Die Basilika Notre-Dame de Marceille
und das fehlende „yod“

Vorweg genommen:
Notre-Dame de Marceille
hat mit der Stadt „Marseille“ nichts  zu tun

Die einsam gelegene Basilika Notre-Dame de Marceille, die seit 1948 unter Denkmalschutz steht, findet man ein Stück außerhalb der südfranzösischen Kleinstadt Limoux, in der Nähe des bekannten Bergnestes Rennes-le-Château. Sie liegt in der Aude-Region, einem uralten Siedlungsgebiet.
Der Ortsname „Marceille“ soll sich von einer gallo-römischen Villa (einst im Besitz eines Marcellus?) ableiten. Diese könnte in der Nachbarschaft der heutigen Basilika gestanden haben.
Notre-Dame de Marceille wurde im 14. – 15. Jh. im Mozarabischen Stil erbaut, aber sie hat eine noch viel ältere Geschichte.

Inschrift der Sonnenuhr von ND de Marceille:
„Verflossene Stunden kommen nicht wieder
und Tote kehren nicht zurück.“

Notre-Dame de Marceille – Romanschauplatz

In meinem Roman „Die Affäre C.“ besucht die Protagonistin Sandrine Feuerbach die Örtlichkeit und beschreibt ihre Eindrücke folgendermaßen:

„Die Kirche sah auf der Eingangsseite seltsam verbaut aus. Ein schmaler achteckiger, minarettartiger Turm sowie mehrere kleine Giebeltürmchen auf dem Schiff. Fenster, die eher an ein Wohn- als an ein Gotteshaus erinnerten … Als sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, bemerkten wir, dass das Licht nur durch drei hohe bunte Glasfenster über dem Altar hereinfiel. An den Beichtstühlen vorbei, tasteten wir uns langsam nach vorne. Keine Menschenseele war zu sehen, es war geradezu unheimlich … Auf einem kleinen Tisch in einer Nische flackerten Kerzen. Wir kamen an alten, sehr dunklen Gemälden vorüber, auf denen man kaum Details erkennen konnte, betrachteten Heiligenfiguren, naiv-schöne Wandmalereien und Votivgaben von Pilgern – darunter ein schwerer Stein, der an einer eisernen Kette von der Decke hing –, dann zeigte uns S. ein Bodenmosaik … ein Pentagramm in einem gleichschenkligen Kreuz.
Über der Orgel hingen hölzerne Medaillons. Auf einem sei die Bundeslade – foederis arca – abgebildet, versicherte uns S. … Als wir das nördliche Querschiff betraten, ging plötzlich das Licht an. Gold blitzte uns entgegen, Gold wohin man nur sah. Hinter einem kunstvoll geschmiedeten Gitter und einer dicken Glasscheibe saß die Schwarze Madonna …

Notre-Dame de Marceille – ein früher Wallfahrtsort

Fromme Pilger zog es bereits früh an diesen Ort, weil sich dort eine heilkräftige Quelle befand (Linderung von Augenkrankheiten). Und nachdem Wunderquellen, Brunnen und Madonnen einander offenbar bedingen, entdeckte man im 11. Jh. in der Nähe der Quelle auch eine Schwarze Madonna. Die Legende berichtet, ein Ochse hätte sie beim Pflügen gefunden. Vom Bauern nach Hause gebracht, verschwand sie wieder. Ganze dreimal und immer über Nacht. Sie war erst zufrieden, als man ihr eine Kapelle mitten auf dem Feld baute. Seit dem Jahr 1280 ist Notre-Dame de Marceille als Wallfahrtsort bezeugt und machte Furore: Selbst katharisch-gläubige Frauen (Béatris – Kronzeugin der Inquisition) suchten diese Kirche auf (AD 1308), um die Madonna zu besuchen, zu beichten und dabei ihre „Rechtgläubigkeit“ zu bekunden, wenn sie unter Beobachtung der Inquisition standen.

Die Schwarze Madonna von ND de Marceille,
(bevor Vandalen ihr 2007 den Kopf abschlugen).
(Näheres hierzu in meinem  Artikel „Schwarz bin ich, aber schön …)

Notre-Dame de Marceille
besticht nicht zuletzt durch die
Farbenpracht ihrer Wände,
Decken und Fußböden:

(Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!)

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Notre-Dame de Marceille und das fehlende „yod“

In und unter dieser Kirche werden seit grauer Zeit verborgene Schätze, düstere Geheimgänge, verlassene Gräber und verschlüsselte Geheimnisse vermutet. Was ist davon zu halten?
Meine Romanheldin und ihre Freunde entdecken eines dieser Geheimnisse:

Die Statue hatte freundliche Augen, ein dunkelbraunes Gesicht unter Schleier und prachtvoller Krone, dazu ein anziehendes verschmitztes Lächeln, obwohl man sie eingesperrt hatte, damit sie nicht wieder davonlief … Wir kamen am Altar vorbei, dessen blaues Gewölbe mit unzähligen goldenen Sternen bemalt war, da hörte ich Steffi fragen: „Was ist denn das hier? Eine Marmorurne mit Schlüsselloch?“ Sie stand in einem Seitenaltar und deutete auf einen kleinen weißen Schrein.

„Aber nein, das ist ein alter Tabernakel“, stellte Sokrates fest, „ein Aufbewahrungsort für geweihte Hostien … Das Dreieck darauf ist das Zeichen für die Dreieinigkeit, in seiner Mitte müsste sich das ´Auge Gottes` befinden … Attention!“, sagte er plötzlich … „da ist eine Gravur, hebräische Buchstaben … Seltsam“, er nahm eine der brennenden Kerzen, um besser sehen zu können. „Eigentlich müsste es sich um den Schriftzug JAWEH handeln, den Namen Gottes. Der Kranz außen herum stellt ganz eindeutig den Dornbusch dar, der brennt, aber nicht verbrennt … Doch es sind nur drei Zeichen vorhanden, also handelt es sich hier nicht um das Tetragramm des Gottesnamen! Merkwürdig … auf diesem Tabernakel fehlt der erste Buchstabe des Namens Jahwe, das ´yod`. Übrig bleibt ´Chawa` oder auch ´Chava`.

„Aber was bedeutet das?“

„Chava bedeutet Eve, Eva. Eva oder auch Leben, die Urmutter also.

„Aber wieso verehrt man hier Eva?“, fragte Steffi verwundert. „Ein Tabernakel sollte doch das Allerheiligste beinhalten, oder?“

Tabernakel-Inschrift in ND de Marceille,
(hebräisch von rechts nach links zu lesen)
Es fehlt das „yod“ –
lesbar ist „Eve“ oder „Eva“

Um mich abzusichern, habe ich die Buchstaben vor Ort abgepaust:
Kein „yod“ vorhanden!

