sie ein Landhaus besaß. Als Sam von seiner Geschäftsreise nach Hause kam, um mit mir den Jahreswechsel zu feiern, fand er einzig einen kleinen Zettel auf dem Küchentisch vor und ein kaltes Huhn im Kühlschrank. Nun fühlte ich mich auch noch schuldig deswegen. Typisch Frau!

Das Holz knisterte im Kamin. Eines der Scheite fiel krachend und funkensprühend in sich zusammen. Schuldig oder unschuldig … Wie oft hatte ich in den letzten Jahren diese Wörter ausgesprochen? Wer gibt die Spielregeln vor und wer spricht Recht, Gott oder der Zufall? Natürlich geschieht manches rein zufällig. Menschen kommen und gehen. Man verliebt sich und will, dass der Partner liebt, was man selbst liebt, dass er hasst, was man auch hasst, und man trennt sich wieder, wenn der vermeintliche Segen der Übereinstimmung zum Fluch geworden ist.

„Steter Tropfen höhlt den Stein, und der Ring zerreibt sich durch Tragen“, heißt es bei Ovid. Steter Tropfen höhlt den Stein? Hatte ich Sam tatsächlich einmal zuviel gezeigt, dass er entbehrlich war, dass ich mein Leben auch ohne ihn bewältigen konnte? (Dass ich eine gute Freundin wie Steffi hatte, die er nicht zu lieben brauchte, und Dinge verabscheute wie Golfspielen oder Segeltörns, die er schätzte?) „Zerreibt sich durch Tragen …“, murmelte ich mehrere Male vor mich hin und betrachtete voller Wehmut und Schmerz meinen Ehering. Der Diamant blitzte auf. In seinem Licht sah ich uns beide, Sam und Sandy – das schöne elegante Paar, das nach Meinung vieler so gut zusammenpasste –, wie wir Hand in Hand auf der Fifth Avenue vor dem Schaufenster eines Juweliergeschäftes standen und uns einfach nicht entscheiden konnten. Der Inhaber, ein älterer Mann im dunklen Anzug und mit braunfleckigen gepflegten Händen, musterte uns aufmerksam, als wir den Laden betraten.

„Sie suchen Trauringe?“, hatte er vorsichtig gefragt, als hätten jene tausend Zweifel, die wir über die Ringfrage hinaus in dieser Heiratsangelegenheit hegten, offen in unseren Gesichtern gestanden. Wir nickten wie befreit. Sollte ein anderer die Entscheidung treffen, uns war es recht.

Da lächelte der Mann, bückte sich und zog ein Schubfach heraus, das er vor uns auf die Ladentheke stellte. Auf schwarzem Samt lagen gut zwei Dutzend Platinringe. „Sie müssen wissen, dass es für jede Braut nur einen einzigen, genau zu ihr passenden Ring gibt auf dieser Welt“, sagte er leise und geheimnisvoll zu mir und wies auf ein schmales, fast unscheinbares Platinband mit einem kleinen Diamanten. „Dies ist der Ihre, junge Frau. Ein Unikat. Er wird Ihnen Glück bringen.“

Der Ring gefiel mir sehr, er passte wie angegossen. Der Preis war horrend. Doch an das Glück wollte ich nur zu gerne glauben. Sams Gegenstück besaß keinen Stein, war aber gerade deswegen von einer bestrickenden männlichen Eleganz … Mein Gott, dachte ich, als ich erneut die Hand hin und her bewegte, um den Diamanten zum Funkeln und weitere Bilder zum Erscheinen zu bringen, der Juwelier hat glatt gelogen. Geblufft. Gepokert. Ein Geschäft gemacht kurz vor Ladenschluss. Clever, dieser Mann … „Der Ring wird Ihnen Glück bringen!“

