Katharer

Was Sie schon immer mal über die KATHARER wissen wollten …

Neben der Autoroute des deux mers befinden sich auf einem mit Disteln, Ginster und wildem Fenchel bewachsenem Hügel drei hohe Aussichtstürme aus hellem Stein. Sie stellen katharische Ritter oder Wächter dar und scheinen mit ihren steinernen Schilden und helmartigen Ausgucklöchern, heroisch und modern zugleich, noch immer ihr Land zu bewachen. Obwohl diese Rittertürme mit schweren eisernen Ketten und gewaltigen Steinkugeln auf der Erde festgehalten werden und ihr finsterer Blick Zeugnis ablegt von der Ausrottung der Katharer durch Kreuzzug und Inquisition, meint man noch etwas davon zu spüren, was den Katharern wichtig war: Die Sehnsucht nach einer anderen, einer besseren Welt.

Woher stammt der Begriff „KATHARER“?

Über das Wort Katharer selbst ist man noch immer uneins. Stammt es aus dem Griechischen? Katharos bedeutet „rein“ und man nannte die katharischen Parfaits tatsächlich „die Reinen“.
Kommt es vom lateinischen „catus“, was Katze bedeutet? Da gibt es jene hässliche Verleumdung, die Katharer würden den Hintern einer Katze küssen.

Womöglich ist das Wort Katharer aber doch vom deutschen Wort Ketterer abgeleitet, was Häretiker, Ketzer, bedeutet.

Weshalb nannte man die KATHARER auch ALBIGENSER?

Albigenser wurden sie genannt, weil sich ihr erster Bischofssitz in der Stadt Albi befand. Im Mittelalter bezeichnete man sie aber auch als Tisserands (Weber), und es gab noch viele andere Bezeichnungen für sie.

Sie selbst nannten sich schlicht boni Christiani – gute Christen, denn die Katharische Kirche sah sich, im Gegensatz zur Römisch-Katholischen, als Vertreterin der reinen Lehre. Zu ihrer Rechtfertigung zogen sie die Evangelien heran, vor allem das Evangelium des Johannes.

Kathedrale Sainte-Cécile, 13. Jh. – ein Meisterwerk der Gotik
Die Stadt Albi, von den Franzosen „Albi-la-Rouge“ genannt (wegen der vielen roten Backsteinhäuser), ist die Hauptstadt des Départements Tarn in der Region Okzitanien – und unfreiwillige Namensgeberin der Katharerbewegung. Die Kathedrale wurde nach den sog. „Albigenserkriegen“ (1209-1229) als Bollwerk gegen die Katharer erbaut.

Woher kam ihr Glaube an die Zwei Welten?

Die Katharer waren Anhänger des sog. Dualismus, dessen Wurzeln tausend Jahre vor Christus zurückreichen. Der Dualismus ist – vereinfacht ausgedrückt – die Zweiteilung: Gut und Böse, Hell und Dunkel, Oben und Unten – oder, um beim Glauben zu bleiben: Gott und Welt.
Stark beeinflusst wurde der Katharerglaube aber auch von der Antike. Platon und Aristoteles vertraten gnostisch-dualistische Ansichten.
Der Ursprung des Katharerglaubens geht jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen persischen Propheten namens Mani (3. Jh n. Chr.) zurück, der sich als Gesandter Christi sah.
Mani fasste das Denken von Zarathustra (Zoroaster), Buddha und Jesus zusammen und lehrte  bereits 800 Jahre vor den Katharern Rom das Fürchten. Es entbrannte seinerzeit ein schwerer Kampf um die Vormachtstellung: Manichäismus oder Katholizismus?

Die KATHARER und die BOGOMILEN aus Bulgarien

Den größten Anteil an der katharischen Lehre haben aber die Bogomilen (10. Jh), die in Bulgarien ansässig waren und einen radikalen Dualismus vertraten, d.h. sie sahen neben dem „guten Gott“ einen Gegengott oder Widersacher – Satan, auch Luzifer genannt.
(Wobei sich die Theologen der Bogomilen und der Katharer diese übernatürlichen Gegensätze nicht als Person vorstellten (also kein Gott mit Rauschebart oder Teufel mit Hörnern!) – sondern als Prinzip.
Ihre These lautete:

Das gute Prinzip, der gute Gott des Lichts, schuf alle unsichtbaren Dinge, die Seele, den Geist. Das böse Prinzip, Satan, schuf alle sichtbaren Dinge, die Erde und das, was sich darauf befindet – auch die menschlichen Körper.

Als Auslöser der Trennung zwischen Gut und Böse (radikaler Dualismus) gilt der Engelfall. (s. a. Der Glaube an die beste aller Welten)

Die Kirchengründung der KATHARER

Auf dem Katharer-Konzil im Jahr 1167, das in St. Felix-de-Caraman bei Toulouse stattfand, legten die Katharer den Grundstein ihres Wirkens als Kirche fest und schlugen sich auf die radikal-dualistische Seite der Bogomilen. Die „böse Welt“ suchten die Katharer durch Askese zu überwinden.

Auf den Punkt gebracht:

Der Katharismus lehrte allein die Rettung der Seele und lehnte die Welt als Werk des Teufels ab.
Der Katholizismus vertrat die Erlösung des Leibes und der Seele und sah in der Welt die Schöpfung Gottes.“
(M. Benad, Domus und Religion in Montaillou, S. 310)

Auszug aus „ALIX – Das Schicksalsrad“, Seite 389, Ort Montségur:

„Die Katharer – viele von ihnen strenge Asketen und in schwarze wallende Gewänder gehüllt – hielten auffällig Abstand zu ihnen. Wieder und wieder bekamen sie zu hören, dass der Reichtum dieser Welt die Fäulnis der Seele sei und die Wege Gottes geradlinig und schmal, während auf denen des Satans den Begierden des Fleisches gefrönt wurde. Alix war weder der Besuch der Burg, noch der Kapelle erlaubt. Sie erfuhr auch nicht das Geringste über die „Geheimen Worte“, die scripta secreta, die sie brennend interessiert hätten. Selbst die neue Sternenwarte, die kluge Köpfe dort oben errichtet hatten, getreu dem katharischen Motto: Wie die alten Magier müssen wir sowohl die Heilpflanzen, als auch die Sterne kennen – durfte sie nicht betreten.“

Mehr zu den Katharern? Lesen Sie bitte hier weiter, falls Sie interessiert sind!

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