Fotos anklickbar zum Vergrößern!

Zum Vergleich die Tabernakel-Inschrift aus der Kirche
der nahegelegenen Ortschaft Quillan:
Hier ist das „yod“ ist vorhanden:
Lesbar ist „Jahwe“

Ein zweites fehlerhaftes Tetragramm in Kanada

Die Sache mit dem fehlenden „yod“, ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und ich hätte sie wohl nicht in meinen Roman einfließen lassen, wenn mir seinerzeit nicht eine Ausgabe von „Les Carnets-Secrets“ (Nr. 4, Januar-März 2006) in die Hände gefallen wäre. In diesem Heft stand ein interessanter Artikel:
„Montréal, la Nouvelle Jérusalem: La survivance de l`idéal templier“, verfasst von Francine Bernier. Es geht darin um die Kathedrale von Montréal/Kanada, in der dasselbe Phänomen entdeckt wurde.
Francine Bernier schreibt darüber:

 „Von allen Hinweisen, die in Montreal gefunden wurden, ist der bedeutendste und aufschlussreichste ohne Zweifel der Tetragrammaton (heiliger Name Gottes in vier hebräischen Buchstaben, YHVH, der über der Kanzel der Basilika von Notre Dame, einem Besitz der Sulpizianer von Montreal, hängt. Dieses heilige Symbol stammt aus der ersten Kirche von Notre-Dame, die 1685 von und für die Herren von Saint-Sulpice, damals die einzigen Herren von Montreal, errichtet wurde. Fotos wurden von einem Dutzend Experten aufgenommen und analysiert, darunter Rabbi Dovid Shirel von Kfar Chabads Gal Enai Institut in Israel. Ihre Analysen konnten ohne möglichen Irrtum bestätigen, dass es nicht vier Buchstaben gab, sondern drei (HVH, und dass diese, ohne den Jod des Anfangs, das weibliche Wort chavah bilden, was Eva, Frau oder Mutter allen Lebens bedeutet. Mit anderen Worten, der Schöpfer ist weiblich, ein gnostisches und ketzerisches Konzept, das zweifellos die „verborgene Seite“ der von Jean-Jacques Olier gegründeten Johanniterkirche darstellt.

 

Die Verfasserin Bernier merkt hierzu noch an, dass es sich beim fehlenden „yod“ keineswegs um einen Fehler oder Zufall handelt, zumal sich in derselben Kathedrale (in der Kapelle der Heiligen Therese von Lisieux) ein zweites fehlerhaftes Tetragramm oberhalb der Kanzel befindet. Außerdem sei eine riesige Statue, die mit geschlossenen Augen daneben sitzen würde, „die Religion“ darstellend, in Wirklichkeit eine Darstellung der androgynen Göttin Cybele, die mit Sophia (Weisheit) verbunden ist.
Cybele galt als „Mutter allen Lebens“.

Was hat nun Notre-Dame de Marceille mit Kanada zu schaffen?

Das Verbindungsglied ist ein französischer katholischer Priester: Jean-Jacques Olier. Er gilt als Erneuerer des religiösen Lebens im 17. Jahrhundert, gründete die Kongregation der Sulpizianer sowie das berühmte Priesterseminar St. Sulpice in Paris, welches auch im Rätsel von Rennes-le-Château eine Rolle spielt.
Im Jahr 1657 entsandte Jean-Jaques Olier Sulpizianer nach Montréal/Kanada für eine dortige Gründung. Ungefähr zeitgleich stand er in enger Verbindung mit dem damaligen Bischof von Limoux, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Notre-Dame de Marceille kontrollierte.

Die Kongregation der Sulpizianer war bekannt für ihre Marienverehrung.

(Maler unbekannt)

Kleine Schlussbemerkung

 

Nach S.G.F. Brandon, Religion in Ancien History, New York 1969, leitet sich die Buchstabenkombination JHWH, yod-he-vau-he, von der hebräischen Wurzel HWH ab – in lateinischen Buchstaben EVE, was sowohl „Leben“ wie „Frau“ bedeutet. Mit dem angefügten „yod“ entstand angeblich das Wort, durch das die Göttin ihren Namen als Schöpfungswort anrief – eine in Ägypten und anderen Ländern des Altertums verbreitete Vorstellung.
***

Hat Jean-Jacques Olier, der Marienverehrer und Erneuerer des religiösen Lebens im 17. Jahrhundert, über den priesterlichen Tellerrand hinausgesehen?

Notre-Dame de Marceille, das fehlende „yod“ und nicht zuletzt die Anwesenheit der Schwarzen Madonna könnten der Beweis dafür sein.

 
 

Links im Bild: „Die wundersame Quelle von Marceille“

Ans Herz gelegt:

Notre-Dame de Marceille als Romanschauplatz

Leseproben hier:
„Die Affäre C.“, Thriller,
„Béatris: Kronzeugin der Inquisition, Historischer Roman

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Helene Köppel

Das Wunder von Rieux-Minervois:
Sainte-Marie – und die eigenartige Siebenzahl

Es waren mal wieder die Werke des Meisters von Cabestany, die mich im Juni 2017 auch in das kleine Dorf Rieux-Minervois, und dort in die Kirche Sainte-Marie geführt haben. Äußerlich auf den ersten Blick anspruchslos – ein siebeneckiger Mittelturm und nur wenige Fenster –, reißt man erstaunt die Augen auf, wenn man das Gebäude betritt. Ein in Südfrankreich einzigartiger Rundbau liegt vor einem, mittig der Altar. Sieben stolze Pfeiler tragen die Arkaden, die ihrerseits die Kuppel stützen: Das Wunder von Rieux-Minervois!

Die Lage von Rieux-Minervois

Rius de Menerbés, wie der Ort auf okzitanisch heißt, liegt zu Füßen der Montagne Noire am Argent-Double, einem Nebenfluss der Aude, mitten im Weinbaugebiet Minervois, etwa 25 Kilometer (Fahrtstrecke) nordöstlich von Carcassonne. Acht Kilometer weiter findet sich das Städtchen Caunes-Minervois.

