Santiago de Peñalba

Die ehemalige Abteikirche Santiago de Peñalba liegt in Spanien, in der Region Kastilien-León, in einem abgelegenen Hochtal der Gebirgskette der Montes de León, ca. 20 km von Ponferrada, der Hauptstadt der Comarca El Bierzo entfernt. Der Name Peñalba bedeutet weißer Fels.

Diese kleine Kirche zählt zu den bedeutendsten mozarabischen Bauwerken im Nordwesten Spaniens. Der Bau wird auf 931 bis 937 n. Chr. datiert.


Mitten in den Bergen von León – entspannte Abgeschiedenheit
Das kleine Dorf mit seiner atemberaubenden Kulisse war bei meiner Ankunft am 5. Mai 2019 so verschwiegen still wie die zum Teil noch schneebedeckten Berge. Nur Vögel zwitscherten.

Zur Geschichte des Dorfes und der Kirche

Wir schreiben das Jahr 936 n. Chr. Der Heilige Gennadus fasst den Entschluss, sein Amt als Bischof von Astorga aufzugeben, um fortan das Leben eines Eremiten zu führen. Er zieht sich in die Berge von León zurück, wo es weitere Eremiten gibt, und gründet in Peñalba ein kleines Kloster. Nach seinem Tod bestatten die Mönche seine Gebeine in der Westapsis der Kirche. Im 13. Jahrhundert wird das Kloster aufgegeben und die Kirche von der kleinen Gemeinde, die sich ringsum angesiedelt hat, als Pfarrkirche genutzt. Peñalba gerät in Vergessenheit. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt man, sich wieder für die einzigartige Kirche im Mozarabischen-Stil zu interessieren. 1931 wird sie zum Monumento Histórico-Artístico Nacional erklärt. In den 1940er Jahren werden erste Restaurierungsmaßnahmen eingeleitet.


Die Mozarabische-Architektur

Mozaraber nennt man Christen, die von der Kultur des Islam geprägt wurden. Es handelt sich um diejenigen Bewohner von al-Andalus, die sich nach der Besiedelung durch die Mauren deren Kultur angeeignet hatten, jedoch ihren christlichen Glauben bewahrten. Sie entwickelten einen präromanischen Stil, der von der islamischen Baukunst inspiriert wurde. Typisch hierfür sind insbesondere eng geschlossene Hufeisenbögen mit Alfizrahmen, wie in Peñalba.

Der Mudéjar-Stil

Der Mudéjarstil ist vor allem in den Regionen Aragón (z.B. Zaragoza mit seinem Palast der Aljafería) und Kastilien-León zu finden. (Hier vor allem in Avila, León, Zamora, Burg Coca und Stadt Toledo. Der einzigartige Baustil verbindet ebenfalls die arabische mit der christlichen Baukunst. Charakteristisch ist die Verwendung von Baumaterialien wie Backsteinen, Gips und Keramik anstelle von Stein.



Die Kirche von Pénalba selbst ist aus Bruchstein erbaut.
Vier schmale Fensteröffnungen (Alabaster-Fenster) sind noch im Original erhalten. Das Dach ist mit Schieferplatten gedeckt. Der offene Glockengiebel steht hingegen separat, westlich der Kirche, und stammt aus neuerer Zeit.

Es gibt zwei Zugänge zur Kirche. Das Südportal weist einen doppelten mozarabischen Hufeisenbogen auf.
Die Säulen besitzen korinthische Marmorkapitelle.

Der Grundriss der Kirche ist ein lateinisches Kreuz. Die Absiden haben ebenfalls einen hufeisenförmigen Grundriss.
An den Wänden und Gewölben befinden sich noch Fresken aus der Entstehungszeit.

(Die kleinen Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Nachstehend der Heilige Gennadius, der sein Kloster im 10. Jahrhundert dem Apostel Jakobus geweiht hat.