Aber heißt es nicht auch: „Jeder ist seines Glückes Schmied?“ Was geschieht eigentlich mit Eheringen nach einer Scheidung? Musste ich den meinen Sam zurückgeben und er mir den seinen? Höchstpersönlich, bei einem letzten Glas perlenden Champagners? Oder sollte ich ihn per Wertbrief abschicken, mit ein paar Tränen-Perlen auf den allerletzten Zeilen? Was bleibt zu tun, nachdem wir uns mächtig zugesetzt haben, Herr Voltaire? Ein sanftes Leben zu führen in friedlicher Gelassenheit und zu lachen? Oder vielleicht ein Scheidungsritual in einer Kirche praktizieren, wie ich es in einem Journal gelesen hatte? Was hierzulande noch Aufsehen errege, hatte es in dem Artikel geheißen, sei in vielen protestantischen Kirchen in den USA schon beinahe Normalität. Ein solches Ritual helfe trennungswilligen Paaren, ihre Wunden zu heilen und ihre Befreiung zu feiern. Danach vergrub man gemeinsam die Eheringe vor der Kapelle oder man schmolz sie ein.

Zugegeben, Menschen brauchen Rituale. Doch dieses fand ich einfach lächerlich. Unwürdig, wie Charlottes Schatzgeschichte.

Ich schenkte mir nach, nahm einen großen Schluck Wein, kuschelte mich dann wieder in meine Decke, starrte ins Feuer und dachte noch lange an Sam, der mich irgendwann geliebt hatte – und dann ein bisschen an Henri, der mich ein klein wenig mochte.

(Copyright: Helene Luise Köppel)

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Schöne Feiertage und ein gutes Neues Jahr!

Pack die Beredsamkeit, dreh ihr den Hals um!

In vollem Eifer tust du gut daran,

den Reim ein wenig zur Vernunft zu bringen.

Passt man nicht auf, rennt er wer weiß wohin!

(Paul Verlaine, Art poétique – Dichtkunst)

Den Reim ein wenig zur Vernunft bringen, dafür eignen sich solche Feiertage wie sie uns ins Haus stehen. Nach langen Wochen des “Feilens und Korrigierens” am neuen Roman werde auch ich für ein paar Tage die Füße hoch legen.

Jedes Buch braucht seine Zeit: Im Januar ist es dann soweit, dass mein neuer Roman “SANCHA – Das Tor der Myrrhe” das Licht der Welt erblickt. Ein guter Monat für einen Neubeginn, finde ich.

:-) :-) :-) Und wer weiß, wohin dieser Roman rennt!

Ein packendes Katharer-Epos vor dem Hintergrund großer Geschichte …

Der Schmerz wird nachlassen, Liebste“, sagte Miraval, „denn die Zeit kennt kein Ufer.“

Südfrankreich 1211: Der Kreuzzug gegen die Katharer bewegt sich auf Toulouse zu. Getrieben vom heißen Wunsch, sich Liebe und Anerkennung zu verschaffen, machen sich SANCHA, die junge Gräfin von Toulouse, der Troubadour Miraval, der deutsche Narr Falk von Hagelstein sowie zwei junge Novizen auf die Suche nach dem Tor der Myrrhe. Dort soll sich ein Gegenstand befinden, von dem es heißt, er würde sogar Päpste und Könige erschüttern. Kann Sancha mit dem Auffinden des Tores die Stadt vor dem Zugriff der Kreuzfahrer retten? Simon von Montfort, der charismatische Anführer der Kreuzfahrer, zwei hochrangige Prälaten und die Tempelritter sind ebenfalls hinter dem Geheimnis her. Jeder bespitzelt jeden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

Allen Leserinnen und Lesern, lieben Freunden und guten Bekannten wünsche ich SCHÖNE FEIERTAGE – Zeit zum Füße hochlegen, für gute Gespräche oder ein spannendes, interessantes Buch – und für das Jahr 2013 viel  GESUNDHEIT, GLÜCK UND ERFOLG!

Herzlichst

Helene Luise Köppel

 

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