Zur Historie

Obwohl bereits in gallorömischer Zeit besiedelt, entstand Rieux-Minervois erst um das Jahr 1000, als hier ein castrum, der Vorläufer der heutigen Burg, erbaut wurde. Im 12. Jh. gehörte das ganze Gebiet den Grafen von Minerve, die ihre Besitztümer jedoch während der Albigenserkreuzzüge (s. meine Historischen Romane „Alix“ und „Sancha“) verloren, weil sie auf Seiten der Katharer standen.
Simon de Montfort, der militärische Anführer des Albigenserkreuzzuges, ließ im Hauptort Minerve, im Juni 1210, den ersten Scheiterhaufen errichten. 180 Parfaits brannten in der Cesse-Schlucht. Ein weiterer Grund für den Hass gerade auf Minerve lag aber auch, so lächerlich es klingt, an der herausragenden Qualität der dort angebauten Weine. Sie waren vor allem dem Bischof von Narbonne (geistlicher Anführer des Kreuzzugs) ein Dorn im Auge.
Das Minervois gilt als eines der ältesten Weinbaugebiete Frankreichs.

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(Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!)

Die Baugeschichte der Kirche Saint-Marie

liegt weitgehend im Dunkeln. Zwar existiert eine Urkunde aus dem Jahr 1079, doch passt dieses Datum nicht zum vorhandenen Gebäude, das in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datiert wird – in die Zeit der „Großen Ketzerei“ – wie man die Häresie der Katharer nannte. Es war aber auch die Zeit, als die Marienverehrung auf ihren Höhepunkt zusteuerte.

 

Hatten die Tempelritter ihre Hände im Spiel?

Man weiß bis heute nicht, wer die außergewöhnliche Heptagon-Kirche von Rieux-Minervois einst in Auftrag gab. Bei oktogonalen oder runden Kirchenbauten (Vorbild die Grabeskirche in Jerusalem) denkt man oft an den Orden der Tempelritter. Es existieren in diesem Fall jedoch keine entsprechenden schriftlichen Dokumente. Noch immer ist alles offen …

Die besondere Architektur

Das Heptagon (Siebeneck) im Innern der Kirche wird umgrenzt von vier mächtigen gemauerten Pfeilern und drei Säulen, die einander abwechseln, wobei zwei Pfeiler unmittelbar nebeneinander stehen. Der Innenraum schließt nach oben ab mit einer erhöhten Kuppel, die sich allmählich aus dem – nicht ganz exakt gemauerten – Siebeneck entwickelt. Der Umgang hat ein rundum verlaufendes Gewölbe, das die seitlichen Schubkräfte der zentralen Kuppelkonstruktion abfängt.
Der Grundriss eines solchen Gebäudes –  außen 14-seitig, innen 7-seitig – sei, so heißt es, recht schwierig zu berechnen. Einfacher wären ein Oktogon (z.B. Aachener Dom) oder ein Sechzehneck (Tomar). Bei der runden Temple Church in London, die, wie Tomar, tatsächlich von den Templern in Auftrag gegeben wurde, endet der Rundbau des Erdgeschosses im Inneren z.B. in einem sechseckigen Obergeschoss.

Eine weitere Besonderheit in Rieux-Minervois besteht darin, dass das Gebäude ursprünglich im Äußeren wie im Inneren quasi „richtungslos“ war, auch keine geostete Apsis besaß, so dass man meinen möchte, der Bauherr spielte hier mit dem Thema der „Unendlichkeit“.

 

 

Was steckt denn nun hinter der eigenartigen Siebenzahl?

Mit Zahlen hat man früher nicht nur gerechnet, man maß ihnen auch eine symbolische Bedeutung zu. Die Kirche von Rieux-Minervois liegt zudem auf dem Jakobsweg – und ist zugleich eine Marienkirche. Handelt es sich hier vielleicht um einen alten Initiationsort der Baumeister – wie in der Kirche Santa Maria de Eunate, die ebenfalls auf dem Jakobsweg liegt, jedoch einen achteckigen Grundriss aufweist?
Diese These gefällt mir, zumal der Umgang (Wandelgang) im Inneren darauf hinweist, dass man ihn früher entweder kontemplativ durchschritt oder ihn sogar tanzend durchmaß. 

Wir könnten es hier aber auch mit den „Sieben Säulen der Weisheit“ zu tun haben, deren Verkörperung die Jungfrau Maria ist: Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, ihre sieben Säulen behauen! (Spr. Salomo 9,1).

Fest steht:
Weisheit zu erlangen ist wohl genauso schwer wie das Errichten eines solchen Gebäudes!

Die Siebenzahl spielt aber nicht zuletzt auch eine Rolle in der Apokalypse des Johannes.

 

 

Der rote Marmor aus dem Minervois

Das Minervois (hier besonders Caunes-Minervois) ist berühmt für seinen „roten Marmor“, der jedoch unterschiedliche Färbungen aufweist: blassrosa, braunrosa und blutrot. Dieser Marmor wurde z.B. auch am Hof des Sonnenkönigs (Ludwig XIV) für die Ausschmückung von Versailles verwendet und man findet ihn noch heute in vielen sakralen Bauten in Südfrankreich. Bis zum 19. Jh. stellte der Abbau, die Bearbeitung und der Verkauf von Marmor für das Minervois-Gebiet einen wichtigen Wirtschaftszweig dar.

Aber nun zu einigen Werken des Meisters von Cabestany

Dem Meister selbst zugeschrieben wird die „Maria in der Mandorla“ von Rieux-Minervois, wie sie, von Engeln begleitet, mit geschlossenen Augen himmelwärts fährt. Eine ähnliche Mandorlen-Abbildung findet sich auch auf dem berühmten Tympanon in der Pfarrkirche in Cabestany. Mit Mandorla (ital. für „Mandel“) wird eine Glorie oder Aura rund um eine ganze Figur bezeichnet. Mandorlen sind einzig Christus und Maria vorbehalten.

Näheres zum rätselhaften Meister von Cabestany und seiner Werkstatt: hier klicken!

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

Zwei Tipps am Rande (später mehr)!

Falls es Sie einmal ins Minervois verschlägt, kosten Sie nicht nur den exzellenten Wein, der dort angebaut wird, machen Sie sich auch auf die Suche nach dem „Dolmen des Fados“.
(Ein kleiner Hinweis: Sollten Sie ihn nicht sofort entdecken, achten Sie bitte auf das ohrenbetäubende „Geschrei“ der Zikaden, die sich im Gelände rings um den Dolmen befinden! )

Eine weitere interessante Entdeckung!

Die Allée couverte von Saint-Eugène (auch die Allée Couverte von Laure Minervois genannt) ist die drittgrößte Megalithanlage in Südfrankreich. Sie stammt aus der Zeit des Übergangs von der Kupfer- zur Bronzezeit und wurde um 1920 ausgegraben. Sie liegt in der Gemeinde Laure-Minervois in einem Hain aus Aleppo-Kiefern.