Die Heiligenfiguren sind derzeit (Mai 2019) ausgelagert, sie stehen im Haus gegenüber der Kirche, wo sich auch der Schlüssel befindet. Aufgrund von Restaurierungsarbeiten kann die Kirche nur während einer Führung besichtigt werden.

Ein letzter Blick durchs mozarabische „Schlüsselloch“ nach draußen, bevor es auf tollkühnem Weg wieder hinab ins Tal geht …

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Ripoll – und die Radkarte des Heiligen Isidor von Sevilla

(Ein Blick auf das Rathaus von Ripoll und den alles überragenden Turm der Abtei)

Wir befinden uns in Katalonien – in der Stadt Ripoll

Ripoll liegt in der Provinz Girona in Katalonien (Spanien); am Zusammenfluss der Flüsse Ter und dessen Nebenfluss Freser. Ripoll ist Hauptstadt der Comarca Ripollès in den katalanischen Vorpyrenäen. Die Stadt hat ca. 10 000 Einwohner und ist relativ „unspektakulär“ –

nicht jedoch das dort befindliche Kloster Santa Maria de Ripoll aus dem 10. Jahrhundert!

Das Portal von Ripoll – ein Triumphbogen!

ein Wunderwerk mittelalterlicher Steinmetzkunst! Heute ist es vom Steinfraß bedroht und steht geschützt hinter Glas. Das Ensemble ist beherrscht von der Siebenzahl: Sieben hintereinander gestaffelte Bögen rahmen die Pforte. Die mächtige Schauwand, die sie umgibt – ein Viereck mit 11,60 Meter Breite und 7,65 Meter Höhe – ist ihrerseits in sieben horizontalen Streifen unterschiedlicher Höhe gegliedert. Nur der oberste Bereich – dem Himmel zugehörig – erstreckt sich über die ganze Breite des Portals.

Bereits im Jahr 888 wurde die erste Kirche geweiht; 935 trat ein Neubau an ihre Stelle – der jedoch ebenfalls als „ungenügend“ empfunden wurde. Etwas Größeres musste her:

Im Jahr 977 entstand eine fünfschiffige Basilika.

Später führte der berühmte Abt Oliba das Werk zu Ende. Er verlängerte das Langhaus, ließ zwei Glockentürme errichten sowie das monumentale Querschiff mit 7 Absiden (Weihe 1032). Zweihundert Jahre später entstand das prachtvolle Portal mit seiner symbolhaltigen Figurenwelt.

Santa Maria de Ripoll gehört neben Cuxa und Sant Pere de Roda zu den intellektuellen Zentren Kataloniens, aus seiner Schreibstube kamen prachtvoll illuminierte Handschriften usw.

Das Kloster von Ripoll verfügte schon früh über Handschriften griechisch-arabischer Gelehrsamkeit, die sich mit Arithmetik, Astronomie und Geometrie befassten. Ab dem 10. Jh. begannen die Mönche in den Schreibstuben von Ripoll diese Schriften aus dem Arabischen ins Lateinische zu übersetzen, um sie später in ganz Europa zu verbreiten. Aus den Beständen der Klosterbibliothek kamen diese Werke auch in das Archiv der Krone von Aragon.

Die Weltkarte des Heiligen Isidor

Das Isidor-Manuskript, das in Ripoll angefertigt wurde (benannt nach dem Erzbischof von Sevilla um 570 – 636 n. Chr.), befindet sich heute in Rom.
Um was geht es dabei? Die wichtigste Stelle in der Bibel, nach der sich die christliche Geographie zu richten hatte, war in der Schöpfungsgeschichte zu finden, denn Gott hatte dem Wasser und dem Land jeweils einen besonderen Ort zugewiesen. Und es war im 7. Jh. erstmals Isidor von Sevilla, der in seiner enzyklopädischen Sammlung „Etymologiae“ nicht nur diese biblischen Vorgaben visualisierte, sondern auch das Wissen der Antike zu bewahren versuchte. Seine Kosmographie De naturare rerum beinhaltet die erste schematische T-O-Weltkarte, welche nachfolgenden Generationen als Vorbild und Kopiervorlage diente. Die Herstellung von Karten erfolgte mehr dem künstlerischen und illustrativen Zweck und hauptsächlich wurde zu der damaligen Zeit die Isidor-Karte kopiert, wobei nicht nur alte Fehler sondern auch noch neue Irrtümer übertragen wurden. Auch wurden die kopierten Karten noch mit Einzelheiten aus beliebten Mythen ausgeschmückt, und dabei spielte die Phantasie eine größere Rolle als die darstellerische Genauigkeit. Die von Isidor in seinen Schriften erwähnten Wunderwesen (Pygmäen, Schattenfüßler, Hermaphrodite) und verwandelten Menschen (Werwölfe, Hexen, Schweine, etc.) wurden phantasievoll ausgestaltet.

