Marcevol – eine Atempause vom Leben

(Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Das Priorat von Marcevol

befindet sich auf einer Hochebene über dem Têt-Tal. Die umliegende Landschaft ist beeindruckend, vor allem im Frühling, wenn die Zistrosen blühen. Im Norden befindet sich der Roc del Maure (775 m), im Westen der Pic de Bau (1025 m), im Süden der legendäre Berg der Katalanen, der Canigou (2785 m)

Ich war sowohl im Frühling als auch im Herbst in Marcevol, und die Stimmung war jedes Mal unbeschreiblich – so als ob man eine andere Welt betreten hätte.

Marcevol – Romanschauplatz von „SALAMANDRA“

Marcevol selbst – die Einsamkeit, aber auch die tolle Umgebung – haben mich zu meinem Psychothriller „Salamandra“ inspiriert.
Ein kleiner Auszug aus dem Roman:

„Im Schutz teils schneebedeckter Pyrenäenberge lag ´Arkadien` vor ihr, so wie man sich dieses Land vorstellte – als Hochebene mit tiefgrünen Weideflächen, durchzogen von Zypressen und Rosenfeldern. Abertausende Montpellier-Zistrosen: Schlichte weiße Blüten mit honiggelben Bechern. Überspannt wurde die friedliche Kulisse von einem gewitterschwangeren Himmel – mit einem Stich in Rosa.“

Marcevol liegt auf dem Jakobsweg.

Im Reiseführer stand, das Kloster sei einst eine Niederlassung der Tempelritter gewesen, aber das ist vermutlich falsch. Vor Ort erfuhr ich, dass Marcevol im 12. Jh. durch die Chorherren des Heiligen Grabes gebaut wurde – nachdem ihnen der Bischof von Elne eine kleine Kapelle geschenkt hatte. Um diese Kapelle herum erbauten die Grabesritter ihre Gebäude.
Der Orden vom Heiligen Grab wurde 1099, nach der Eroberung von Jerusalem, gegründet, um dort das Heilige Grab zu bewachen. Er verbreitete sich rasch auch in Europa, wo er viele Schenkungen bekam.
Das Kloster Marcevol war vom Jahr 1129 an eine seiner Einrichtungen.
Bereits im Jahr 1840 wurde das Kloster Marcevol zum Monument historique erklärt.

Wahrheit oder Legende?

Zu einem echten Anziehungspunkt für Pilger
wurde Marcevol, nachdem hier der Legende nach
die Mutter eines Papstes
bestattet wurde.
Auf dem Weg nach Santiago de Compostela
wollte sie in Marcevol Halt machen, um zu beten.
Sie stieg den Berg hinauf, war müde und erschöpft.
Plötzlich geriet sie in ein schreckliches Unwetter
und starb …
Das Kuriose an der Geschichte ist,
dass es sich um die Mutter des
unmittelbaren Nachfolgers von Petrus
gehandelt haben soll!
Aber damals – um das Jahr 70 n. Chr.
pilgerte man noch gar nicht
nach Santiago de Compostela!

(Im Bild: Ein Taufstein aus dem Mittelalter)

Der rosafarbene Marmor kommt aus Villfranche de Conflent.

Notre Dame de les Grades –
11. Jh, romanische Sitzmadonna

Die hochverehrte Madonna von Marcevol – Unsere Dame von den Treppen – steht heute in dem kleinen Ort Boule d’Amont (Département Pyrénées-Orientales, Nähe Prades) – und zwar in der Pfarrkirche Saint-Saturnin aus dem 11. Jahrhundert.

Ein Blick aufs Dorf Marcevol:

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel

Einige Tipps für Reisende oder Pilger:
Neben dem obligatorischen Verkaufs-Shop gibt es im Kloster Marcevol auch eine Bibliothek. Selbstversorgende Wanderer/Pilger haben die Möglichkeit, hier Rast zu machen.
Im Dorf steht die Kirche Nostra Senyora de les Grades aus dem 11. Jh. Sie kann derzeit nicht besichtigt werden, da Einsturzgefahr. 
In etwa 2 km Entfernung findet sich der Dolmen de la Barraca, aus der Megalithzeit.

Zum Schluss noch eine kleine Fotogalerie:

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