Aus dem Wiki-Netz: Innerhalb eines 1992 restaurierten niedrigen Cairns von 25 m Durchmesser, der aus Platten und Trockenmauerwerk besteht, liegt die über 14 Meter lange, in drei Abschnitte unterteilte Kammer des Galeriegrabes. Der Zugang ist weniger als zwei Meter breit, während die durch zwei seitlich aufgestellte Platten zweigeteilte Kammer zwischen drei und vier Metern breit ist. Die Kammer besteht aus 8, vollständig die Höhe erreichende und einigen niedrigeren Platten. Die plattenlosen Bereiche, besonders auf der Westseite, sind aus Zwischenmauerwerk. Die Decksteine sind nicht erhalten und auch der Zugang ist weitgehend zerstört. Der restaurierte Tumulus besteht aus Bruchsteinen. Dieses Galeriegrab ist seit 1931 als Monument historique klassifiziert.

Viel Vergnügen – und Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel

„Verloren im Dunkel der Zeit und der Legenden“ – Sant Pere de Rodes

Das ehemalige Benediktinerkloster Sant Pere de Rodes ist in Spanien beheimatet, in der katalanischen Provinz Gerona. Es liegt etwa 500 Meter hoch über dem Meer, am Hang des Berges Verdera, inmitten des heutigen Naturparks Cap de Creus. Die Ursprünge dieses Klosters, so der Reiseführer, verlieren sich allerdings im Dunkel der Zeit und der Legenden.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Sant Pere de Rodes im 9. Jahrhundert (878). In dieser Aufzeichnung wird es als kleine cella bezeichnet, um die sich immerhin zwei Abteien stritten: Sant Esteve de Banyoles und Sant Policarp de Rasès (heute Saint Polycarpe, Dep. Aude). Die Wurzeln von Sant Pere de Rodes reichen sogar noch weiter zurück: Archäologisch gesichert ist die Existenz eines großen spätantiken Gebäudes aus dem 6. Jahrhundert.

 

(Schnappschuss aus dem Jahr 2014:

HLK auf dem Platz der heute verschwundenen Schwarzen Madonna.)

Im Dunkel der Zeit und der Legenden?

Als ich dies las, wusste ich sofort, Sant Pere de Rodes musste ich mir ansehen, denn „Isis zu entschleiern“ (Blavatzki) bedeutet, Licht ins Dunkel der Zeit zu bringen – und das habe ich mir bereits vor Jahrzehnten zur Lebensaufgabe gemacht.

Die Glanzzeit von Sant Pere de Rodes

begann ab dem 10. Jahrhundert, als sich ein Adliger namens Tassi und Graf Gausfred von Ampurias für das Kloster interessierten und ihm große Ländereien schenkten. Auch die Päpste und die fränkischen Könige gestanden San Pere de Rodes Privilegien zu, durch die es z.B. im Jahr 944 zur Abtei wurde. Die Kirche wurde jedoch erst zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert gebaut.

Nachstehend einige Fotos vom Außenbereich des Klosters:

(Fotos zum Vergrößeren bitte anklicken!)

Ein bedeutendes Pilgerziel

Sant Pere de Rodes wurde zu einem bedeutenden Pilgerzentrum. Die Konsolidierung der Macht und des Ansehens der Abtei von Rodes fielen in das 12. und 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit zählte es zu den bedeutendsten geistlichen, politischen und wirtschaftlichen Machtzentren seiner Zeit, das seine Besitztümer erweitern und Werke von großem künstlerischem Wert – wie z.B. vom berühmten Meister von Cabestany – ausführen lassen konnte.

Anmerkung: Mehr über den Meister von Cabestany: Hier klicken!

Das Kircheninnere

 

Der Niedergang

Der Niedergang des Klosters Sant Pere de Rodes begann bereits im 14. Jahrhundert. Zu Problemen innerhalb des Ordens traten Angriffe von außen. Aufgrund der exponierten Lage hoch über dem Meer war die Abtei immer wieder Überfällen und Plünderungen ausgesetzt.

Ein Rest vom ehemaligen Portal, Künstler: Meister von Cabestany;
die anderen Teile wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts geraubt.

Hier verläuft der Camino Catalán,
der katalanische Streckenabschnitt des Jakobswegs.

Das Kloster verfällt – und wird wieder restauriert

Im Jahr 1798 gaben die Benediktiner das Kloster endgültig auf. Sie siedelten nach Figueres um. Im Jahr 1835 endete die Mönchsgemeinschaft. Das Kloster verfiel, ebenso die unweit des Klosters gelegene Kirche Santa Helena de Rodes.
1930 wurde Sant Pere de Rodes zum Nationalen Denkmal erklärt. Wenige Jahre später begannen die ersten Restaurierungsarbeiten, die Ende des 20. Jahrhunderts noch einmal intensiviert wurden.

Verborgenes Heiligtum: Die Krypta

Ziemlich gruselig empfand ich die Krypta von Sant Pere de Rodes, die früher jedoch als hochheilige Stätte betrachtet wurde. Diese Anlage wurde einst ringförmig errichtet, um das Gefälle des Terrains auszugleichen und die Apsis der Kirche bauen zu können.

Verloren im Dunkel der Zeit

ging auch die Romanische Madonna von Sant Pere de Rodes (Romanische Madonnen werden auch „Schwarze Madonnen“ genannt). Einzig ein Hinweisschild auf sie war in der Krypta noch vorhanden. Umso größer war meine Freude, als ich diese Madonna ein Jahr später im Diözesan-Museum in Vic entdeckte, wohin man sie wohl nach dem Raub im 19. Jh. vorsichtshalber gebracht hatte.

Der Kreuzgang von Sant Pere de Rodes

Der Kreuzgang in diesem Kloster ist etwas Besonderes, denn es gibt einen unteren und einen oberen Teil, s. Fotos.

 

Ein Tempel der Aphrodite von den Pyrenäen?

Verborgen im Dunkel der Zeit ist eines nicht, nämlich das wohl älteste „Bauwerk“ des Klosters Sant Pere de Rodes – eine heidnische Säule, die auf wundersame Weise an Ort und Stelle stehen blieb, obwohl sie doch in harter Konkurrenz zum christlichen Kirchturm stand!
Für mich stellt sich die Frage, ob diese Säule (Phallus?) im Zusammenhang mit einer örtlichen Legende steht, nach der hier der Tempel der „Aphrodite von den Pyrenäen“* stand?

* Nach „Geographie der Griechen und Romer von der fruhesten Zeiten bis auf Ptolemaus; bearbeitet von Fr. Aug. Ukert … 1816.“

Ziemlich alt scheint auch dieses Bildnis zu sein …

Alle Rätsel gelöst? HLK auf dem Weg nach draußen

Auf dem Rückweg zum Parkplatz: Blick aufs Meer

Weitere Legenden und kuriose Schätze, die in Sant Pere de Rodes verborgen sein sollen oder waren:

1. Die sterblichen Überreste des Apostels Petrus (sein Kopf)
2. Die Eisenkette, mit der der Apostel Petrus gefesselt war
3. Der Regenumhang des Hl. Thomas Becket (soll die Fruchtbarkeit steigern)
4. Ein heiliges Kreuz, nach dem das Cap de Creus benannt wurde.