(Radkarte des Isidor/Ripoll)

(Mappae mundi von Ripoll (ca. 1050) in der Biblioteca Apostolica Vaticana, Ms Reg. Lat. 123, f. 143v-144r.)

Radkarte, TO-Karte, E tripartite type, T-O mappamundi, meist kleines kreisrundes Erdbild, die allgemeine Form der mittelalterlichen Darstellung des christlichen Weltbildes nach der Lehre des Kirchenvaters Augustinus. Die obere Hälfte dieser geosteten Erdbilder stellt Asien mit dem Paradies dar, das durch ein T-förmiges Gewässer von Europa (links unten) und Afrika (rechts unten) getrennt ist. Der Außenring (O) symbolisiert das Weltmeer, daraus ergibt sich die Bezeichnung als TO-Karte. Solche Karten finden sich hauptsächlich als kleine Textabbildungen in Psaltern vom 8. Jh. bis um 1100. Nach 1100 wird der Inhalt durch Einflüsse der Kreuzzüge reicher, im Mittelpunkt steht jetzt Jerusalem. Aus dem 13. Jh. sind große, reich ausgeschmückte Radkarten bekannt. (Quelle Spektrum.de)

Sowohl die Ritter des Salomonischen Tempels als auch die Grabesritter waren hier zugange:

(Tatzenkreuz der Tempelritter)

(Jerusalemkreuz der Grabesritter)

Der doppelstöckige Kreuzgang von Ripoll

Dieser Kreuzgang auf zwei Etagen ist etwas Besonderes.
Im großen Erdbeben von 1428 wurde das Kloster Ripoll zerstört. Außer dem prachtvollen Portal (s. Foto oben) – das heute geschützt hinter Glas steht – ist nur dieser interessante Kreuzgang weitgehend erhalten geblieben.

Hier eine kleine Foto-Show der Kostbarkeiten am Portal und an den Kapitellen im Kreuzgang:

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Helene Köppel

Marcevol – eine Atempause vom Leben

(Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Das Priorat von Marcevol

befindet sich auf einer Hochebene über dem Têt-Tal. Die umliegende Landschaft ist beeindruckend, vor allem im Frühling, wenn die Zistrosen blühen. Im Norden befindet sich der Roc del Maure (775 m), im Westen der Pic de Bau (1025 m), im Süden der legendäre Berg der Katalanen, der Canigou (2785 m)

Ich war sowohl im Frühling als auch im Herbst in Marcevol, und die Stimmung war jedes Mal unbeschreiblich – so als ob man eine andere Welt betreten hätte.

Marcevol – Romanschauplatz von „SALAMANDRA“

Marcevol selbst – die Einsamkeit, aber auch die tolle Umgebung – haben mich zu meinem Psychothriller „Salamandra“ inspiriert.
Ein kleiner Auszug aus dem Roman:

„Im Schutz teils schneebedeckter Pyrenäenberge lag ´Arkadien` vor ihr, so wie man sich dieses Land vorstellte – als Hochebene mit tiefgrünen Weideflächen, durchzogen von Zypressen und Rosenfeldern. Abertausende Montpellier-Zistrosen: Schlichte weiße Blüten mit honiggelben Bechern. Überspannt wurde die friedliche Kulisse von einem gewitterschwangeren Himmel – mit einem Stich in Rosa.“

Marcevol liegt auf dem Jakobsweg.

