Vic – das römische „Ausa“

Die Stadt Vic liegt in Katalonien, auf der Route Ripoll – Barcelona.

Warum Vic? Seit Jahren war ich auf der Suche nach bestimmten Romanischen Madonnen, die in ihren Stammkirchen nicht mehr anzutreffen waren. Hatte man sie aus dem Verkehr gezogen? Waren sie gestohlen worden? Spurlos verschwunden? Versteckt?
Dann verwies mich jemand nach Vic … Von dieser Stadt in Katalonien hatte ich zuvor nie gehört.
Heute sage ich: Schwein gehabt!* – der Aufenthalt in Vic hat sich für mich in jeder Hinsicht gelohnt!

Geschichtliches zu Vic:

Vic gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Inlands-Zentren Kataloniens. Schon vor dem Eintreffen der Römer besaß hier der iberische Stamm der Ausetaner inmitten der verhältnismäßig breiten Ebene sein quasi-städtisches Zentrum.
In römischer Zeit – da hieß Vic AUSA – gewann die Stadt an Bedeutung zuerst als Endpunkt der 120 v. Chr. angelegten Straße über den Ares-Pass, später als namhafter Etappenort an der mittlerweile in der Kaiserzeit erschlossenen Verkehrsader nach Barcelona.
Im Foto der Römische Tempel an der Placa Vella nordwestlich der Kathedrale, dessen Mauern in den Innenhof des früheren Grafenschlosses hineingebaut und erst 1882 bei dessen Abbruch identifiziert worden waren.

Das Episkopal-Museum von Vic

Im Episkopal-Museum von Vic befinden sich viele alte Kunstschätze aus dem Mittelalter: Liturgische Kunst, Malerei, Romanische und gotische Skulpturen – darunter auch die von mir lange gesuchten Madonnen! (Die Korpusse teils aus Holz, teils aus Alabaster – farbig bemalt.)

Das Museum wurde bereits im Jahr 1891 von Bischof Josep Morgades eingeweiht, damals Präsident der Archäologischen Gesellschaft von Vic. Das Unternehmen besaß nach der Entdeckung des römischen Tempels bereits ein Lapidarium *. Dieses stellte die Grundlage dar für das Bischöfliche Museum, das sich im Kreuzgang der Kathedrale befindet und im Bischofspalast.

Im Jahr 1995 stimmten die Gemeinde Vic, das Bistum und die Generalität von Katalonien der Renovierung und einem Neubau zu.
Das neue Museum wurde am 18. Mai 2002 eröffnet.

Lapidarium (von lapis „Stein“) ist die Bezeichnung für eine Sammlung von Steinwerken, etwa Skulpturen, Sarkophage, Epitaphe, Grabsteine etd., die oft am Ausgrabungsort ausgestellt sind. Trotz der römischen Bezeichnung werden auch Lapidarien aus anderen Epochen bis hin zur Neuzeit zusammengestellt.

In diesem tollen Museum reihte sich tatsächlich ein Charakterkopf an den anderen …

Hier entdeckte ich auch die für mich pfiffigste Maria Magdalenen-Darstellung aller Zeiten!

 „Santa María Magdalena
Künstler unbekannt, Katalonien,
letztes Viertel des 14. Jh.,
Stein, polychrome, 87x29x19 cm.
Stand früher vermutlich in der Kathedrale von Vic.

Am Abend wurde dann auf dem großen Platz von Vic mächtig aufgetischt – je nach Gusto und Geldbeutel …

Für alle, die evtl. einen Besuch in Vic planen:

Im Untergeschoss des Museums entdeckt man Stücke von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter, die in und um Vic herum bei archäologischen Ausgrabungen gefunden wurden (s.a. Lapidarium).
Das Erdgeschoss ist der Malerei gewidmet und der romanischen und gotischen Skulptur.
Zu den herausragenden Werken der romanischen Epoche gehören das Portal der St. Vincent Malla Kirche, eine Madonnen-Sammlung und Fresken aus den Kirchen von Sant Sadurní von Osormort, El Brull, Sescorts, La Seu d’Urgell, usw.
In Bezug auf die gotische Malerei finden sich „retablos“ – gemalt von Pere Serra, Bernat Martorell, Ramon de Mur, Jaume Huguet, Lluís Borrassà.
Im ersten Stock sind Gemälde und Skulpturen aus dem 15. – 19. Jahrhundert ausgestellt, sowie liturgische Gegenstände.
Im zweiten Stock kann man dekorative Katalanische Kunst bewundern.

*(Dieses Foto entstand in Vic kurz vor meiner Heimreise nach Schweinfurt: „Schwein gehabt in Vic!“)

Herzlichst

Helene L. Köppel

Ein Foto noch zum Schluss – wobei ich den Feuermelder, links in der Ecke, gar nicht so unplatziert fand, in Anbetracht der makabren Reliquienbehälter …

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