Ein romanischer Traum

Es war tatsächlich Petrus‘ Kopf, der im Kloster von Sant Pere als Reliquie aufbewahrt wurde. Aus Angst vor Überfällen hat man ihn irgendwann in den umliegenden Bergen versteckt – und niemals wiedergefunden.
Nun schert sich bestimmt nicht jeder Reisende um verschwundene Köpfe, Tempel und alte Legenden – wie z.B. diese beiden Jungs, die ich im Kloster beim Spielen auf ihren Handys entdeckt und heimlich fotografiert habe 🙂 – bekanntlich steigt aber das Interesse an alten Dingen mit dem Alter – oder sogar „raketenhaft“ nach einem zufälligen Besuch von Sant Pere de Rodes.
Ich kann Ihnen diesen „romanischen Traum“ nur ans Herz legen!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel

Die Freundinnen der Frauen
„Schwarz bin ich, aber schön …“

Es sind meist die Frauen, die es zu den Schwarzen “wundertätigen” Madonnen hinzieht.
Doch warum sind diese Madonnen überhaupt schwarz? Sind sie immer schwarz?
Und warum werden sie auch noch “schwarz” genannt, wenn sie es gar nicht sind?

Es gibt viele Erklärungsversuche. So spricht beispielsweise die hochverehrte Schwarze Madonna von Le Puy (Auvergne, s. Foto rechts) in einem aus dem Jahr 1518 stammenden Gedicht jenen berühmten Satz, der der Königin von Saba zugesprochen wird: Nigra sum, sed formosa – Schwarz bin ich, aber schön!
Er ist im Hohen Lied zu finden, in jenem einzigartigen Liebesgedicht, das Aufnahme in die Bibel fand: „Schwarz bin ich und schön, ihr Töchter Jerusalems, schwarz wie die Zelte Kedars, schön wie die Zeltdecken Salomons.
Die Königin von Saba stammte aus Äthiopien. Sie war schwarz und schön – und vermutlich auch klug. Doch was hat sie mit dem weltweiten Kult um die Schwarzen Madonnen zu schaffen?

Die katholische Kirche spielt das Phänomen herunter und behauptet, viele Romanische Madonnen seien aufgrund äußerlicher Einflüsse zufällig schwarz geworden. Aber das stimmt nur in den seltensten Fällen.

Mataria – Mata-Meri – Mari

Die Römer hatten um das Jahr 80 v. Chr. den Isis-Kult mit Begeisterung angenommen. Isis, deren ägyptischer Name lange Zeit “Mataria” war, “Mata-Meri” oder auch “Mari”, wurde zu einer der beliebtesten Göttinnen und geriet nie ganz in Vergessenheit, zumal zu Beginn des Christentums das Interesse der christuszentrierten Kirche an Maria nur gering war. Aus diesem Grund wurden auch noch im Mittelalter überall in Europa die alten weiblichen Gottheiten verehrt – darunter Freya, die den Feudaltitel „Frau, Herrin“ trug.  Erst als im 12. Jh. auch die Jungfrau Maria diesen Titel erhielt (Notre Dame), trat eine Veränderung ein: Isis, Artemis (die Schwarze Diana!), Demeter, Freya und all die anderen Göttinnen gerieten sukzessive in Vergessenheit. Man kann sich daher ausmalen, wie groß die Verblüffung einiger Kreuzfahrer war, als sie im Heiligen Land auf Isis-Abbildungen stießen: Da saß eine junge Frau mit Kind auf einem Thron, die nicht nur einen ähnlichen Namen wie Maria trug, sondern auch vergleichbare Ehrentitel: “Himmelskönigin, Gnadenspenderin, Meereskönigin, Sancta Regina …”!

Ein Pariser Kardinal greift durch

… und lässt im Jahr 1514 in der  Abteikirche von Saint Germain-des-Prés eine Isis-Statue zerstören, die von den Frauen ganz besonders verehrt wurde.

Steckt die alte Göttin ISIS dahinter – eine Urgöttin mit tausend Namen?

Zweifelsohne verbergen sich hinter einigen Romanischen* Madonnen  außerchristliche Jungfrauen – wie die ägyptische Isis: Der Thron, die Krone, die Körperhaltung beweisen das. Fromme Kreuzfahrer haben diese Figuren von ihren Reisen mitgebracht, in der fälschlichen Annahme, es handele sich um die Jungfrau Maria.

(*Die romanische Architektur beginnt etwa um das Jahr 1000 n. Chr. und tritt in ganz Europa auf: Romanische Kirchen werden gebaut, Romanische Sitzmadonnen halten darin Einzug.)

(Eine der schönsten Romanischen Madonnen
steht in der Basilika von Orcival, Auvergne)

(Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!

Die Blauschwarze Madonna von Thuret

ist eine echte Vièrge des Croisades, die von Kreuzfahrern im Orient entdeckt und mit nach Hause genommen wurde. Sie ist ca. 70 cm hoch und befindet sich seit dem 13. Jh. in der Kirche von Thuret, in der Auvergne – der eigentlichen Heimat dieser Sitzfiguren aus romanischer und vorromanischer Zeit. So beherbergt die Hauptstadt Clermont-Ferrand noch fünf weitere Schwarze Madonnen. Im Fall der Thuret-Madonna spricht man  ganz offen von einer alten Isis.
“Für mich ist die blauschwarze Haut eine Reminiszenz an die Nacht der Zeiten und das Mysterium des Lebens.” (aus „TALMI“, Psychothriller)

Ein ganz besonderer Marien-Pilgerort ist das Fels-Heiligtum Rocamadour

Der Autor Ean Begg berichtet, die Schwarze Madonna von Rocamadour sei dem Hl. Lukas zugeschrieben. Dieses Standbild soll bereits im 8. Jahrhundert “die Ungläubigen überall” in die Flucht geschlagen haben. Im Jahr 1212 hat die Jungfrau von Rocamadour angeblich den Heeren von Aragon, Kastilien und Navarra zum Sieg von Navas de Tolosa verholfen.
Auch Simon von Montfort, der Heerführer der Franzosen im grausamen Albigenserkreuzzug, hat diese Madonna aufgesucht und um Beistand gebeten (thematisiert in: „Sancha: Das Tor der Myrrhe“)
Das zweite Foto unten, am Ende des Artikels, zeigt die Rocamadour-Madonna im Gewand.