Im Reiseführer stand, das Kloster sei einst eine Niederlassung der Tempelritter gewesen, aber das ist vermutlich falsch. Vor Ort erfuhr ich, dass Marcevol im 12. Jh. durch die Chorherren des Heiligen Grabes gebaut wurde – nachdem ihnen der Bischof von Elne eine kleine Kapelle geschenkt hatte. Um diese Kapelle herum erbauten die Grabesritter ihre Gebäude.
Der Orden vom Heiligen Grab wurde 1099, nach der Eroberung von Jerusalem, gegründet, um dort das Heilige Grab zu bewachen. Er verbreitete sich rasch auch in Europa, wo er viele Schenkungen bekam.
Das Kloster Marcevol war vom Jahr 1129 an eine seiner Einrichtungen.
Bereits im Jahr 1840 wurde das Kloster Marcevol zum Monument historique erklärt.

Wahrheit oder Legende?

Zu einem echten Anziehungspunkt für Pilger
wurde Marcevol, nachdem hier der Legende nach
die Mutter eines Papstes
bestattet wurde.
Auf dem Weg nach Santiago de Compostela
wollte sie in Marcevol Halt machen, um zu beten.
Sie stieg den Berg hinauf, war müde und erschöpft.
Plötzlich geriet sie in ein schreckliches Unwetter
und starb …
Das Kuriose an der Geschichte ist,
dass es sich um die Mutter des
unmittelbaren Nachfolgers von Petrus
gehandelt haben soll!
Aber damals – um das Jahr 70 n. Chr.
pilgerte man noch gar nicht
nach Santiago de Compostela!

(Im Bild: Ein Taufstein aus dem Mittelalter)

Der rosafarbene Marmor kommt aus Villfranche de Conflent.

Notre Dame de les Grades –
11. Jh, romanische Sitzmadonna

Die hochverehrte Madonna von Marcevol – Unsere Dame von den Treppen – steht heute in dem kleinen Ort Boule d’Amont (Département Pyrénées-Orientales, Nähe Prades) – und zwar in der Pfarrkirche Saint-Saturnin aus dem 11. Jahrhundert.

Ein Blick aufs Dorf Marcevol:

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel

Einige Tipps für Reisende oder Pilger:
Neben dem obligatorischen Verkaufs-Shop gibt es im Kloster Marcevol auch eine Bibliothek. Selbstversorgende Wanderer/Pilger haben die Möglichkeit, hier Rast zu machen.
Im Dorf steht die Kirche Nostra Senyora de les Grades aus dem 11. Jh. Sie kann derzeit nicht besichtigt werden, da Einsturzgefahr. 
In etwa 2 km Entfernung findet sich der Dolmen de la Barraca, aus der Megalithzeit.

Zum Schluss noch eine kleine Fotogalerie:

Saint-Guilhem-le-Désert – ein Juwel der Romanischen Kunst

„Ein Juwel der Romanischen Kunst“ wird das Kloster Saint-Guilhem-le-Désert  (vormals GELLONE) genannt!
Es liegt im Département Hérault – und ist eine der Stationen auf der Via Tolosana, dem südlichsten der vier Jakobswege in Frankreich.

(Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Es handelt sich um das ehemalige Kloster des Wilhelm von Aquitanien (auch Wilhelm von Gellone, Wilhelm d’Orange, Wilhelm der Heilige oder Wilhelm Kurznase genannt. Wilhelm (verst. 812) war der Sohn des Grafen von Autun und dessen Frau Aldana, die vermutlich eine Tochter des fränkischen Hausmeiers Karl Martell war.
Karl der Große ernannte Wilhelm als Nachfolger des abgesetzten Grafen Chorso zum Grafen von Toulouse.
In den Quellen wird stets der Mut des Grafen hervorgehoben. So eroberte er im Jahr 801, gemeinsam mit Ludwig dem Frommen, die Stadt Barcelona; er kämpfte gegen Basken und Sarazenen gleichermaßen.