(Rocamadour ist eine französische Gemeinde mit 644 Einwohnern im Département Lot in der Region Okzitanien und ein Wallfahrtsort der römisch-katholischen Kirche; Foto durch Anklicken vergrößern!)

Wie die Großen Göttinnen miteinander verschmolzen –
oder wie aus Sophia MARIA wurde …

Der Kult um die Schwarzen Madonnen geht jedoch auf eine noch wesentlich ältere Epoche zurück – eine Zeit, in der die Menschheit „Sophia, die Göttin der Weisheit und des Anfangs“ verehrte: Sophia, so heißt es, soll bereits vor der Schöpfung existiert haben und zwar „in der Finsternis des Chaos, das schwarz ist“. So erklärt es ein christliches Traktat aus dem 3. Jahrhundert mit dem Titel “Vom Ursprung der Welt”.
Sophia galt somit den Urchristen als die Repräsentation des Heiligen Geistes, der “auf dem Wasser schwebte” und Licht in die Welt brachte, als es “finster auf der Tiefe” war (Genesis, 1,1).

Das Fresko links unten zeigt „Die Heilige Geistin“ von Urschalling (Chiemsee), es wurde im Jahr 1923 entdeckt. Die Zeitschrift „efi schrieb 2007 darüber: „Es ist eine Einladung zur Meditation über das weibliche Göttliche, Assoziationen zur göttlichen Weisheit – Sophia – liegen nahe.

Eine weitere „Heilige Geistin“ (Foto rechts unten) habe ich im Jahr 2013 in Belpuig (Pyrenäen) entdeckt: Sie ist im Bunde die Dritte und stellt ebenfalls Sophia, die Heilige Geistin oder die Weisheit dar.

(Urschalling, Chiemsee)

(Belpuig, Pyrenäen)

 

Die Schwarze “weise” Sophia,

deren Symbol die Taube der Aphrodite war (später auch Symbol des Heiligen Geistes), soll an der Schöpfung beteiligt gewesen sein?
Dieses Denken – das allerdings sehr komplex ist! – fand bereitwillig Aufnahme im Gnostizismus/Dualismus. Der Kult der Sophia hat sich aber auch, wie die oben gezeigten Beispiele beweisen, in der christlichen Volksfrömmigkeit und Kunst niedergeschlagen. Vor allem von den östlichen Christen wurde Sophia hingebungsvoll verehrt. Ihr größtes Heiligtum wurde im 6. Jh. n. Chr. in Konstantinopel errichtet und galt als eines der Weltwunder: die Hagia Sophia, die Kirche der Heiligen Sophia. Die „Dame Weisheit“ galt als Göttin der gnostischen Philosophen, die sagten „die Weltseele würde aus ihrem Lächeln geboren.“

Gnostizismus/Dualismus: Die Katharer waren Anhänger des sog. Dualismus, dessen Wurzeln tausend Jahre vor Christus zurückreichen. Der Dualismus ist – vereinfacht ausgedrückt – die Zweiteilung: Gut und Böse, Hell und Dunkel, Oben und Unten – oder, um beim Glauben zu bleiben: Gott und Welt. (H.L.Köppel)

Eine der seltenen „Vièrges ouvrantes“

Eine echte Rarität ist die Schwarze Madonna von Palau-del-Vidre (Roussillon), der ich mehrere Jahre sprichwörtlich hinterherjagte, um sie vor die Linse zu bekommen. Es handelt sich um eine sog. Vièrge ouvrante, also eine “Jungfrau zum Öffnen”. Sie ist die sprichwörtliche Sophia, der weibliche Aspekt Gottes.

„Die Vièrge-ouvrante-Figuren entstanden zwischem dem 13. und 15. Jahrhundert. Im geschlossenen Zustand stellen sie die jungfräuliche Gottesmutter mit dem Kind auf dem Arm dar, geöffnet enthüllen sie Gott-Vater, Sohn und Heiligen Geist im Leib der Jungfrau. Die Vorstellung, dass die männliche Dreifaltigkeit in der Jungfrau enthalten ist, weist in vorchristliche Jahrhunderte zurück, die ebenfalls die jungfräuliche Gottesmutter als Urheberin männlicher Gottheiten kennt.
(Ch. Mulack, „Maria, die Geheime Göttin“, S. 64)

Die Palau-Madonna inspirierte mich, ein bestimmtes Gedicht in meinen Roman „Die Affäre C.“ einzubauen: 
“Ich bin das Haupt des Alls, die ich vor einem jeden da bin”
(aus “Die Dreigestaltige Protenoia, Nag-Hammadi-Kodex)

Rom ordnet die Zerstörung dieser Madonnen an

Madonnen dieses Typs, die auch die Trinität einbeziehen, sind sehr selten. Weltweit gibt es nur noch dreizehn Exemplare. Das hat seinen Grund: Die römisch-katholische „Mutterkirche“ – trotz ihres Namens von Männern dominiert – hatte diese Art von Darstellung auf ihrem Konzil von Trient (1545-1563) verboten und sogar die Zerstörung der angeblich häretischen Figuren angeordnet. Die Priester von Palau-del-Vidre wussten „ihre“ Madonna jedoch gut zu verstecken. Im Jahr 1648 wurde sie wiederentdeckt, in einer Nische über dem Retable des Heiligen Sebastian. (aus: H.L.Köppel, Ausstellungskatalog d. Jüd. Museums, Hohenems)

AKTUELL 2017:

Gefreut habe ich mich im letzten Jahr über die Bitte des Jüdischen Museums Hohenems/Österreich, am Ausstellungskatalog 2017 “Die weibliche Seite Gottes” mitzuwirken!
Das Museum war über meine Website auf mich aufmerksam geworden, interessierte sich vor allem für die Palau-del-Vidre – Madonna als temporäres Ausstellungsstück. Man bat mich um Vermittlung und, nachdem ein Kontakt mit Palau del Vidre zustande kam, um einen Beitrag für den Ausstellungskatalog.
Die wertvolle, weil sehr seltene Figurine war vom 30. April bis 8. Oktober 2017 in Hohenems zu sehen.
(Meine Beschreibung der o.g. „Vièrge Ouvrante“, genannt La trinité),  ist auf den Katalogseiten 150 und 151 zu finden; s.a. die nachstehenden Fotos.)

(Zum Vergrößern bitte anklicken!)

Eine der ältesten Schwarzen Madonnen in Frankreich
wird in Dijon verehrt

Sie stammt aus dem 11. Jh., stand damals in der Chapelle du Marché (Marktkapelle), und hieß “Notre-Dame de l’Apport”. Später erhielt sie den Namen “Notre-Dame de Bon-Espoir”. Ursprünglich war das Gesicht der Madonna nicht schwarz, sondern braun. Es wurde jedoch im Laufe der Jahrhunderte immer dunkler, worauf man es im Jahr 1963 wieder aufhellte.
(Literatur dazu: s. „Talmi“ von H. L. Köppel)

Eine noch gebärende Jungfrau
Unter dem zeltartigen Gewand der Dijon-Madonna (s. links) verbirgt sich wie man auf dieser Schwarz-Weiß-Aufnahme sieht, eine sog. Virgo paritura, also eine noch gebärende Jungfrau. Der Heilige Bernhard, gewissermaßen ein Sohn der Stadt Dijon, denn er wuchs in der Nähe auf, sah in dieser Figur – die auch in Gestalt einer weisen Eule verehrt worden war – die Mutter Gottes.

Die Hände der Schwarzen Madonnen

 

Romanische Madonnen haben oft übergroße und mitunter weißbemalte Schutzhände, s. Eingangsfoto, Le Puy. Diese Hände werden Hände des Lichts genannt.

Die Romanische Madonna von Belpuig (Pyrenäen) hingegen (links im Bild) tanzt aus der Reihe: Ihre merkwürdige Fingerhaltung – ein aufmerksamer Leser hat mich verständigt –  entspricht wohl dem Hongsasya-Mudra der Buddhisten – was nicht so abwegig ist, wie es sich anhört:

 

Der Ursprung des Glaubens der christlichen Katharer (11.-13. Jh.) geht nämlich auf den persischen Propheten Mani zurück, der im 3. Jh. n. Chr. das Denken von Zoroaster, Buddha und Jesus zusammengefasst hat.

 

Im Jahr 2015 entdeckte ich eine weitere Madonna mit einer ähnlichen Finger- oder Handhaltung (Daumen berührt Zeigefinger) und zwar in Ainsa, einer sympathischen nordspanischen Kleinstadt in der Provinz Huesca/Aragón, umgeben von herrlichen Felsformationen: Der alte Ortskern mit seinem Hauptplatz (Plaza Mayor) wurde als Kulturgut eingestuft. Die Romanische Madonna steht in der 1183 geweihten ehemaligen Kollegiatskirche Santa Maria.

Foto links – die Mudra-Geste (wie bei einer tantrischen Tänzerin)

Die Freundinnen der Frauen

Es gäbe noch viel zu erzählen, über die Schwarzen Madonnen, die Freundinnen der Frauen, in deren Nähe meist eine wundertätige Quelle sprudelt, aber das würde den Rahmen einer Website sprengen.
Fakt ist, dass es im 16. Jh in Frankreich fast 200 dieser Statuen gab, und bis heute wurden weltweit über 450 Figurinen entdeckt. Fakt ist auch, dass die Volksfrömmigkeit die Romanischen Madonnen pauschal als „Schwarze Madonnen“ bezeichnet, gleich ob sie nun schwarz sind oder nicht:

„Schwarz bin ich und schön, ihr Töchter Jerusalems, schwarz wie die Zelte Kedars, schön wie die Zeltdecken Salomons.“

Zum Abschluss ein kleiner Reigen meiner interessantesten Madonnen-Entdeckungen der letzten Jahre, für die – teilweise  blau unterlegt, d.h. anklickbar – weitere Informationen zur Verfügung stehen.

Sachbücher zum Thema:
Christa Mulack, „Maria – Die Geheime Göttin im Christentum, Stuttgart 1985
Erich Neumann, „Die Große Mutter“, Freiburg i. Br., 1989
Franz Siepe, „Fragen der Marienverehrung“, Gräfelfing 2002
Ean Begg, „Das Rätsel der Schwarzen Madonna“, Bad Münstereifel 1989

(Rocamadour, Dep. Lot, Frankreich)

(Nuria, Pyrenäen)

(Chartres, Eure-et-Loir)

Die Freundinnen der Frauen – Vic, Katalonien (Diözesanmuseum)

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Helene L. Köppel

Eine gruselige Legende –
Sant Pere de Casserres, Katalonien

Die Pyrenäen sind reich an Legenden

Eine wahrhaft düstere Legende erzählt man sich über Sant Pere de Casserres. Es heißt, dass das Kloster einst über dem Grab eines Kindes aus dem Haus der Grafen von Osona-Cardona errichtet wurde. Dieses Kind, das angeblich bereits drei Tage nach seiner Geburt sprechen konnte, sagte seinen Tod voraus: „Ich werde nach dreißig Tagen sterben!“ Es befahl, dass man seinen Körper auf den Rücken eines Maultiers binde und dieses losschicke. Dort, wo sich das Tier erstmals niederlasse, solle man ein Kloster errichten und es dem Heiligen Petrus weihen.
Tatsächlich waren in Sant Pere de Casserres lange Zeit die Reste eines mumifizierten Kindes erhalten, die von den Bewohnern der Region als Reliquien verehrt und denen übernatürliche Kräfte zugesprochen wurden. In Zeiten großer Trockenheit wurde das Behältnis mit den sterblichen Überresten des Kindes in einer feierlichen Prozession zum smaragdgrünen Fluss Ter geführt.
 
 

Der Fluss Ter (alle Fotos können angeklickt und vergrößert werden!)

Auf dem Weg zum Kloster

Aber nun zum Kloster selbst …

Sant Pere de Casserres ist ein ehemaliges Benediktinerkloster aus dem 11. Jahrhundert (frühere Burganlage aus dem 8. Jh.), in der Nähe der Stadt Vic gelegen. Das Kloster gehört zur Gemeinde Les Masies de Roda in der Comarca Osona der autonomen Region Katalonien und liegt auf einem schmalen Felssporn über dem Stausee Pantà de Sau, den der Fluss Ter bildet.
Die beeindruckende Basilika, die heute zu sehen ist, wurde im Jahr 1050 eingeweiht. Dreißig Jahre später wurde Casserres mit dem Kloster Cluny verbunden und zugleich Priorat. Es galt seinerzeit als der bedeutendste Besitz von Cluny in Katalonien; viele Ländereien und Kirchen waren von Sant Pere de Casserres abhängig.