Wilhelm von Gellone wurde im Jahr 1066 heiliggesprochen.
Er gilt als Schutzheiliger der Waffenschmiede.
Im Jahr 1139 wurden seine Gebeine hierher gebracht und das Kloster wurde nach ihm „Saint-Guilhem-le-Désert“ genannt (Désert=Wüste/Einöde).
Im Jahr 1793 – also während der Französischen Revolution – wurden die Gebeine geraubt und zerstreut. Die Überreste befinden sich heute in der Basilika St. Sernin in Toulouse.

Im Chanson de Guillaume,
einem der großen altfranzösischen Epen wird Wilhelm Kurznase verherrlicht.
Dieser Stoff wurde zu Beginn des 13. Jh. von Wolfram von Eschenbach in seinem „Willehalm“ ins Deutsche übertragen.

Kirchenschätze – wertvolle Reliquien!

Links: Ein Splitter vom Kreuz Christi

Das Kloster von Gellone gewann sofort an Prestige und Einfluss – nicht zuletzt wegen seiner wichtigsten Reliquie: Ein Splitter vom Kreuz Christi, das Karl der Große Wilhelm geschenkt hatte.

Die Krypta Wilhelms von Gellone  stammt aus der Karolingerzeit.

Zwei Seitentreppen führen in die Tiefe. Ursprünglich war die Krypta eine gewölbte Hauskapelle mit zwei durch Säulen getrennten Kirchenschiffen, in der die Pilger vor den Reliquien des Heiligen beteten.
Das massive Steinwerk rechts hinten war evtl. sein Grab. Der Ort war dem Andrang der Pilger bald nicht mehr gewachsen. Daher wurde die Krypta irgendwann nicht mehr benutzt und wahrscheinlich während der Religionskriege ganz geschlossen, bevor man sie in den 60er Jahren restaurierte.

Der Kreuzgang von Gellone

Der Kreuzgang wurde während der Französischen Revolution leider verkauft bzw. teilweise als Steinbruch abgetragen. Der damalige Friedensrichter von Aniane hat jedoch viele Stücke gesammelt. Nach seinem Tod wanderten diese von einem Antiquitätenhänder zum anderen, bis nach Carcassonne und Paris. Dort erwarb sie ein amerikanischer Bildhauer und brachte sie – zusammen mit anderen Kreuzgängen – nach New York.
Zwischen den beiden Weltkriegen nahm sich das Metropolitan Museum of Art der Sache an: So kann man seit 1936 im „Kreuzgangmuseum“ 148 Stücke des Klosters Gellone und einen originalgetreuen Nachbau seines Kreuzganges bewundern.

 

Aber es gibt durchaus noch alte Steinschätze in Saint-Guilhem-le-Désert selbst. Man hat sie zusammengetragen und in diesem Raum ausgestellt:

Eine kleine Fotogalerie der dort ausgestellten Schätze:

Das Kloster Gellone als Romanschauplatz

„Doña Agnès saß steif auf einer der Bänke im Garten des Klosters Gellone. Die Sonne schien warm, aber es war noch früh am Tag, so dass Honoria, ein wenig linkisch, ihrer Herrin eines der mitgebrachten Felle unterschob. Von Zeit zu Zeit strich der Wind über das zarte Laub der Weiden. Auf den Hügeln der stein- und buschgefleckten Berge, die sich rings um das Kloster zogen, begannen die ersten Wildblumen zu blühen.
Als die Terz-Glocke bimmelte, flog ein Schwarm Dompfaffen auf. Honoria lachte leise. Doña Agnès jedoch nahm die Vögel mit ihren auffälligen Bäuchen nicht wahr, so wie sie auch die seit Tagen hervorbrechenden Farben des Frühlings ignorierte. Sie haderte mit Gott und der Welt, weil man sie gezwungen hatte, sich hierher zurückzuziehen. Sie war eine gebrochene Frau. Es frommte ihr nichts mehr und es gefiel ihr nichts …“
(Aus „Alix – Das Schicksalsrad“)

Nach soviel Kunst lädt der gemütliche Dorfplatz von Saint Guilem-le-Désert zum Verweilen ein!