Erdbebenzone Pyrenäen
Die Pyrenäen gelten allgemein als seismisch aktive Zone. Immer wieder kommt es zu Beben und tektonischen Verwerfungen, (s. a. meinen Roman „Talmi“). Der spanische Historiker Jeronimo Zurita berichtet von einem großen Erdbeben, das sich am 2. Februar 1373 in der Grafschaft Ribagorca zugetragen hat, und bei dem es viele Tote und „große Verwüstungen“ gab.
Bei einem Erdbeben im Jahr 1428 wurde auch das Kloster San Pere de Casserres schwer in Mitleidenschaft gezogen – wobei das Gewölbe des Nordschiffes einstürzte und das Kloster zerstörte. Erst im Jahr 1998 wurde es restauriert und wieder eingeweiht. Spuren des Erdbebens finden sich noch heute im Bereich des Kreuzgangs (völlig verschoben!).
Im 15. Jh. gab es sogar eine ganze Serie von Erdbeben in der Nähe der Stadt Olot.

Nach dem Erdbeben begann das Kloster zu verfallen und wurde 1572 säkularisiert. Das Vermögen ging an das Jesuitenkollegium in Barcelona, zu dem es bis zur endgültigen Auflösung im Jahr 1767 gehörte. Danach wurde es an die Besitzer der Pla de Roda verkauft.
Heute gilt die romanische Kirche mit drei Schiffen und drei Absiden, als eines der Meisterwerke der katalanischen Romanik.

Wie man an dem Modell rechts – einem Nachbau der ursprünglichen Basilika – sehen kann, waren die Wände wie in fast allen Kirchen dieser Zeit mit farbenfrohen Biblischen Szenen bemalt!

(Foto bitte anklicken zum Vergrößern!

Mit einem letzten kleinen „Durchblick“ bedanke ich mich ganz herzlich für Ihr Interesse an meiner Website!

Ihre

Helene L. Köppel

Natur, Kultur und Kulinarisches:
Rupit i Pruit – bei den Katalanen

Der Dichter und Schriftsteller Josep Maria de Sagarra i de Castellarnau gilt als einer der bekanntesten katalanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er liebte „sein Katalonien“ und schreibt über das Pyrenäendorf Rupit (Eingangsfoto) folgendes:

 

„Rupit ist ein reizvolles Dörfchen und liegt inmitten der Buchenhaine des Tales Collsacabra. Es handelt sich dabei um einen jener versteckten Winkel, die in zwanzig Jahren vielleicht schon ihren ursprünglichen Charakter verloren haben werden. Heute jedoch ist das traditionelle Erscheinungsbild noch erhalten und entzückt den Besucher mit seinen malerischen Schindeldächern, den Holzbalkonen, den steilen Gassen und den verschlafenen alten Häusern. An einigen davon sind noch gotische Fenster zu sehen, die meisten Gebäude stammen jedoch aus der Barockzeit des siebzehnten Jahrhunderts, der Zeit der Verehrung der Heiligen, der tränenreichen Muttergottesfiguren, der Liebeslieder und der Wegelagerer, wie die berühmten Bandoleros l’Hereu Riera, d’En Serrallonga und Perot el Lladre, die hier ihr Unwesen trieben. Die katalanische Kultur des siebzehnten Jahrhunderts war von der Verehrung des Heldentums und von tiefer Empfindsamkeit geprägt, die sich in unseren Volksliedern und Legenden niedergeschlagen haben. Das Dorf Rupit repräsentiert all das. Es ist ein Stück lebendig gebliebene Geschichte, ein bescheidener versteckter Winkel aus dem katalanischen siebzehnten Jahrhundert …“

(Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Die Kapelle St. Magdalena stammt aus dem 17. Jh.;
sie steht auf einem Berg oberhalb der Krümmung des Wildbaches von Rupit.

Es war heiß am 2. Juni 2017, als ich mich um die Mittagszeit – von Rupit aus – auf den Weg hinauf zur Magdalenenkapelle machte. Der Aufstieg, der durch den schattigen Wald führte, war nicht anstrengend. Aber es gab jede Menge „Stolpersteine“, und weil ringsum aus allen Löchern und Ritzen Wasser gurgelte, waren die Steine bemoost und rutschig. Als ich dann endlich oben ankam, war ich enttäuscht: Das Eingangstor war zu. Schade!
Aber pst! Aufgeben ist nicht mein Ding. Ich hielt mal kurz meine Kamera ans Schlüsselloch:
(s. Foto unten)

Version 2

Beim Erkundungsgang durch Rupit i Pruit muss man die Augen unbedingt offenhalten, den hier gibt es viel Eigenartiges zu entdecken!
(Pruit besteht übrigens nur aus mehreren Bauernhäusern, die über das gesamte Gemeindegebiet verstreut sind. Unter diesen Bauernhäusern befindet sich auch die Kirche Sant Andreu, s. Foto Kirchturm unten.)

Kommen Sie mit mir auf Entdeckungsreise!
(Fotos bitte anklicken!)

Schöne Ein- und Ausblicke!

Malerische Treppengassen,
geheimnisvolle Inschriften,
Tatzenkreuze über den Türen,
Sonnenräder und
archaische Pyrenäen-Madonnen …

(Turm der Kirche St. André, Pruit)

(Die Schwarze Madonna von Pruit)

Ganz besonders spannend fand ich die Überquerung des Wildbachs mittels einer Hängebrücke, die den zweigeteilten Pyrenäenort Rupit verbindet!

Ein weiterer magischer Ort in der Nähe von Rupit!

In der Umgebung von Rupit i Pruit kann man viele interessante Zeugnisse der romanischen Kunst entdecken – wie etwa die ehemalige Eremitage Sant Joan de Fàbregues.
Ein Besuch ist absolut empfehlenswert!

(Sant Joan de Fàbregues  – ein magischer Ort!)

(Die Rückseite der Kapelle)

Sant Joan de Fàbregas, sehr einsam gelegen, aber mit einem herrlichen Ausblick auf das Gebirgsmassiv der Guilleries, war die ehemalige Pfarrkirche von Rupit, bis 1955 als San Juan bekannt, seit 968 als Eremitage dokumentiert.

Rupit i Pruit und San Joan de Fàbregues liegen in der sog. Garrotxa eine wilde Naturlandschaft mit tiefen Buchenwäldern. Dort stößt man nicht selten auf Vulkankegel und Lavahänge.
Das nachstehende Foto einer solchen Lavazunge entstand in der unmittelbaren Nähe von San Joan de Fàbregues.

Kulinarisches zum Schluss:
Lassen Sie es sich nicht entgehen, ein paar Leckerbissen mit nach Hause zu nehmen (oder auch vor Ort zu kosten): z.B. das Fladengebäck „Coca de Pa“ oder den berühmten „Ratafia“ (Kräuterlikör aus grünen Walnüssen und Gewürzen). Auch der besonders aromatische Bienenhonig aus den Pyrenäen ist zu empfehlen – und nicht zuletzt  die traditionellen Würste, „Bulls“ genannt.

Vielen Dank für Ihr Interesse!