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Helene Köppel

Noch ein Tipp:
Besuchen Sie auch den kleinen Verkaufsraum des Klosters, den die dort ansässigen Karmeliterinnen betreuen. Die Nonne, die mir behilflich war, bekam ganz rote Bäckchen vor Freude!
Folgende Bücher habe ich ihr abgekauft:
1. Guide Secret du Pays Cathare – Jean-Luc Aubarbier

2. Guide Secret de Montpellier et de ses Environs – Myriem Lahidely
3. Guide Secret des Templiers – Thierry P.F. Leroy

San Juan de la Peña – der Hort des Heiligen Grals

San Juan de la Peña ist ein ehemaliges Benediktinerkloster in Aragon (Spanien, südwestlich der Stadt Jaca).

Die Legende besagt, hier sei der Hort des Heiligen Grals gewesen.

(Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden)

Die Geschichte dieses alten Klosters

beginnt im Jahr 720 mit der maurischen Invasion, als sich, auf der Flucht vor den Muselmanen, hier eine Handvoll Einsiedler versteckte. Im 10. Jahrhundert entstand ein bescheidenes Höhlenheiligtum, das Johannes dem Täufer geweiht war. Aus dieser Zeit ist nur eine kleine mozarabische Kirche erhalten geblieben.
Im 11. Jahrhundert ließ Sancho, der König von Navarra, über dieser Stelle das Felsenkloster San Juan de la Peña bauen. Das Kloster wurde benediktinisch und das erste „spanische“ Kloster, das die Messe in Latein abhielt.

Im Foto rechts – der Kreuzgang des Klosters unter dem überhängenden Fels

Im Untergeschoß des Klosters, das als eines der heiligsten Orte Spaniens gilt, befindet sich die schon erwähnte mozarabische Kirche aus dem 10. Jh., die an der Stelle des Höhlenheiligtums errichtet wurde. Sie enthält Wandmalereien aus dem 12. Jh.

Folgt man der Legende, so wurde hier in diesem Kloster der Heilige Gral versteckt (vor den Muselmanen).

Erstmals im Jahr 1071 erwähnt, wurde er im Jahr 1399 nach Saragossa gebracht. Heute wird der Gral von San Juan de la Peña mit dem Santo Cáliz identifiziert, der in der Kathedrale von Valencia steht.

Nun zum Kreuzgang aus dem 12. Jh. Der Schatz dieses Kreuzgangs und des Klosters sind die prachtvollen romanischen Kapitelle …

Eine kleine Foto-Show zum Betrachten der einzelnen Kapitelle:

Das Neue Kloster

Im Jahr 1889 wurde das alte Felsenkloster zum Baudenkmal erklärt und ein neues Kloster darüber errichtet, das jedoch im Jahr 1923 ebenfalls den Rang als geschütztes Baudenkmal erhielt.

Besuchertipp für Autorfahrer: Die Parkplätze befinden sich oberhalb, in der Nähe des Neuen Klosters, wo man auch die Eintrittskarten lösen kann. Ein Sammelbus bringt die Besucher dann hinunter ins alte Felsenkloster.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel

Teufel, Monster, Todsünden –
Notre-Dame de L’Epine

Die Basilika Unserer Lieben Frau vom Dornbusch liegt in einem kleinen Dorf namens L’Épine, in der Nähe von Chalons-en-Champagne (Nordosten Frankreichs), in Richtung Verdun. Diese Kirche ist ein Meisterwerk des Flamboyant – einer Stilrichtung der Spätgotik.

Was hat der Dornbusch mit L’Epine zu tun?
Im 13. Jahrhundert verehrten die Chaloner eine wundertätige Madonna, die auf der Straße nach Verdun in einem Dornbusch erschienen war. Sie wurde ursprünglich in einer Johannes dem Täufer gewidmeten Kapelle angebetet, die der königlichen Abtei Saint-Jean von Laon gehörte.

(Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

GESCHICHTLICHES und Baufortschritt

Notre-Dame de L’Epine entwickelte sich zu einer begehrten Pilgerstätte!

Mit dem Bau wurde im Jahr 1406 begonnen – es war die Zeit des Hundertjährigen Krieges, in dem englische Könige versuchten, ihre Ansprüche auf den französischen Thron mit Waffengewalt durchzusetzen.

Berühmte Spender trugen zum Baufortschritt bei:
Die Patenbriefe Karls VI. bezeugen großzügige Schenkungen und Vermächtnisse, die den Bau zügig voranbrachten.
Im Jahr 1445 unternahm König Karl VII. mit seinem Hof eine Wallfahrt nach L’Epine.

Bereits im Jahr 1458 war der Bau des Chors, des Querschiffs, der Längsschiffe, des großen Portals und der Türme beendet.
Papst Calixtus III. gründete daraufhin die Pfarrei L’Epine – das Gotteshaus durfte sich nun offiziell Basilika nennen.

Eine weitere Schenkung erfolgte im Jahr 1471: König Ludwig XI. spendete der Basilika 1200 Goldtaler.

Die Pilgerströme reißen nicht ab – die Basilika muss vergrößert werden!
Bereits 1445 wurden zwei Joche angefügt und die Fassade im Flamboyant-Stil neu gestaltet.

Im ersten Viertel des 16. Jh. erfolgte dann der Anbau der Apsis und ihrer Kapellen.

Mit seinen zwei Türmen und seinen Wasserspeiern, heißt es, sei dieses Gotteshaus tatsächlich wie „ein brennender Dornbusch“ in der Champagne verwurzelt.

 

 

Die berühmte Madonna im Dornbusch (16. Jh.) erwartet den Besucher gleich am Eingang.

Das Kircheninnere

Wie die Magdalenenkirche von Vézelay macht auch das Innere der Basilika von L‘ Epine einen überraschend hellen und luftigen Eindruck:

Steinerne Grablegung mit Maria Magdalena (zweite von rechts, erkennbar am langen gewellten Haar)

Notre-Dame de L‘ Epine  – eine jüngere Statue

Ein Brunnen gehört zur Marienverehrung

WELTKULTURERBE

Klassifiziert im Welterbe der UNESCO, hat Notre-Dame de L‘ Epine nicht nur Pilger angezogen, sondern auch Schriftsteller inspiriert: Victor Hugo, Alexander Dumas, Joris-Karl Huysmans, Paul Claudel, Paul Fort.

DIE FENSTER

Die vielen bunten Fenster wurden in den 30er Jahren des 20. Jh. von einem Pariser Künstler gestaltet. Sie sind sehr schön, teilweise fast märchenhaft, und bilden u.a. auch die Geschichte der Basilika ab.

Die Entdeckung der Madonna im Dornbusch

Fensterrosette

Mittelalterliches Motiv

Notre-Dame-de L’Epine – Unsere Dame vom Dornbusch

im Stil der Romanischen Sitzmadonnen, aber bereits gotisch „angehaucht“.
(Mittelalter – vermutlich 13. /14. Jh)

Teufel, Monster, Todsünden

Im Jahr 1793, während der Französischen Revolution, zerschlugen Soldaten viele Statuen – aber die Armee von Wasserspeiern und Gargoylen zwischen den Geländersäulen der Dächer wurde verschont!

DAS GEHEIMNIS VON L’EPINE

Jede alte Kirche birgt ein Geheimnis – ich habe mich für diese alte Steintafel entschieden. (Vermutlich zeigt sie Pilger, wie sie vor der Madonna vom Dornbusch auf die Knie fallen.)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel